Bei den Höring-Brüdern wird auch abseits vom Training noch gekickt

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Der SV Herbern hat mit Julius und Kilian Höring ein starkes Brüdergespann in der ersten und zweiten Mannschaft auf dem Platz stehen. Doch wie gut klappt es eigentlich, sich den Verein zu teilen?

Herbern

, 29.05.2020, 15:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon in ihrer Kindheit stand auf den Fußballtrikots von Julius und Kilian Höring oft der gleiche Verein auf dem Rücken. Und auch heute spielen die Brüder gemeinsam für die Fußballmannschaften des SV Herbern. Seit acht Jahren durchlaufen sie dort die verschiedenen Altersklassen. Mal zusammen im Team und mal in getrennten Mannschaften. Aktuell ist der jüngere der beiden, Julius Höring (21), in der ersten Mannschaft zu Hause, sein zwei Jahre ältere Bruder Kilian Höring (23) ist in der zweiten Kapitän. Im Doppel-Interview sprechen die beiden über Unterstützung an der Seitenlinie, gemeinsames Training im Garten und Rivalität unter Brüdern.


Ist es eher Fluch oder Segen, wenn der Bruder dieselbe Sportart ausübt und auch noch im selben Verein spielt?

Kilian: Für mich ist das ganz normal, da ich es nicht anders kenne. In der Jugend kam es vielleicht mal zu Situationen, in denen ich keinen Bock hatte, ständig mit meinem Bruder zum Training zu gehen, da wir auch sehr oft zusammen gespielt haben. In den letzten Jahren habe ich mir da aber kaum noch Gedanken drüber gemacht. Heute ist es manchmal sogar ganz praktisch. Denn wir haben ein Fußballtor im Garten, stellen dann unseren Vater ins Tor und spielen gegeneinander. Da hilft es, auch mal abseits vom Training etwas zu machen.

Julius: Das macht mir eigentlich nichts aus. Beim SV Herbern ist es sowieso alles ziemlich familiär, sodass jeder jeden kennt. Und in Deutschland ist es mit der Präsenz von Fußball auch ein wenig schwierig, eine andere Sportart zu wählen. Eigentlich finde ich es sogar gut, dass er auch Fußball spielt, so können wir uns über den Sport unterhalten und nach unseren Spielen gemeinsam diskutieren. Der andere sieht dann vielleicht noch Fehler und gibt Tipps, was man anders machen kann.


Gibt es denn zwischen euch auch schon mal Neid oder gönnt jeder dem anderen den Erfolg?

Kilian: Wir sind da beide relativ entspannt, deswegen würde ich eher nicht von Neid sprechen. Natürlich würde ich gerne auch in der ersten Mannschaft spielen, aber das klappt aktuell bei mir nicht. Und ich freue mich auch für Julius. Aber es spornt mich definitiv noch ein bisschen an. Sprüche drückt man sich ab und zu natürlich mal, wenn der eine ein Eigentor schießt oder einen schlechten Ball geschlagen hat. Dann macht man sich schon ein bisschen darüber lustig. Aber das ist eben Spaß unter Brüdern.

Julius: Wir haben bereits zusammen in der Jugend und in der ersten Mannschaft zusammengespielt. Da hat man schon immer den Ehrgeiz, besser zu sein als der andere. Aber natürlich gönne ich meinem Bruder den Erfolg und freue mich für ihn. Für uns ist der Fußball aber eher ein guter Ausgleich, um mal Dampf und Druck abzulassen.

Kilian Höring (links) spielt aktuell für die zweite Mannschaft des SV Herben und ist dort Kapitän.

Kilian Höring (links) spielt aktuell für die zweite Mannschaft des SV Herben und ist dort Kapitän. © Jura Weitzel

Unterstützt ihr euch gegenseitig eigentlich an der Seitenlinie?

Kilian: Auswärts klappt das meistens zeitlich nicht, vor allem, wenn wir an komplett anderen Orten spielen. Bei Heimspielen bin ich aber eigentlich immer auf dem Platz. Auch weil ich die Jungs aus der ersten Mannschaft fast alle kenne und schon mal mit ihnen gespielt habe. Bei kleinen Aktionen feuer ich dann natürlich das Team an, aber nicht wie ein Trainer oder Fan im großen Stadion.

Julius: Wenn ich Zeit vor meinen eigenen Spielen habe, gucke ich mir schon gerne die Partie von meinem Bruder an und quatsche auch mit dem Team. Denn ich habe eine enge Verbindung zur zweiten Mannschaft, in der ich meine Seniorenkarriere begonnen habe. Da kenne ich ziemlich viele, die auch gute Freunde von mir sind.

Habt ihr euch während Corona in sportlicher Hinsicht gegenseitig unterstützt und motiviert?

Kilian: Wir haben uns da leider ein wenig auf die faule Haut gesetzt und nicht wirklich wie die Profis trainiert. Hinzu kam, dass, wenn ich laufen gehen wollte, mein Bruder meistens keine Lust hatte - und umgekehrt. Und von unseren Arbeitszeiten hat es oft nicht geklappt. Wir hätten wahrscheinlich auch nicht genau das gleiche Tempo gehabt. Im Garten haben wir aber manchmal ein paar Bälle hochgehalten und uns zugespielt.

Julius: Mehr als Laufen war in der aktuellen Lage eher nicht möglich, um sich fit zu halten. Das kann man dann aber mal gemeinsam machen. Insgesamt haben wir beide aber nicht wirklich viel trainiert in der Pause.

Werdet ihr eigentlich oft miteinander verglichen, vom Trainer, Spielern oder Gegnern?

Kilian: Aus Spaß werde ich manchmal von Spielern aus der Mannschaft mit Julius verglichen. Mein Bruder ist zum Beispiel sehr kopfballstark und da krieg ich dann mal einen Spruch nach dem Motto: „Was machst du da mit dem Kopf, guck dir das doch mal ab von Julius.“ Zu Verwechslungen im Team kommt es eigentlich nicht mehr, da kennt uns jeder, auch wenn wir beide sehr lautstark auf dem Platz sind. Bei manchen Gegner könnte es zum Teil noch passieren, aber nach so einer langen Zeit sind wir bei den meisten auch bekannte Gesichter.

Julius: Im ersten Jahr, nachdem ich in die Seniorenmannschaft gewechselt bin, hat man uns vielleicht vom Aussehen verglichen, da wir uns ziemlich ähnlich sehen. Und auch sehr gleich sprechen. Vom Fußballerischen sind wir zwar nicht grundverschieden, aber doch schon anders, auch weil mein Bruder im Mittelfeld spielt. Da kommt es dann nicht so oft zu Vergleichen.

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