Jan Tschernoster (23) beendet seine Karriere: „Dieses Jahr ist die Zeit reif “

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Fünf Jahre lang verfolgte Jan Tschernoster den Traum vom Profisport. In dieser Saison gestand er sich nun ein, dass daraus wohl nichts mehr wird. Nächste Woche steht sein letztes Rennen an.

von Marcel Schürmann

Werne

, 25.09.2019, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Traum vom Profisport: Jan Tschernoster verfolgte ihn in den vergangenen fünf Jahren nahezu jeden Tag. Nun hat der 23-jährige Bergkamener, der in seiner Jugendzeit lange für den RSC Werne in den Sattel stieg, sein baldiges Karriereende erklärt. Wie es zu seiner Entscheidung kam und was er in Zukunft vorhat, darüber sprach Tschernoster mit Marcel Schürmann im Interview.

Herr Tschernoster, Sie haben mit 23 Jahren ihr Karriereende im Radsport erklärt. Wie kam es dazu?

Irgendwann kommt ja für jeden der Zeitpunkt, aufzuhören. Letztendlich musste ich nun so langsam anerkennen, dass ich den Sprung in den Profibereich nicht geschafft habe. Es ist extrem schwierig, nach dem U23-Bereich noch im Profigeschäft Fuß zu fassen. Nach fünf Jahren in der Männerklasse musste ich mir nun überlegen, womit ich meine Brötchen verdienen will. Und das wird nicht der Radsport sein.

Wann genau haben Sie den Entschluss getroffen?

Dass ich nicht mehr auf Kontinental-Niveau fahren werde, stand für mich schon vor der Saison fest. Ich hatte mir mal die Frist gesetzt, es bis 2018 in den Profibereich zu schaffen. Ich habe jetzt sogar noch ein Jahr drangehängt, hatte immer die volle Unterstützung meines Teams (rad-net-Team, Anm. d. Red.). Nach der ersten Saisonhälfte hat sich dann abgezeichnet, dass es nichts mehr wird.

Die Entscheidung haben Sie sich sicherlich nicht leicht gemacht...

Nein, keinesfalls. Ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht. Ich habe den Sport ja auch mindestens fünf Jahre lang gelebt. Diese Einstellung muss man auch an den Tag legen. Bei dem einen funktioniert es, bei dem anderen eben nicht. Letztes Jahr hätte ich diesen Schritt noch nicht vollziehen können, aber dieses Jahr ist die Zeit einfach reif.

Sie sagten eben, Sie müssen entscheiden, womit Sie künftig Ihre Brötchen verdienen wollen. Was ist denn Ihr neues Ziel?

Ich mache seit vier Jahren ein Maschinenbau-Fernstudium. Der Sport hatte in dieser Zeit aber absolute Priorität. Das ändert sich nun. Ich bin zufrieden, wie weit ich in den vier Jahren im Studium schon gekommen bin. Mein Ziel ist jetzt, meinen Bachelor zu machen. Ob ich danach einen Master dranhänge, weiß ich aber noch nicht.

Inwieweit spielte auch Ihre schwere Armverletzung, die Sie sich im Mai zugezogen haben, eine Rolle, mit dem Radsport aufzuhören?

Überhaupt keine. Ich habe mich zwar noch nicht komplett von der Geschichte erholt, habe immer noch Einschränkungen, bin aber optimistisch, dass das wieder wird. Es ist jetzt auch keine Verletzung, die mich im Sport groß eingeschränkt hätte. Sie hat aber sicherlich dazu beigetragen, dass ich diese Saison nicht auf Top-Niveau unterwegs sein konnte.

Am vergangenen Sonntag haben Sie bei der Sauerlandrundfahrt einen zweiten Platz eingefahren. Damit waren Sie aber nicht zufrieden, oder?

Das kann man so sagen. Das war mein letztes Rennen der Bundesliga-Serie. Es wäre schön gewesen, da zu gewinnen. Mit diesen Ambitionen bin ich da auch angetreten. Das wäre für mich ein krönender Abschluss gewesen und hätte mich für die vielen Rückschläge, die ich einstecken musste, entschädigt. Das hat leider nicht geklappt. Trotzdem kann ich mit Platz zwei, denke ich, auch zufrieden sein.

Ein allerletztes Rennen steht in der kommenden Woche ja auch noch an...

Stimmt. Nächste Woche trete ich nochmal beim Münsterland Giro an, das zweitgrößte Rennen in Deutschland. Da fahren auch Profis mit und das ist ein absolutes Highlight, mit denen gemeinsam am Start zu stehen. Da zu gewinnen, ist aber unmöglich und wäre eine echte Sensation. Ich will da einfach nur Spaß haben.

Sie haben schon angekündigt, dass Sie nicht gänzlich aufhören wollen. Was heißt das genau?

Das weiß ich noch nicht. Ich stelle mein Rad jetzt erstmal in den Keller. Mal sehen, ob ich irgendwann wieder Lust kriege. Aus Spaß Radfahren werde ich aber weiterhin, nur trainieren werde ich eben nicht mehr.

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