Beinahe 40 Grad beim Ironman in Frankfurt, ein vierstelliges Antrittsgeld und mehr als 30 Kilometer mit Krämpfen. Kamil Jablonski musste einiges für seine Hawaii-Quali auf sich nehmen.

Werne

, 02.07.2019, 02:01 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kamil Jablonski hat sich seinen Traum erfüllt. Den Traum von Hawaii. Dem prestigeträchtigsten Ironman. Dem ältesten Ironman. Dem Traum von vielen Triathleten. Über Tage, Wochen, Monate, die letzten drei Jahre hat der Athlet des TV Werne darauf hingearbeitet. Seit Montag hat er seinen Platz sicher. Dafür hat er einen Tag zuvor den Ironman Frankfurt bezwungen. Der Triathlon am Main war die letzte große Hürde vor seinem Ziel. Und der 33-jährige Lüner hat sie geschafft.

Was verdammt gut klingt, fühlt sich auch so für ihn an: „Überragend gut geht es mir gerade“, erklärt er, obwohl etwas mehr als 225 Kilometer in ihm steckten. 225 Kilometer in der prallen Sonne von Frankfurt. „Insgesamt war es die Hölle, aber es fühlt sich gut an. Das gute Gefühl ist stärker als die Schmerzen.“

3,8 Kilometer legte er im Wasser zurück, 180 Kilometer auf dem Rad, 42 Kilometer zu Fuß. 39 Grad waren es zeitweise in Frankfurt. Hitze. Dauerhafte Hitze, die auf alle Athleten einprasselte. Insgesamt waren es über 2000, die sich mit Jablonski dieser Herausforderung stellten. Auch die Profis waren mit dabei und machten den Europameister unter sich aus. Profisportler wie Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange, die auch unter den Temperaturen litten. Frodeno ließ sich nach dem Zieleinlauf direkt auf den Boden fallen, kam kaum noch hoch.

Krämpfe, Kreditkarte, Kilometer – wie Kamil Jablonski (33) die Quali für Hawaii packte

Sieger Jan Frodeno liegt nach dem Zieleinlauf beim Ironman in Frankfurt erschöpft auf dem Boden. © dpa

Wie dramatisch es unter diesen Bedingungen sein konnte, wurde bei der amerikanischen Profi-Triathletin Sarah True deutlich. Die 37-jährige führte die Frauenwertung des Ironman in Frankfurt an. Mit rund sechs Minuten Vorsprung lief sie in Richtung Ziel. 900 Meter waren es nur noch für sie, als sie plötzlich kollabierte. Der Körper hat nachgegeben, sich der Hitze gebeugt. Das Rennen war für True gelaufen. Auch die zweifache Ironman-Siegerin Daniela Bleymehl aus Darmstadt, musste wegen Magenkrämpfen das Rennen vorzeitig abbrechen.

Auch Jablonski kämpfte mit seinem Körper. Immer wieder zwang er sich selbst dazu, fokussiert zu bleiben und trotz allem die bestmögliche Leistung abzurufen. Dabei hat ihn unter anderem die einzigartige Atmosphäre unterstützt. „Die Stimmung war einfach grandios. Es waren unfassbar viele Menschen da, es gab einige richtige Gänsehaut-Momente und viel Jubel bei den Zuschauern“, beschrieb er das Drumherum in Frankfurt.

„Du bist richtig geil drauf“

Die erste Disziplin, das Schwimmen, lief für ihn ganz okay. Es hätte aber besser sein können, trotzdem war er schon zufrieden. So beschrieb er es selbst. Das Wetter war da noch angenehm, die Athleten starteten schon früh morgens gegen halb sieben.

Aus dem Wasser ging es direkt auf die Radstrecke. Jablonskis Paradedisziplin. Hier wollte er aggressiv fahren, viel Zeit herausholen. Es hat geklappt. Jablonski war zufrieden mit seiner Leistung, hat aber auch schon gemerkt, wie sehr ihn diese Anstrengungen gefordert haben. Diese 180 Kilometer auf dem Rad. In der prallen Sonne von Frankfurt. Bei fast 40 Grad. „Auf dem Rad dachte ich, ‚Du bist richtig geil drauf‘. Das war eine der besten Radleistungen in meiner Altersklasse.“

Laufen stand im Anschluss an. „Ich bin gar nicht richtig gelaufen, mir kam es gar nicht so vor. Es fühlte sich eher wie spazieren an“, erklärte er am Montag. Bereits nach fünf Kilometern spürte er, wie sein Körper zum Streik ansetzen wollte. Alle paar Kilometer setzten kleinere Krämpfe an und wollten ihn niederzwingen. 37 Kilometer standen noch zu Fuß an. Aber die Krämpfe konnten nichts bezwecken - keine Chance. Nicht mit Jablonski.

Die Kreditkarte war wichtig für Hawaii

Er quälte sich. Von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Die Zeit war ihm zu diesem Zeitpunkt egal. Hauptsache er kommt irgendwie an, dachte er sich, wie er am Montag preisgab. An der Verpflegungsstation kurz stärken, ein paar Meter gehen, dann wieder Tempo aufnehmen. Das war der Plan, den er hatte. Und Jablonski hat ihn durchgezogen. Am Ende blieb er sogar unter dreieinhalb Stunden für die 42 Kilometer. Eine Zeit, die ihn selbst überraschte, als er sie am Montag zum ersten Mal hörte.

Doch was nun? Er hatte etwas mehr als neuneinhalb Stunden für den Ironman gebraucht. Wurde Achter in seiner Altersklasse, landete auf Platz 43 insgesamt. Überragende Zahlen bei mehr als 2000 Teilnehmern. Reicht das für Hawaii? Erst am Montag gab es die Antwort - bei der Siegerzeremonie.

Dort wurden alle Athleten aufgerufen, die sich für Hawaii qualifiziert haben. „Da musste man einfach nur laut ‚Ja‘ schreien, was bei mir auch nicht lange gedauert hat“, erzählt Jablonski mit einem Lachen. Das „Ja“ rausgeschrien, ab nach vorne zu den Organisatoren. Den Ausweis raus. Und noch viel wichtiger: die Kreditkarte. Rund 1000 Euro kostet die Teilnahme am Ironman auf Hawaii. Bezahlt werden muss sofort, doch Jablonski war vorbereitet. Wie ein alter Hase, als hätte er das schon jahrelang gemacht. Doch es war keine Erfahrung, sondern jahrelange Vorbereitung bei der Abwicklung und dem großen Traum von Jablonski auf Hawaii teilnehmen zu dürfen.

Erst regenerieren, dann wieder trainieren

Dafür wird er sich nun vorbereiten, denn im Oktober wird aus dem Traum nun die Realität. Doch erstmal stehen 14 Tage Erholung und lockere Regeneration an. Danach geht es wieder langsam los. Das Training wird dann wieder intensiver, sein Trainer und ein Online-Modul werden ihm dann die Trainingspläne vorsetzen, die ihn auf Hawaii vorbereiten sollen.

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Das Wichtigste für die Zeit im Oktober hat der Lüner aber schon abgeklärt: den Urlaubsantrag. Der Polizist war auch da gut vorbereitet. „Ich hatte schon im Vorfeld Urlaub geplant, deshalb ist das gar kein Problem“, erklärt er. Der 33-jährige ist Single, hat keine Verpflichtungen. Die einzigen Verpflichtungen, die der TVW-Athlet laut eigener Aussage hat, sind seine beiden Leidenschaften: die Arbeit als Polizist und die Wettkämpfe. Nun hat diese Leidenschaft für die Erfüllung eines Lebenstraums gesorgt - der Qualifikation für den Ironman in Hawaii, der Weltmeisterschaft unter den Triathleten. Richtig wahrgenommen hat er das noch nicht: „Es ist ein bisschen schwierig, das zu realisieren.“ Womöglich wird Jablonski das erst, wenn er auf Hawaii an den Start gegangen ist.

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