Die Stadt Werne will mit zwei Kunstrasenplätzen die Sportanlage im Dahl neu gestalten. Warum das so wichtig ist, weshalb die Planung so schwierig war und wo das Geld hinfließt - Teil 1/3 unserer Serie.

Werne

, 10.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Tiefe Furchen durchziehen die rote Asche des Tennenplatzes im Dahl an einem Freitagmorgen im frühen Februar. Eigentlich hätten die Fußballer des Kreisligisten Eintracht Werne hier am Wochenende nach der Winterpause wieder ihr erstes Liga-Spiel absolvieren sollen. Eine Woche früher als alle anderen Teams, aufgrund wiederholter Absagen haben die Werner noch mehrere Nachholspiele vor der Brust.

Doch eine Spezialfirma hatte unter der Woche Hölzer um den Platz herum beschnitten. Dabei waren die Arbeiter mit schwerem Gerät über den Aschenbelag gefahren, das für die Fußballer gefährliche Spurrillen im Belag hinterlassen hatte. Die Durchführung des Spiels? Unmöglich. Die Partie muss erneut verschoben werden.

Spiel wäre ohnehin ausgefallen

Doch auch ohne die Furchen im Belag hätte das Spiel wohl ausfallen müssen. Der Platz wäre ohnehin nicht bespielbar gewesen, viel zu nass sei es in den letzten Tagen gewesen, hieß es vonseiten der Stadt.

Die Rasenplätze von Eintracht Werne und des SV Stockums, und oft auch die Aschenplätze, sind bei anhaltendem Regenfall häufig und bei Frost immer gesperrt, den Fußballern bleibt dann nur Warten und Hoffen. Kunstrasenplätze hingegen sind für gewöhnlich das ganze Jahr über bespielbar und werden nur in echten Ausnahmesituationen, wie bei der Sturmwarnung vor wenigen Wochen, abgeriegelt.

Mario Martinovic und Eintracht Werne mussten schon vor der Corona-Pause zu Jahresbeginn häufig Spiele und Trainingseinheiten verschieben.

Mario Martinovic und Eintracht Werne mussten schon vor der Corona-Pause zu Jahresbeginn häufig Spiele und Trainingseinheiten verschieben. © Helga Felgenträger

Der Grünschnitt war im Rahmen der Arbeiten für die neuen Kunstrasenplätze im Dahl durchgeführt worden. Denn seit einem Ratsbeschluss im Jahr 2018 steht fest, dass die drei verbliebenen Tennenplätze in Werne (Dahl 1, Dahl 2, Stockum) weichen sollen. Bei der Stadt sind die Sportler mit ihrem Wunsch nach einem modernen Spielfeld auf offene Ohren gestoßen.

Bedenken trotz Vorfreude

Für die Fußballer von Eintracht Werne und des SV Stockum soll ein neuer Kunstrasenplatz entstehen, den die Vereine neben ihren Naturrasenfeldern für Spiel- und Trainingsbetrieb nutzen können. Zudem soll direkt daneben ein kleinerer Trainingsplatz gebaut werden, den auch die Hockeyabteilung des TV Werne nutzen kann. Doch auch das Großfeld soll, wie in der Sitzung des Sportausschusses am 4. März mitgeteilt wurde, zu einem späteren Zeitpunkt mit wenig Aufwand zu einer Multifunktionsoberfläche, die bei Bedarf auch den Hockeyspielern gerecht wird, umgebaut werden können. Viele Vorgaben also.

Doch auch wenn die Vorfreude auf das neue, wetterresistente Spielfeld bei Eintracht Werne und dem SV Stockum groß ist, gibt es Bedenken. Denn Kunstrasenplatz ist nicht gleich Kunstrasenplatz.

Keine senkrecht stehenden Halme

So beklagen sich Spieler und Verantwortliche des Fußball-Landesligisten Werner SC schon seit Jahren über den Untergrund der Heimspielstätte im Lindert. Dieser hat keine senkrecht stehenden Halme, sondern gekräuselt liegende, die hoch mit grauem Granulat verfüllt sind - und so einen sehr kurzen, kaum federnden Bodenbelag ergeben.

Die Sportzentrum im Dahl soll modernisiert werden.

Die Sportzentrum im Dahl soll modernisiert werden. © Patrick Fleckmann

Das hängt damit zusammen, dass diese 2009 eröffnete Oberfläche ein Multifunktionsrasen ist, den sowohl Fußballer als auch Hockeyspieler nutzen können. Während der Feldsaison ist die Hockeyabteilung des TV Werne freitags auf dem Platz im Lindert. Doch wo sich die Fußballer einen möglichst langen, gut dämpfenden und auch bei Nässe Haftung bietenden Belag wünschen, hoffen Hockeyspieler auf eine ebenere Oberfläche mit härterem Untergrund, auf der der Ball besser rollt. Den Kickern hingegen wird ihr Spielgerät auf so einem Boden, gerade bei Regen, jedoch wieder zu schnell. Ein Zwiespalt.

Unzufrieden mit dem Belag der Heimspielstätte seines Klubs: WSC-Trainer Lars Müller.

Unzufrieden mit dem Belag der Heimspielstätte seines Klubs: WSC-Trainer Lars Müller. © Helga Felgenträger

„Das ist kein Belag, der für Fußballer prädestiniert ist“, berichtet WSC-Trainer Lars Müller. „Da gab und gibt es Gründe für mit der Hockeyabteilung, keine Frage. Aber für Fußballer ist das nicht optimal, war es nie und wird es auch nicht werden. Die Halme sind zu kurz, und die Füllung mit dem Gummigranulat fehlt.“ Dadurch federt der Belag kaum nach. Den harten Untergrund sieht Müller als Teil des Grundes der vielen Adduktoren-, Leisten- und Rückenbeschwerden, die in seiner Mannschaft immer wieder auftreten.

Hohe Trainingsbelastung

Ganze sechs Spieler aus seinem aktuellen Kader, die alle entsprechende Beschwerden gehabt hätten oder noch immer haben, zählt der Coach auf. „Aufgrund der hohen Trainingsbelastung und der Spiele haben wir damit körperlich größere Probleme als die Hockeyabteilung“, erklärt der ehemalige Bundesligaprofi. „Wir haben uns damit arrangiert, wissen, dass es nicht optimal ist, aber aus unserer Sicht wäre es schön, wenn da irgendwann mal was korrigiert werden könnte in Richtung Fußballsport.“

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Die Hockeyspieler des TV Werne nutzen den Platz während der Feldsaison einmal die Woche freitags. Hier sind keine Beschwerden über den Untergrund bekannt. „Wir haben diesbezüglich gar keine Probleme“, berichtet Jenny Zuelsdorf, stellvertretende Vorsitzende der Hockeyabteilung des TVW. Ihre Abteilung möchte auch weiterhin gerne im Lindert trainieren. „Das ist unsere Heimat, da haben wir auch die Halle und die Materialien vor Ort.“

Herberns Kapitän Philipp Dubicki (l., hier im Derby gegen den Werner SC im Lindert) ist zufrieden mit dem Kunstgrün seines Vereins - weniger mit dem am Platz des WSC.

Herberns Kapitän Philipp Dubicki (l., hier im Derby gegen den Werner SC im Lindert) ist zufrieden mit dem Kunstgrün seines Vereins - weniger mit dem am Platz des WSC. © Jürgen Weitzel

Wesentlich anders sieht der Kunstrasen beim SV Herbern aus, dem Lokal- und Ligarivalen des WSC. Der Platz am Siepenweg hat gerade, in die Höhe gereckte Halme, die mit einem schwarzen Gummigranulat ausgelegt sind. Dieses dämpft die Bewegungen der Sportler besser und bietet bei Nässe mehr Halt als der kurze Multifunktionsbelag im Lindert. Zudem wurde die Oberfläche in Herbern erst im Juni 2016 erneuert.

„Ich habe damit persönlich nur gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Philipp Dubicki, Kapitän des Landesligisten. Anders sieht der Verteidiger den Kunstrasen beim WSC: „Der Lindert ist ziemlich hart und ziemlich kurz. Wenn es ein bisschen nass ist, ist es schon schwieriger, da vernünftig Fußball zu spielen. Der Ball wird extrem schnell oder man rutscht bei schnellen Richtungsänderungen schneller weg, da ist ein längerer Kunstrasen wie bei uns besser geeignet.“

Teil zwei: Sportmediziner spricht über Verletzungsgefahr

Fußballern und Hockeyspielern mit einem Platz gleichzeitig gerecht zu werden, scheint schwierig. Wie Vertreter von Stadt und Vereinen gemeinsam nach dem richtigen Belag für das neue Großfeld im Dahl gesucht haben, was sich die Fußballer von Eintracht Werne und der SV Stockum erhoffen und was ein Sportmediziner zur Verletzungsgefahr auf Kunstrasenplätzen sagt, erfahren Sie im zweiten Teil unserer Serie.

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