Saisonabbruch? SV Stockum würde bei Abstieg rechtliche Schritte einleiten

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Bei einem Saisonabbruch würde den Fußballverbänden wohl eine Klagewelle drohen. Eine Saisonverlängerung ist wahrscheinlicher geworden. Das sagen die Werner und Herberner Fußballclubs.

Werne, Herbern

, 06.04.2020, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Handhabe: Der FLVW darf derzeit wohl keine Sonderregelungen für Auf- und Abstieg treffen, weil er satzungsmäßig dazu kein Recht hat. Der Fall des Saisonabbruchs durch die Corona-Krise ist nicht geregelt. Ein Verein aus Werne ist direkt betroffen.

Würde die Saison vorzeitig abgebrochen werden und es würde beschlossen werden, dass Vereine, die derzeit auf einem Abstiegsplatz stehen, auch absteigen würden, ergibt sich für den A-Ligisten SV Stockum ein Nachteil, gegen den der SV auch rechtlich entgegenwirken würde.

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Stockums Sportlicher Leiter Yassine Najih kann die schwierige Situation des DFB und der Fußballverbände nachempfinden. „Die Rollen würde ich ungern tauschen. Wir vertrauen den Verantwortlichen, dass sie eine gute Lösung finden werden. Dennoch würden wir es nicht akzeptieren können, wenn uns gesagt wird, ihr seid jetzt abgestiegen. Dafür haben wir uns in der Winterpause gut verstärkt und uns gesteigert“, sagte Najih.

Stockum steht auf einem Abstiegsplatz

Die Stockumer stehen auf dem ersten Abstiegsplatz mit sechs Punkten Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Najih hätte eine Idee für ein mögliches Szenario: „Ich halte Aufstieg- und Abstiegsplayoffs für eine gute sportliche Lösung. Die Mannschaften aus dem Tabellenkeller spielen den Absteiger untereinander aus und die Teams von oben den Aufsteiger. Für mich wäre es nicht regelkonform, wenn der Verband nun festlegt, welche Mannschaften absteigen. Es wären ja noch sehr viele Spiele zu absolvieren gewesen.“

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Zustimmung erhält Najih vom Ligakonkurrenten Eintracht Werne. Eintrachts Sportlicher Leiter Rainer Fiebig hat Verständnis für den SV Stockum: „Klar wäre diese Reaktion nachvollziehbar. Für die Vereine von unten wäre das ein Desaster. Die Stockumer haben gut aufgerüstet für den Abstiegskampf.“ Fiebig hält eine Auf- und Abstiegsrunde für die realistische Lösung.

„Zeitlich wäre es das Beste für alle. Wenn man die Saison versucht, über den Sommer zu beenden, dann hätten wahrscheinlich viele Vereine mit Personalnot zu kämpfen. Gerade wir haben noch viele Nachholspiele. Weiterhin fällt bald der Ascheplatz auf unserer Anlage weg. Für alle Teams im Verein hätten wir den Rasenplatz. Das wäre organisatorisch auch eine Herausforderung“, so Fiebig.

Werner SC rückt die Gesundheit in den Vordergrund

Für den Fußball-Landesligisten Werner SC geht es um weniger. Sie würden als Fünfter weder aufsteigen noch absteigen. „Für uns geht es erst einmal darum, dass für alle die Gesundheit gewährleistet ist. Ist das sichergestellt, dann können wir überlegen, wie es weitergeht. Ich kann mir vorstellen und auch nachvollziehen, wenn einige Vereine rechtliche Schritte einlegen werden, wenn sie vorzeitig als Absteiger feststehen. Eine gute Lösung für alle zu finden, halte ich für fast unmöglich“, sagte Wernes Vorsitzender Thomas Overmann.

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Im Gegensatz zu Najih und Fiebig hätte er eine andere Lösung, die er für sinnvoll hält. „Man könnte die Saison im Juni fortsetzen. Da muss man natürlich die Situation abwarten, aber so könnte der Rest der Saison als Ersatz für die Vorbereitung dienen. Viele beschweren sich, dass bei schönstem Wetter kein Fußball gespielt wird. Nun hätte man die Möglichkeit dazu.“

Was ist mit den Wechselfristen?

Dass viele Spieler bis dahin den Verein vielleicht schon verlassen hätten können, weiß Overmann. „Man könnte dann versuchen, die Wechselfristen zu ändern. Außerdem wird meistens nicht die komplette Mannschaft aufgelöst.“ In die Richtung hat der DFB kürzlich Regelungen gelockert.

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Der Vorsitzende des Landesligisten Jürgen Steffen wollte zu diesem Thema kein Statement abgeben. „Ich kann die Situation ganz schwer bewerten. Ich möchte da auch gar keine Aussage tätigen, da es schwierig sein wird, allen Mannschaften gerecht zu werden. Da gibt es so viele Dinge, die man beachten muss. Da kann man den Überblick verlieren.“

In einem Punkt waren sich alle Verantwortlichen aber einig. Es nütze nichts, in dieser Situation etwas zu überstürzen. Zunächst muss sichergestellt sein, dass die Gesundheit für alle gewährleistet sei.

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