Sorge um Heimkehr statt Istanbuler Derby: Eintracht-Kapitän Enes Akyüz erlebt Reise zum Vergessen

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Eigentlich wollte sich Eintracht Wernes Kapitän Enes Akyüz mit guten Freunden das Derby zwischen Galatasaray und Besiktas Istanbul ansehen. Doch der Kurztrip hätte sich fast unfreiwillig verlängert.

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, 20.03.2020, 19:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum berühmten Istanbuler Derby zwischen Galatasaray und Besiktas sollte es für Eintracht Wernes Kapitän Enes Akyüz gehen. Rein ins Stadion, Zuschauermassen, Emotionen. Ein Duell, das nicht nur wegen seiner einzigartigen Atmosphäre jedem eingefleischten Fußballfan ein Begriff ist. Doch dann kam für den 29-Jährigen und zwei seiner Freunde alles ganz anders. Statt stimmungsvollem Stadionbesuch mussten die Gala-Anhänger um ihren Rückflug nach Deutschland bangen.

In gemütlicher Runde

Doch vorne angefangen. Am Montag vor dem Istanbuler Derby sitzt Enes Akyüz in einer gemütlichen Runde mit Freunden zusammen. Die Laune ist gut, das Gespräch kommt auf das bevorstehende Duell zwischen Galatasaray und Besiktas. Spontan fassen der Eintracht-Kapitän und zwei „gute Kumpels“ den Entschluss, für das Derby-Wochenende nach Istanbul zu fliegen.

„Wir machen das ein bis zwei mal im Jahr, dass wir für drei, vier Tage nach Istanbul fliegen. Dann hat einer in die Runde geworfen: ‚Jungs, sollen wir sollen wir nicht?‘“, berichtet Akyüz. „Dann haben wir nach Flügen geguckt, direkt ein gutes Angebot gefunden und nach Hotels geguckt und auch direkt gute Angebote gefunden.“ Gesagt, getan. Donnerstag soll es hingehen, Montag zurück.

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Doch schon als die drei Freunde nach der Landung in Istanbul auf ihren Mobiltelefonen das Internet wieder einschalten, trudeln die ersten Hiobsbotschaften ein. Die Partie wird als Geisterspiel ohne Zuschauer ausgetragen.

„Wenn wir das einen oder zwei Tage vorher gewusst hätten, hätten wir storniert“, so Akyüz. Aber die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus verbreiten sich rasend schnell - und überholen das Trio quasi in der Luft.

Doch bei der vergeblichen Reise - auch die Eintrittskarten für den Stadionbesuch haben die Gala-Fans bereits erstanden - folgt die nächste kalte Dusche bereits am nächsten Tag. „Einen Tag später kam die Nachricht, dass es in der Türkei ein komplettes Ein- und Ausreiseverbot gibt“, berichtet Akyüz. Dem Vernehmen nach hätte dies vorerst für einen Monat Bestand haben sollen.

Widersprüchliche Informationen

„Wir dachten: ‚Okay, wir können jetzt eh nichts mehr daran ändern, wir warten, was die Nachrichten so bringen‘“, sagt Akyüz. „Das Problem war, dass am Tag immer wieder neue Nachrichten gekommen sind.“ Mit widersprüchlichen Informationen. Es folgte die Nachricht, dass Reisende jetzt doch noch schnell das Land verlassen könnten.

„Dann haben wir uns gedacht, wir nehmen unsere Koffer und fahren zum Flughafen.“ Doch die Idee haben die drei Freunde nicht allein: „Als wir am Flughafengelände waren, hatten wir gar keine Möglichkeit, aus dem Taxi zu steigen, es war so rappelvoll. Der Istanbuler Flughafen ist einer der größten der Welt, so eine Menschenmenge habe ich noch nie in meinem Leben gesehen“, schildert der Eintracht-Kapitän.

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Also: Kommando kehrt, zurück ins Hotel. Als nächstes folgt die Information, „dass man, wenn man einen zeitnahen Flug hat, zurückkommt, aber wenn man einen späteren Flug hat, soll man zusehen, dass man bis spätestens Donnerstag ausreist“, berichtet Akyüz und fasst zusammen: „Was für ein Chaos.“

Die Rückflug-Tickets waren ja bereits für Montag gebucht, also steht fest: die Aufregung war vergebens. Statt im Stadion verfolgen die Gala-Fans das am Ende torlose Derby (0:0) in der Stadt. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Deutschland - einen knappen Monat früher, als zwischendurch befürchtet.

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