Tom Kupczik ist auf einen Schlag Nationalspieler

Softball: Europameisterschaft

Tom Kupczik kommt aus Werne und ist Handballspieler beim TVW. Er spielt seit seiner Jugend, zuletzt meist in der Reservemannschaft und aktuell auch nicht mehr so oft. Denn Kupczik spielt Softball in Köln bei den Cologne Travellers. Jetzt wurde der 23-Jährige in das Nationalteam für die Europameisterschaften berufen. Nachdem er Deutscher Meister geworden ist.

WERNE

, 10.07.2017, 10:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für einen Deutschen Meister ist es nicht außergewöhnlich, dass man ihn als Nationalspieler für sein Land beruft. Die Nominierung in die Nationalmannschaft für die Europameisterschaft im Softball kam für Tom Kupczik trotzdem überraschend – zumal er erst vergangene Woche mit den Cologne Travellers Deutscher Meister wurde, aber bereits Mitte Juni nominiert wurde.

Bei ihm spielten Ehrgeiz und etwas Glück die entscheidenden Rollen. Glück, weil ein nominierter Spieler absagte, und Ehrgeiz, weil Kupczik sein Trainingspensum erhöhte und extra nach Berlin für die letzte Auswahlrunde reiste. „Dort hat sich das Training ausgezahlt. Ich war sehr zufrieden mit meiner Leistung und glücklich, als der Bundestrainer sagte, dass ich dabei sei“, sagt der 23-Jährige.

Verschiedene Unterarten

Ein Werner für Deutschland – schön und gut. Aber in was für einer Sportart? Softball? „Baseball und Softball teilen das gleiche Spielprinzip. Man kann von einer Sportart und mehreren Disziplinen sprechen“, sagt Wolfgang Walther, der Kupczik als Bundestrainer in den Kader geholt hat.

Selbst unter dem Begriff Softball finden sich Unterarten wie Slowpitch und Fastpitch, die die Art beschreiben, wie der Pitcher (Werfer) den Ball zum Schlagmann bringt. Beim Baseball wird der Ball von oben geworfen. Beim Softball grundsätzlich von unten. „Der Pitcher holt mit dem Arm kreisförmig nach hinten aus und lässt den Ball unterhalb der Hüfte los“, erklärt Kupczik.

Erfahrungen aus dem Tennis

Beim Fastpitch darf das mit Tempo passieren, beim Slowpitch nicht: Hier muss der Ball in einem Bogen von mindestens 1,80 Meter und maximal 3,60 Höhe geworfen werden. Soft, also weich, sind die Varianten des Softballsports übrigens nicht: „Im Unterschied zum Baseball ist der Ball bei uns größer, aber er ist genauso hart und tut genauso weh, wenn man ihn abbekommt“, weiß Kupczik. Wie die meisten seiner Teamkameraden spielt er mit Mundschutz. Manche Spieler setzen zudem auf spezielle Helme, die eine Gesichtshälfte abdecken oder den Kiefer mit einem Käfig schützen.

In der Variante, die Kupczik und Co. ab Dienstag bei der EM in Bulgariens Hauptstadt Sofia spielen, liegt „die Herausforderung darin, den Ball mit einer hohen Erfolgsquote sehr platziert zu schlagen“, sagt Bundestrainer Walther. Schlagen muss jeder mal im Team, dann befindet sich eine Mannschaft in der Offensive. „Ich habe früher auch Tennis gespielt. Nicht so erfolgreich, aber ein bisschen was bringt das schon“, sagt Kupczik.

Die Regeln

Trifft der Schlagmann den Ball, wirft er den Schläger zur Seite und läuft zur sogenannten Base. „Davon gibt es vier. Eins, zwei, drei und die Homebase. Man muss einmal alle vier Bases ablaufen, um einen Punkt zu bekommen“, sagt Kupczik. Grundsätzlich ist das Spielprinzip mit Brennball vergleichbar. Die Schlagmänner wollen nach dem Schlag schnell zur Base.

Die Verteidigung, die an mehreren Positionen im Feld verteilt ist, will den geschlagenen Ball fangen und schneller zur Base bringen, als der Angreifer die Strecke laufen kann. Dann ist der nämlich raus und kann nicht punkten. Raus ist der Schlagmann auch, wenn ein Verteidiger den Ball direkt aus der Luft fängt oder er drei Mal einen regulären Ballwurf nicht trifft. Dann kommt vom Schiedsrichter das bekannte „Strike out!“ Schafft es der Werfer wiederum in vier Versuchen nicht, einen regulären Wurf zu bringen, darf der Schlagmann ohne Mühe zur ersten Base laufen. 

Gleichberechtigte Geschlechter

Der Schlagmann kann also auch spekulieren, was das Duell zwischen Werfer und Schlagmann spannend macht. „Für mich ist das Gefühl, den Ball mit dem Schläger satt zu treffen, die größte Faszination des Sports. Auf der anderen Seite sind Baseball und Softball einige der wenigen Sportarten, in denen die Verteidigung den Ball kontrolliert. Niemand läuft dem Ball hinterher, auch in einseitigen Spielen spielt jeder mit“, beschreibt Bundestrainer Walther den Reiz von Softball.

Walther fasziniert zudem ein weiterer Fakt, der den Schlagmann auch zur Schlagfrau macht: „Es ist für mich faszinierend, dass wir eine der wenigen Sportarten sind, in denen Frauen und Männer gleichberechtigt spielen und das Spiel trotzdem, oder gerade deshalb, funktioniert.“

Viel Potenzial

Wenn die Deutschen ab Dienstag auf Bulgarien, Tschechien, Irland, Slowenien und auf das Favoritenteam aus Großbritannien treffen, dann werden fünf Frauen und fünf Männer die Anfangsformation bilden. „Männer haben vielleicht mehr Kraft, aber davon ab sehe ich keinen Unterschied, ob neben mir im Feld ein Mann oder eine Frau steht“, sagt Kupczik nüchtern zu den gemischten Teams. Als Neuling rechnet der Werner damit, zunächst zu den acht Ersatzkräften im 18er-Kader zu gehören.

Bundestrainer Wolfgang Walther bescheinigt dem 23-Jährigen viel Potenzial, weil er Talent und Ehrgeiz mitbringt: „Kraft, Schnelligkeit – Handballer bringen eine hervorragende athletische Basis für den Softball mit. Damit lässt sich das Schlagen schnell lernen. Werfen können sie sowieso. Tom hat im vergangenen Jahr aber auch bis zu fünfmal pro Woche trainiert, um so weit zu kommen. Die Erfahrung fehlt noch, wird aber kommen. Dann kann er noch mal einen Schritt nach vorne machen“, sagt Walther.

Weiter Handball spielen

Für Tom Kupczik, der in Köln im sechsten Semester Sport und Geschichte auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen studiert und über einen Uni-Kurs zum Softball kam, ist klar: „Softball macht mir momentan mehr Spaß als Handball. Hier kann ich mich noch entwickeln und das Verletzungsrisiko ist geringer.“

Beim TVW will er weiterhin aushelfen, aber Softball und all seine Varianten gehen vor. Auch wenn Tom Kupczik weiß, dass er eine Randsportart betreibt, stellt er die verständliche Frage: „Wann hat man schon die Chance, für Deutschland zu spielen?“ Die Frage darf sich der Werner kommende Woche selbst beantworten.

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