Vor Corona: So hat WSC-Trainer Lars Müller das erste Geisterspiel im deutschen Profifußball erlebt

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Das erste Geisterspiel im deutschen Profifußball gab es lange vor dem Coronavirus. WSC-Trainer Lars Müller stand damals als Spieler auf dem Platz - und berichtet im Interview von seinen Eindrücken.

Werne

, 11.03.2020, 15:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deutschlands Profifußball schließt seine Zuschauer aus - Schuld ist das Coronavirus. Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern untersagt das Land NRW. Doch am Wochenende wird es nicht zum ersten Geisterspiel im deutschen Profifußball kommen - das liegt bereits einige Jahre zurück. 16, um genau zu sein. Alemannia Aachen schlug seinerzeit den 1. FC Nürnberg 3:2 (2:2) und krönte sich damit zum Herbstmeister der 2. Bundesliga. Damals für den „Club“ auf dem Rasen: Lars Müller, heute Trainer des Fußball-Landesligisten Werner SC. Im Interview berichtet der Ex-Profi von seinen Erfahrungen.

Wie kam es zu dem Geisterspiel?

Das Spiel, das später ohne Zuschauer wiederholt wurde, haben wir 0:1 verloren. Aachen führt kurz vor Schluss 1:0 und dann bewerfen die Fans von denen unseren Trainer (Wolfgang Wolf, Anm. d. Red.) und treffen ihn am Kopf. Der lag da wirklich schweißgebadet, da ging nichts mehr. Er musste dann in die Kabine gebracht werden. Danach wurde das Spiel ohne Zuschauer wiederholt.

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Welche Erinnerungen haben Sie an die Partie im quasi leeren Stadion?

Das ist schon ein sehr komisches Gefühl. Du weißt auf der einen Seite, dass es um Punkte geht, andererseits fühlt es sich an wie ein Testspiel ohne Zuschauer im Wintertrainingslager. Du hörst alles auf dem Platz. Alles, was geredet wird von Mitspielern, alles, was der Trainer reinruft. Und allein das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig.

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Stichwort Heimvorteil: Gibt es den in einem Geisterspiel?

Das ist eine gute Frage, für uns war es ein Auswärtsspiel. Aber nein, den hast du nicht wirklich. Wir haben es nicht als Auswärtsspiel empfunden. Du hast dann logischerweise auch nicht den Vorteil wie beim Heimspiel. Es nimmt schon einfach Emotionen und Anspannung raus. Ich bilde mir auch ein, dass es für die Leistung nicht förderlich ist. Es ist schon besser vor Zuschauern zu spielen, egal ob die auf deiner Seite sind oder gegen dich.

„Ohne Zuschauer fehlt etwas“: Lars Müller.

„Ohne Zuschauer fehlt etwas“: Lars Müller. © Timo Janisch

Macht das Spielen ohne Zuschauer noch Spaß?

Weniger. Grundsätzlich macht Fußballspielen immer Spaß, aber mit Zuschauern natürlich deutlich mehr. Und gerade wenn man es gewohnt ist, vor vielen Leuten zu spielen, fehlt einem dann richtig was. Ich habe auch früher schon immer gesagt: Hauptsache, es sind Leute da, auch wenn sie dich auspfeifen. Das ist besser als im leeren Stadion zu spielen. Das ist schon ein Riesenunterschied.

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Hatte der Zuschauer-Ausschluss Einfluss auf den Ausgang der Partie?

Was das reine Ergebnis angeht schon - mit Zuschauern wären keine fünf Tore gefallen. Was die Punkte angeht, kann ich das das nicht sagen. Es ist vielleicht einfach ein bisschen weniger Anspannung und Konzentration drin. Es fehlt irgendetwas. Um Top-Leistung zu bringen, top-konzentriert und top-angespannt zu sein, gehören Zuschauer dazu. Wenn was fehlt, dann in allen Richtungen.

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Wie können Zuschauer auf eine Partie einwirken?

Es ist logisch, dass Zuschauer immer einen Einfluss aufs Spiel haben. Sie etwas bewegen können, pushen können. Wenn das nicht gegeben ist, hat das natürlich immer auch einen Einfluss. Ob das Ergebnis davon abhängt - das kommt vor, muss aber nicht zwingend so sein. Andererseits ist es eine ungewohnte Situation, das hat immer einen Einfluss auf das Ergebnis.

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