Der Umbau der Sportanlage im Dahl soll den Fußballern von Eintracht Werne und SV Stockum sowie den Hockeyspielern des TV Werne gerecht werden. Das sagen die Sportler zur Zwei-Feld-Lösung.

Werne

, 12.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Kein Fußballer möchte auf Asche spielen, wenn er die Wahl hat - da sind sich Eintracht Wernes Trainer Mario Martinovic und Yassine Najih, Geschäftsführer des SV Stockum, einig. Für den dritten und letzten Teil unserer Serie zur Neugestaltung der Sportanlage im Dahl haben wir bei den Fußballern der Eintracht, des SVS und der Hockeyabteilung des TV Werne nachgehört, wie die konkret geplanten Umbaumaßnahmen bei den Sportlern ankommen und was diese für sie bedeuten.

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Auf der Fläche von Ascheplatz eins und eines Teils der angrenzenden Wiese sollen bekanntlich ein Großspielfeld mit den Maßen 104 mal 68 Metern und ein Kleinfeld mit einer Größe von 68 mal 35 Metern entstehen. Beide sollen Kunstrasen bekommen und nebeneinander liegen, getrennt mit einer Abstandsfläche und einem Ballfangzaun. Als Bodenbelag für das Großfeld soll ein aus zwei verschiedenen Fasern gewebter, langfloriger Kunstrasen verlegt und mit Sand und Kork verfüllt werden.

Mischboden für das Kleinfeld

Das Kleinfeld soll einen Mischboden bekommen, der kürzeren Kunstrasen aufweist und zudem höher und rein mit Sand verfüllt wird — und damit auch den Ansprüchen der Hockeyspieler gerecht wird. Denn wo sich Fußballer langes, gut dämpfendes Kunstgrün wünschen, kommt Hockeyspielern kürzeres entgegen. Doch auch das Großfeld soll mit Sand nachverfüllt und so im Bedarfsfall auch der Hockeyabteilung des TV Werne gerecht werden können.

Stockums Yassine Najih ist „sehr, sehr zufrieden“

„Die Lösung finde ich wirklich super“, schwärmt Stockums Geschäftsführer Yassine Najih. „Damit wird ein großes Problem gelöst, was uns immense Vorteile verspricht. Jeder Fußballer mag es, auf langflorigem Boden zu spielen und nicht so auf kurzem, das ist kein Geheimnis. Die Platzbesichtigungen, wo wir uns verschiedene Flore wirklich mal angucken und rüberlaufen konnten, das war wirklich klasse. Der Platz ist aber auch flexibel, man kann ihn auffüllen, falls der Bedarf da ist. Ich bin sehr, sehr zufrieden damit.“

Martinovic freut sich auf regelmäßigen Spielbetrieb

Eintracht Wernes Trainer Mario Martinovic beschreibt die Pläne für die Anlage im Dahl ebenfalls als „super“: „Ich bin natürlich happy, dass das endlich klappt. Seitdem ich da bin“, sagt Martinovic, und das sei bereits sein sechstes Jahr bei der Eintracht, „habe ich mitbekommen, dass es jeden Winter schwierig wird mit den Trainingsbedingungen. Und auch die Spielausfälle haben sich dann erledigt. Das wären natürlich viel, viel bessere Bedingungen.“ Wenn Rasen- und Ascheplatz nicht bespielbar waren, sei er mit seinem Team oft in eine Soccerhalle ausgewichen. „Aber das ist nicht das gleiche, wie auf dem Großfeld.“

Stockums Geschäftsführer Yassine Najih (l.) und Eintracht-Coach Mario Martinovic freuen sich auf den Kunstrasenplatz im Dahl.

Stockums Geschäftsführer Yassine Najih (l.) und Eintracht-Coach Mario Martinovic freuen sich auf den Kunstrasenplatz im Dahl. © Schürmann

Doch sind nicht die einzigen Gründe, warum man sich bei den Evenkämpern und in Stockum riesig auf den neuen Kunstrasenplatz im Dahl freut. „Da sind schon einige Gespräche dran gescheitert, wenn du den Jungs sagen musst, dass es für vier bis fünf Monate im Jahr auf Asche geht“, berichtet der Eintracht-Coach von Gesprächen mit potenziellen Neuverpflichtungen. „Im Jugendbereich sehe ich das auch, dass Kids, die im Kreis wohnen, nicht mehr die weiten Wege antreten müssen sondern endlich mal zuhause bei der Eintracht spielen können.“

Nachwuchs im Blick

Für Eltern, die ihre Kinder nicht auf einem Ascheplatz spielen lassen möchten, hat er Verständnis. „Es ist nun mal so. Wenn ich an meinen Kleinen denke, würde ich ihn auch in einem Verein anmelden, wo er mit sauberen Klamotten nach Hause kommt“, sagt Martinovic - auch wenn er selbst 20 Jahre in Plenum auf Asche gespielt habe. „Ich denke, dass wir da mehr Kids für die Eintracht gewinnen können.“

Najih: „Tut mir in der Seele weh“

Auch Yassine Najih hat den Nachwuchs der Stockumer im Blick. „Wenn die kleinen Kinder auf den Ascheplatz müssen, dann tut mir das in der Seele weh. Klar, die können auch mal in die Halle ausweichen, aber es macht auch einfach viel Spaß an der frischen Luft zu kicken, und auf gutem Kunstrasen spielt jeder gerne“, sagt Najih. „Das schreckt auch die Eltern ab, wenn die sehen, der Junge kommt nach Hause und die Knie sind offen. Das ist keine Augenweide. Wenn es nach mir ginge, die gehören abgeschafft - Ascheplätze sind nicht zukunftsorientiert.“

Im Winter ist der Rasenplatz im Dahl immer wieder gesperrt - in der aktuell pausierten Saison sind deshalb immer wieder Spiele der Eintracht ausgefallen.

Im Winter ist der Rasenplatz im Dahl immer wieder gesperrt - in der aktuell pausierten Saison sind deshalb immer wieder Spiele der Eintracht ausgefallen. © Patrick Fleckmann

Auch die Problematik beim Anwerben von Neuzugängen kennt er. „Definitiv. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht bei jeder Verpflichtung ein großes Thema ist. Jeder Spieler, den wir versuchen an Land zu ziehen, sagt: ‚Ihr habt nur Rasen, was macht ihr denn im Winter?‘ Und wir müssen dann sagen, dass wir auf den Ascheplatz ausweichen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem WSC mal den Kunstrasenplatz im Lindert nutzen dürfen.“

Kaum greifbare Tragweite

Ein Kunstrasenplatz macht bei einem Fußballverein so einen entscheidenden Unterschied von kaum greifbarer Tragweite. Er macht Klubs attraktiver für neue Mitglieder. Mit mehr Interessenten für die Mannschaften im Erwachsenenbereich und mehr Nachwuchs im Jugendbereich gehen automatisch ein regeres Vereinsleben und auch höhere sportliche Qualität einher.

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Auch SVS-Kapitän Ismail Cördük hat die Entwicklung um die neuen Plätze im Dahl im Blick. „Wir freuen uns darauf, wenn der Platz fertig ist und wir dann auch Ausweichmöglichkeiten haben, wenn das Wetter schlecht wird und der Rasenplatz gesperrt ist“, sagt Cördük. „Der Vorteil ist einfach, dass du immer spielen kannst. Und man kann auch viel besser spielen, weil es einfach eben ist.“

Stockums Kapitän Ismail Cördük (l.) hat mit Kunstrasen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht - sieht aber auch die Vorteile des Belags.

Stockums Kapitän Ismail Cördük (l.) hat mit Kunstrasen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht - sieht aber auch die Vorteile des Belags. © Helga Felgenträger

Der Stockumer hat in der Vergangenheit selbst bereits jahrelang auf Kunstrasen gespielt. „Der ist gut für Techniker“, sagt er. Allerdings habe er nur auf Plätzen gespielt, die mit schwarzem Kunststoffgranulat aufgefüllt waren. „Das federt nicht“, merkt er gesundheitliche Bedenken an. Das dämpfende Kork als Füllmittel in Kombination mit langfaserigem Kunstrasen höre „sich aber vielversprechend an“.

Auf Asche angefangen

Auch Eintracht-Spielführer Enes Akyüz hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen auf Kunstrasen gemacht und ist deshalb skeptisch. „Ich habe auf Asche mit Fußball angefangen und bin kein Kunstrasenfan. Ich bekomme schnell Rückenschmerzen vom Spielen auf Kunstrasen, aber es kommt auch auf den Platz an. Es gibt auch sehr gute Kunstrasenplätze“, erklärt Akyüz. „Wenn ich bei Lohhauserholz gespielt habe, hatte ich das Problem nicht. Aber der Platz vom BV 09 in Hamm zum Beispiel ist eine Katastrophe. Das ist wie eine Betonschicht mit einem dünnen Teppich draufgelegt.“ Gerade bei der jüngeren Generation in der Mannschaft sei die Nachricht, dass der Kunstrasenplatz komme, aber mit großer Freude aufgenommen worden.

Eintracht-Kapitän Enes Akyüz spielt am liebsten auf Rasen.

Eintracht-Kapitän Enes Akyüz spielt am liebsten auf Rasen. © Archiv

Bei der Auswahl des richtigen Untergrunds hatten sich Stadt- und Vereinsvertreter umfassend beraten lassen — in der Hoffnung, dass der „Kunstrasen der neuesten Generation“ (Planer Herbert Vennegeerts) auch den Bedürfnissen der Kicker entspricht. Akyüz selbst spielt am liebsten auf Naturrasen. Er weiß aber auch um die Probleme, die dieser Untergrund mit sich bringt. „Wenn man bedenkt, dass man dann mit Kunstrasen einen Platz zur Verfügung hat, der kaum gepflegt werden muss und wo man keine Sorge haben muss, dass ein Spiel ausfallen muss..“, sagt Akyüz und fasst zusammen: „Am Ende des Tages wird das Eintracht Werne auch für die Zukunft in die Karten spielen.“

Zuspruch von Wernes Hockeyspielern

Die Fußballer freuen sich also auf den Kunstrasen im Dahl. Doch wie steht die Hockeyabteilung des TV Werne zu der Zwei-Felder-Lösung, die für sie zunächst den kleineren Platz vorsieht? „Wir glauben, dass das eine gute Lösung ist“, sagt die Abteilungsvorsitzende Jenny Zuelsdorf. „Wir haben in Werne drei Fußballvereine und wenn der WSC im Lindert bleibt, haben wir aktuell zwei, die keinen Kunstrasenplatz haben.“

Deswegen sei die Entscheidung eine gute. „Auch mit dem Flor: Wir freuen uns darauf und ich glaube, der Platz wird eine Bereicherung“, so Zuelsdorf. „Der kommt ja gerade für die Fußballer in einer fantastischen Variante — und für die Hockeyleute auch, weil wir wissen, dass die Fußballer eine gute Heimat haben. Von daher ist das eine Bereicherung auf allen Ebenen.“

Eröffnung Anfang 2021

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