Wie geht es mit dem Amateursport in Nordrhein-Westfalen weiter? Der LSB hat eine klare Forderung. © Jens Lukas
Juniorenfußball

Drastische Worte: Vereine üben scharfe Kritik an Jugendarbeit des Lüner SV

Der Lüner SV baut seine Jugendabteilung neu auf und ist dabei auf der Suche nach Nachwuchstalenten. Von anderen Lüner Vereinen gibt es ob der Vorgehensweise teils scharfe Kritik am Westfalenligisten.

Nicht nur im Seniorenbereich steht für den Lüner SV im Sommer ein deutlicher Umbruch an, auch in der Jugend hat der Verein in den letzten Wochen und Monaten neue Wege eingeschlagen. Bei den übrigen Lüner Klubs sorgt die Vorgehensweise des Fußball-Westfalenligisten allerdings für ordentlich Ärger – zum Unverständnis des LSV.

Neue Mannschaften, neue Trainer, ehrgeizige Ziele: Der Lüner SV krempelt derzeit seine Jugendabteilung um, will sich breiter aufstellen und ist dafür auch auf der Suche nach jungen Talenten. Sehr zum Missfallen der anderen Lüner Vereine.

Angeblich unzählige Nachrichten an Spieler und Eltern

„Ab der C-Jugend aufwärts verschicken die WhatsApp-Nachrichten an die Spieler, dass sie doch bitte zu einem erfolgreicheren Verein wechseln sollen“, betont Sezer Yildiz, Jugendgeschäftsführer beim BV Brambauer. Dabei sei vor allem die „penetrante Art und Weise“ der Faktor, der den Vereinen sauer aufstoße.

„Die Kinder und Jugendlichen werden vielfach mit großen Versprechungen gelockt, sei es mit einer tollen Ausrüstung oder besonderer Aussichten für den Seniorenbereich“, unterstreicht Nadine Kuchinke vom VfB Lünen. Die Eltern und Spieler würden unzählige Nachrichten bekommen, in denen die Betroffenen dann von einem Wechsel überzeugt werden sollen.

Erst würde sich der LSV an die leistungsstarken, dann an die weniger talentierten Kicker wenden, so Yildiz. „Unterste Schublade“ nennt er das Verhalten der Rot-Weißen – gerade in Zeiten der Pandemie.

Sezer Yildiz ist beim BV Brambauer für die Jugendabteilung zuständig.
Sezer Yildiz ist beim BV Brambauer für die Jugendabteilung zuständig. © Archiv © Archiv

Dieser Schilderung widerspricht man in der Jugendabteilung des Lüner SV unter Verzicht auf eine namentliche Nennung vehement: „Es stimmt, dass wir natürlich junge Spieler von der C- bis zur A-Jugend kontaktieren. Aber wirklich erst ab dieser Altersgruppe. Das ist jedoch gängige Praxis und wird bei anderen Verein genau so gehandhabt. Da sprechen wir aus eigener Erfahrung.“

Auch BW Alstedde spricht mit anderen Spielern

Auch den Vorwurf, der Lüner SV spreche penetrant zahlreiche Kinder an und locke mit Versprechungen will man nicht so stehen lassen. „Wir sind nur vereinzelt mit jungen Spielern in Kontakt getreten und wir wissen nicht, warum sich die anderen Vereine jetzt so auf uns einschießen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass bei uns gerade so eine Aufbruchstimmung herrscht“, betonen die Verantwortlichen der LSV-Jugend.

Derweil sorgt das Vorgehen des Lüner SV auch bei BW Alstedde für Ärger. „Natürlich kann sich kein Verein davon freisprechen, talentierte Spieler von anderen Vereinen möglicherweise von seinem Klub überzeugen zu wollen. Das machen wir auch. Die Art und Weise, wie es der LSV aktuell praktiziert, ist allerdings äußerst fragwürdig“, erklärt Jugendleiter Alexander Specht.

LSV weist Vorwürfe zurück

Ähnlich wie Nadine Kuchinke und Sezer Yildiz bemängelt auch Specht das flächendeckende Abwerben des Westfalenligisten. „Es wird in den sozialen Medien eine riesige Werbewelle angestoßen und gerade für kleinere Vereine mit wenigen Jugendspielern hat es natürlich schlimme Folgen, wenn gleich mehrere Spieler den Klub verlassen.“

So könne schon der Abgang von zwei oder drei Spielern dazu führen, dass eine gesamte Mannschaft abgemeldet werden müsse. „Dass man gerade den kleinen Vereinen so aggressiv die Spieler abwirbt, ist für mich unverständlich“, betont Specht.

Laut LSV gehe es in erster Linie derzeit darum, den Kindern wieder das Fußballspielen zu ermöglichen. „Wenn ein Kind bei uns vor dem Tor steht und spielen möchte, dann sagen wir, dass das nur geht, wenn es in keinem anderen Verein angemeldet ist. Aber die Kinder kommen nun einmal, weil wir ihnen in der jetzigen Situation die Chance geben, Fußball zu spielen“, so die Verantwortlichen. Von penetrantem und flächendeckendem Abwerben könne aber sicherlich keine Rede sein.

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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freier Mitarbeiter
Amateursportler bewegen vielleicht weniger Menschen als die Profis, dafür aber umso intensiver. Sie schreiben die besseren Geschichten - vor allem im Ruhrgebiet. Diese zu erkennen und aufzuschreiben, darum arbeite ich seit 2017 für Lensing Media. Darüber hinaus Handballtrainer im Jugendbereich. Gebürtig aus Lünen.
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