Noch-Trainer Christian Hampel ist eng mit dem Lüner SV verbunden. Im Sommer muss der 50-Jährige allerdings seinen Platz räumen. © Timo Janisch
Meinung

Trainerwechsel beim LSV: Sportlich sinnvoll, aber mit fadem Beigeschmack

Die Zeit von Christian Hampel beim LSV endet vorzeitig. Während man den Schritt aus sportlicher Sicht nachvollziehen kann, ist das Vorgehen des Vereins insgesamt äußerst fragwürdig. Ein Kommentar.

Axel Schmeing folgt im kommenden Sommer auf Christian Hampel – soweit erst einmal die nüchternen Fakten. Doch damit ist der geplante Neustart beim Lüner SV noch längst nicht komplett. Mit dem neuen Sportlichen Leiter Marcel Piaszyk und Co-Trainer Karim Bouasker kommt die sportliche Führungsetage beim Fußball-Westfalenligisten im Sommer vollkommen runderneuert daher.

Strukturen für Oberliga-Aufstieg sind vorhanden

Doch obwohl der angestoßene Umbruch durchaus sinnvoll sein kann, hinterlassen vor allem die Kommunikation und Vorgehensweise des Wechsels große Fragezeichen. Das hängt nicht zuletzt mit der gemeinsamen Vergangenheit zusammen, die Hampel und den Lüner SV seit Jahren verbindet.

Der Knackpunkt liegt allerdings wohl in der sportlichen Situation begründet. Seit seinem Amtsantritt im Juli 2019 gelang es Hampel nicht, den hohen Ansprüchen des Westfalenligisten gerecht zu werden. Immer wieder schwebt über der Kampfbahn Schwansbell das Damoklesschwert des so ersehnten Oberliga-Aufstiegs. Dabei handelt es sich nicht nur um eine leise Hoffnung, sondern um ein offen und häufig formuliertes Ziel. Ein Ziel, das Hampel in seinen dann zwei Jahren als LSV-Trainer nicht realisieren konnte.

Axel Schmeing ist mit seinen Mannschaften in den vergangenen Jahren stets aufgestiegen.
Axel Schmeing ist mit seinen Mannschaften in den vergangenen Jahren stets aufgestiegen. © Ophaus © Ophaus

Die erforderlichen Komponenten scheinen vordergründlich jedoch durchaus gegeben. Finanzielle Mittel und die notwendigen Strukturen, um den Sprung in die fünfte deutsche Spielklasse zu schaffen, sind zweifellos vorhanden. Was fehlt, ist der sportliche Ertrag.

Und dieser Makel ist Hampel jetzt zum Verhängnis geworden. Denn mit Axel Schmeing kommt ein Trainer an die Kampfbahn Schwansbell, der in den zurückliegenden Jahren bewiesen hat, dass er Aufstiege kann.

Schmeing bringt enge Vertraute mit

Mit dem SV Brackel stieg er von der Bezirks- bis in die Westfalenliga auf, wechselte anschließend zum Holzwickeder SC und formte aus dem damaligen Westfalenligisten eine Mannschaft, die sich in den vergangenen Spielzeiten in der Oberliga Westfalen festsetzte und nach sechs Siegen aus den ersten sechs Partien aktuell sogar auf einem Aufstiegsplatz rangiert.

Aus sportlicher Perspektive wäre es da also schon beinahe fahrlässig, wenn sich ein ambitionierter Verein wie der Lüner SV nicht mit einem Trainer wie Axel Schmeing beschäftigt, wenn dieser über eine neue Herausforderung nachdenkt.

Und es gilt noch einen weiteren Punkt zu beachten: Mit Marcel Piaszyk und Karim Bouasker bringt Schmeing nicht nur vertraute Personen und ein hohes Maß an fußballerischer Expertise mit nach Lünen, sondern der Verein kann zugleich auch die Suche nach einem neuen Sportlichen Leiter ad acta legen. Ein Thema, das zuletzt während der Habibovic-Verhandlungen erneut aufloderte.

Hampel äußert sich bislang nicht

Dennoch bleibt beim nun vollzogenen Wechsel ein fader Beigeschmack. Seit vielen Jahren ist Hampel als Spieler, Trainer und Sportlicher Leiter mit dem Lüner SV verbunden. Es ist weit mehr als eine bloße sportliche Beziehung. Besonders zum ersten Vorsitzenden Imdat Acar pflegte Hampel stets ein freundschaftliches Verhältnis.

Und trotzdem erfuhr der Noch-Trainer nur wenige Tage vor seiner Demission vom geplanten Personal-Umbruch. Anstatt Hampel frühzeitig über etwaige Pläne zu informieren und offen zu kommunizieren, wählte der LSV das Agieren im Hintergrund.

Ein Vorgehen, das insbesondere im Hinblick auf die enge Beziehung zwischen Hampel und dem LSV höchst diskutabel ist. Und zugleich ein Vorgehen, das man sonst nur aus der Beletage des Profifußballs kennt und selbst dort ernten Verantwortliche für ein solches Handeln oftmals massive Kritik. Zurecht.

Wie unvorbereitet Hampel von den Entwicklungen getroffen wurde, wird deutlich, wenn man sieht, dass sich der 50-Jährige bis heute nicht zu den Ereignissen geäußert hat. Die Enttäuschung sitzt augenscheinlich tief. Man kann es ihm nicht verdenken…

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Redakteur
Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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