Pünktlich zur Eröffnung der Landesgartenschau im April 1996 blühten auch Blumen. Eine Blümchenschau bekamen die Gäste aber nicht zu sehen. © Bock (A)
Seepark Horstmar

Landesgartenschau Lünen vor 25 Jahren eröffnet: Das sind Tops und Flops

Den neuen Rollrasen hatte die Sonne verbrannt. Zur Eröffnung der Landesgartenschau vor 25 Jahren wurde er einfach grün eingesprüht. Nicht alles lief damals glatt. Das sind die Tops und Flops.

Die ersten Besucher der Landesgartenschau Lünen (LaGaLü) suchten vergeblich nach den versprochenen schattenspendenden Alleen. Schmächtige Stämmchen säumten die Wege des 60 Hektar großen Geländes. Heute, 25 Jahre nach der Eröffnung von Lünens größtem Stadtentwicklungsprojekt, sind sie zu stattlichen Bäumen geworden. 250.000 Besucher kommen jährlich in den Seepark. Ein Magnet ist der neun Hektar große See, der im Norden einen Badestrand hat und im Süden ein Naturschutzareal ist.

Die Besucher fanden unter dem Zeltdach Schutz vor Regen und Wind und ließen die Eindrücke, die sie beim Gang über die Landesgartenschau gesammelt hatten, Revue passieren.
Die Besucher fanden unter dem Zeltdach Schutz vor Regen und Wind und ließen die Eindrücke, die sie beim Gang über die Landesgartenschau gesammelt hatten, Revue passieren. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Auch zur Eröffnung der Landesgartenschau am 19. April strömten die Gäste. 20.000 waren da. Manche wurden enttäuscht: kein Blütenmeer, kein Stadtwappen aus Tulpen. Stattdessen hatten die Planer anders gedacht: Die LaGaLü sollte eher ein naturnaher Garten sein. Und als bei warmem Wetter noch Eis und Mineralwasser ausgingen, müssten die Veranstalter kühlen Kopf bewahren.

Die Temperaturen waren damals ein Unsicherheitsfaktor: Im März hatte es noch Frost gegeben, die Blumenzwiebeln konnten nur mit Erdbohrern gesetzt werden.

Erste Pläne fürs Dreischfeld

Horstmar sollte ursprünglich gar nicht Ort die Landesgartenschau sein. Als Lüner 1994 sahen, wie Paderborn am Schloss Neuhaus seine Gartenschau konzipierte, rückten Schloss Cappenberg und das Dreischfeld in den Blickpunkt. Jürgen Evert, damals Geschäftsführer der LaGaLü, erinnert sich an erste Überlegungen. Doch letztlich habe sich eine andere Sicht durchgesetzt: Man wollte im Sinne einer ausgleichenden Stadtentwicklung benachteiligte Ortsteile fördern. In Horstmar hatte die Zeche Preußen eine Landschaft aus Kratern und Halde hinterlassen. Abgesackte Felder waren nicht mehr nutzbar, der Ortsteil auf dem absteigenden Ast.

In den Ausstellungshallen der Landesgartenschau staunten die Besucher über zahlreiche verschiedene Präsentationen von Blumen und Pflanzen und bekamen auch Anregungen für den eigenen Garten oder Balkon.
In den Ausstellungshallen der Landesgartenschau staunten die Besucher über zahlreiche verschiedene Präsentationen von Blumen und Pflanzen und bekamen auch Anregungen für den eigenen Garten oder Balkon. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Die Landesgartenschau bot die Chance, mit Fördergeldern Neues zu schaffen. Einen Freizeit- und Erholungsraum, der bis beliebt ist und im Ortsteil eine rege Bautätigkeit ausgelöst hat. Eine „Erfolgsgeschichte“, wie Evert sagt. Auch wenn den Anwohnern besonders in lauen Nächten Ruhestörung durch laute Musik, Gegröle und Grillorgien das Leben schwer und einen Sicherheitsdienst notwendig macht.

Entscheidung war eine Zitterpartie

In der Politik war die Landesgartenschau nicht unumstritten, die Entscheidung eine Zitterpartie. Knackpunkt waren die Kosten. Am Ende wurde es noch teurer. „Das war schon eine belastende Zeit“, erinnert sich Evert. Die Baukosten lagen bei 36 Millionen DM, die Durchführung 1996 kostete nochmals 10 Millionen. Es gab Fördermittel. Für Pflege und Unterhaltung gibt die Stadt heute noch jährlich 330.000 Euro aus. Im vergangenen Jahr kamen 81.000 Euro für den Sicherheitsdienst sowie 3.900 Euro für Absperrung und das coronabedingte Badeverbot dazu.

Damit hätte zur Eröffnung der LaGaLü 1996 wohl auch niemand gerechnet. Während der Corona-Pandemie wurde der Horstmarer See mit einem Zaun abgesperrt.
Damit hätte zur Eröffnung der LaGaLü 1996 wohl auch niemand gerechnet. Während der Corona-Pandemie wurde der Horstmarer See mit einem Zaun abgesperrt. © Goldstein © Goldstein

Zur Nervenprobe wurde der erste Spatenstich am 1. Juli 1993. Denn eine Stunde vor Beginn lag noch keine Bewilligung der Fördergelder vor. Die kam dann aber doch noch rechtzeitig.

Bauchlandung mit Bodyflying

Attraktion der LaGaLü war auch eine Bodyflying-Anlage. Doch in die Luft wollten zu wenig Leute. Der Betreiber strich die Segel. Auch der Apothekergarten hat nicht überlebt, ebenso der von der Partnerstadt Salford geschenkte Tudorgarten. Dafür gibt es neue Fuß- und Radwegeverbindungen, einen Disc-Golf-Parcours und neue Kinderspielplätze. Der Landesverband der Kleingärtner eröffnete seinen Sitz in Horstmar, an der Alten Ziegelei entstanden Gärten und eine Streuobstwiese mit 290 Obstbäumen aus 42 Sorten.

Zwerg Ewald Zappenduster und die Body-Flying-Anlage gehörten zu den Attraktionen der Landesgartenschau.
Zwerg Ewald Zappenduster und die Body-Flying-Anlage gehörten zu den Attraktionen der Landesgartenschau. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Maskottchen der LaGaLü war Ewald Zappenduster, ein Gartenzwerg mit Bergmann-Bohrhammer. Vor fünf Jahren hatte der 2,50 Meter große „Ewald“ seinen großen Auftritt, jetzt ist es ruhig um ihn geworden.

Das ist zum Glück bei dem neuen Café Seepark nicht der Fall. Nach mehr als einem Jahr Umbauphase kann es coronabedingt zwar nur eingeschränkt betrieben werden. Als Attraktion gilt es aber schon längst.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt