Seit 1958 sitzt Gerlinde Wittler auf ihrem Lieblingsplatz in der Reihe 3. Die Vorstellungen im Heinz-Hilpert-Theater vermisst sie sehr. © Foto Textoris
Theater und Corona

Lünens größter Theaterfan hat ein Abo seit der Spielzeit 1958

Gerlinde Wittler aus Brambauer hat ein Theaterabo seit der Spielzeit 1958/59 - und viele Theater-Anekdoten parat. Jetzt, in der Corona-Krise fehlt ihr das Theater besonders.

In Lünen ist Gerlinde Wittler als die wohl treuste Theaterbesucherin bekannt. Ein Abonnement hat sie seit der Spielzeit 1958/59, und seitdem sitzt sie auch bei zusätzlichen Veranstaltungen auf ihrem Stammplatz in der dritten Reihe. Doch ihre Liebe zum Theater wurde nicht erst mit der Eröffnung des Heinz-Hilpert-Theaters im Jahre 1958 geweckt.

Wie sie betont, bestand ihre ganze Verwandtschaft aus Entertainern. In der zweiten Klasse konnte sie bereits Mitschüler, Lehrer einschließlich Schulrat mit einem Vortrag begeistern. In Dortmund besuchte sie das Konservatorium. Sie spielt Klavier und Akkordeon. Bis im vergangen Jahr hatte sie immer wieder Auftritte, bei denen sie Parodien und auch selbst geschriebene Gedichte vortrug. Verständlich, dass eine Frau, die so eng mit der Kultur verbunden ist, unter dem Lockdown leidet.

„Mir fehlen die Theaterbesuche“

„Wie habe ich mich gefreut, als mir Kulturbüroleiter Wortmann freudestrahlend verkündete, dass am 24. Januar ‚Das Land des Lächelns‘ als eine meiner Lieblingsoperetten auf dem Programm steht“. Und jetzt sei ihr Land des Lächelns, wie sie das Hilpert Theater liebevoll bezeichnet, immer noch in Quarantäne. „Mir fehlen die Theaterbesuche, ich vermisse das Parktheater hinter der Persiluhr im Sommer, mir fehlen die Gespräche mit den Künstlern hinter der Bühne. Aber auch die Kommunikation beim Theaterstammtisch oder dem Theatertreff mit Kaffee und Kuchen vor den Vorstellungen.“

Am Dienstag (16. Februar) feiert Gerlinde Wittler ihren 81. Geburtstag. Wie schon vor Jahren, wollte sie nachmittags Freunde zum Kaffee einladen und abends mit ihnen ins Theater gehen. Auf dem Programm stand die Komödie „25/h“, nach dem gleichnamigen Film, die terminlich verschoben wird. Jetzt wird sie Ihren Ehrentag wohl weitgehend allein verbringen müssen.

Wände mit Plakaten gefüllt

Immer, wenn sie in ihrem Kalender einen Vorstellungstermin streichen muss, wird ihr klar, was sie verpasst. „Aber Langeweile habe ich eigentlich nicht“, sagt sie. Sie arbeitet an ihrem Archiv, nimmt alte Programme mit Autogrammen zur Hand. Die Wände in ihrer Wohnung sind mit Plakaten gefüllt. Alles erinnert sie an unvergessene Theatererlebnisse und Begegnungen mit Künstlern, eindrucksvoll und manchmal auch lustig. Z.B. an Freddy Quinn, der ihr in der Pause ein Autogramm verweigerte, weil seine Hose geplatzt war. Hin und wieder telefoniert sie mit Horst Häger, dem zweiten treuen Theaterbesucher. „Wir saßen ja immer in der gleichen Reihe, er kam von rechts, und ich von links.“

Fernsehen ist für sie keine Alternative, das empfindet sie als steril. Und so hofft sie, dass sie schon bald „ihr“ Theater wieder live erleben kann. „Ich habe gelesen, dass bei Einhaltung der Sicherheitsvorschriften die Ansteckungsgefahr im Theater sehr gering ist“, meint sie „und vielleicht haben die Politiker auf der Grundlage dieser Erkenntnisse ein Einsehen und lassen schon bald wieder Theatervorstellungen zu. Wenn erstmal alle geimpft sind, wird es sicher wieder besser.“ Und weil sie nun mal auch gerne dichtet, hat sie ihre Empfindungen in sechs Zeilen zusammengefasst:

„Ich vermisse mein Theater sehr;

der lange Verzicht fällt mir schwer.

Darum öffnet die Theatertüre,

damit die Bühnenluft ich wieder spüre.

Corona muss dann draußen bleiben,

das Impfen wird es bald vertreiben.“

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