Nach 50 Jahren als Tierärztin hat Dr. Barbara Seibert ihr Praxis an Oliver Haenel. übergeben. „Ein Sechser im Lotto" sagt sie über ihren Nachfolger. Sie selbst ist an manchen Tagen auch noch in der Praxis. © Quiring-Lategahn
Praxisübergabe

Patienten mit Fell oder Federn: Wechsel in Tierarztpraxis Dr. Seibert

Die Freude von Herrchen oder Frauchen, wenn sich die Fellnase erholt, ist für Tierärztin Dr. Barbara Seibert ein großartiger Moment. Sie hat ihre Praxis abgegeben, Tiere behandelt sie weiter.

Seit 50 Jahren kümmert sich Dr. Barbara Seibert um Patienten mit Fell oder Federn. „Ein Traumberuf“, wie sie sagt. Einer, bei dem sie für Tiere und Menschen da sein kann. Es gebe wenig Berufe mit so viel positiven Emotionen. Ist der Liebling auf vier Pfoten gesund geworden, macht das auch Zweibeiner glücklich. Es ist Hilfe für Tier und Mensch.

Ob große Bellos oder kleine Kaninchen, seit 37 Jahren behandelt Barbara Seibert in der eigenen Praxis in Lünen ihre tierischen Patienten. Erst an der Marienstraße, später unweit des Rewe an der Cappenberger Straße und seit 2004 in einem Altbau an der Cappenberger Straße 51. Hier steht der alte Schreibtisch ihres Vaters, der als Gynäkologe tätig war. Darunter hat Hündin Gaja ihren Platz, eine polnische Bracke. „Wir hatten immer Tiere“, sagt Barbara Seibert, die mit Hund, Katzen und Schafen zusammenlebt.

„Ein Sechser im Lotto“

Ohne kann sie nicht, auch nicht ohne Praxis. Die hat die 72-Jährige seit Anfang des Jahres abgegeben. In dem Alter sind andere schon lange im Ruhestand. Für Barbara Seibert ist das Leben spannend. Sie ist so vielseitig aktiv, dass Ruhestand kaum vorstellbar scheint.

Oliver Haenel (40) hat die Praxis übernommen und in Tierarztpraxis Altlünen umbenannt. Er kommt aus der Tierklinik Neandertal in Düsseldorf und hat sich auf Seiberts Inserat im Tierärzteblatt gemeldet. Schon immer war es sein Ziel, sich mit einer klassischen Haustierarztpraxis selbstständig zu machen. „Ein Sechser im Lotto“, freut sich Barbara Seibert über ihren Nachfolger. Der ist in Beckum mit Katzen und Hunden aufgewachsen, seine Familie hat Pferde gezüchtet. Haenel bringt die klinische Sicht in die Praxis mit ein. Er hat modern aufgerüstet mit digitalem Röntgengerät, Ultraschall und ausgebauter Labordiagnostik. Das ergänze sich gut mit Seiberts homöopathischem Ansatz, von dem er profitiere. „Es gibt auch Alternativen zu Antibiotika“, sagt er.

An vier Tagen weiterhin in der Praxis

Barbara Seibert bleibt an vier Tagen jeweils montags, dienstags, donnerstags und freitags bis 12 Uhr weiter in der Praxis. „Für die Kunden ist es gut, dass es keinen Hauruck-Wechsel gibt“, sagt Haenel. Er will die klassische Haustierarztpraxis weiterführen und daran anknüpfen, was Barbara Seibert „als Vorlage gegeben hat“. Auch er fährt zu kranken Tieren nach Hause. Langfristig möchte er einen zweiten Arzt oder eine Ärztin in die Praxis nehmen.

Tierärztin Dr. Barbara Seibert mit zwei Praxishunden. Mit ihrer Kollegin hat sie den Verein DoDogs gegründet, der sich um Hunde von Obdachlosen kümmert.
Tierärztin Dr. Barbara Seibert mit zwei Praxishunden. Mit ihrer Kollegin hat sie den Verein DoDogs gegründet, der sich um Hunde von Obdachlosen kümmert. © Beate Rottgardt (A) © Beate Rottgardt (A)

Momentan ist Barbara Seibert ja noch da. Sie gilt als „Hundeflüsterin“. Als erste Tierärztin in NRW hat sie seinerzeit eine Zusatzausbildung in Tier-Verhaltenstherapie absolviert. Wölfe faszinieren sie. Mit dem Lüner Tierarzt Dr. Michael Coers engagiert sie sich in dem von ihr mitgegründeten Verein Dodog. Der kümmert sich um Hunde von Obdachlosen. Ihr Einsatz ist in Lünen mit dem Bußmann-Preis gewürdigt worden. Barbara Seibert ist eine Frau mit vielen Interessen. Dazu gehören Indigene in Kanada, aber auch Kräuterkunde und Tierernährung. Eine Powerfrau mir großem Herzen.

Dr. Dieter Wiefelspütz überreicht Dr. Barbara Seibert den Bußmann-Preis und verneigt sich vor dem Engagement von Dr. Barbara Seibert und ihren Mitstreitern bei DoDogs.
Dr. Dieter Wiefelspütz überreicht Dr. Barbara Seibert den Bußmann-Preis und verneigt sich vor dem Engagement von Dr. Barbara Seibert und ihren Mitstreitern bei DoDogs. © Beate Rottgardt (A) © Beate Rottgardt (A)

Nach Hundebiss Hand in Gips

Die Patienten von Tierärzten sind nicht immer einfach. Großen Einfluss habe der Besitzer. Wenn er ängstlich sei oder keine Erfahrung habe, übertrage sich das auf das Tier. Mitunter fehle beim Tierkauf die gute Beratung. So hätten Halter auch mal komplizierte Rassen, die gar nicht zu ihnen passten. Dass Ärzte gekratzt und gebissen werden komme vor. Den Tieren lasten sie das nicht an. „Dann hat jemand was falsch gemacht, aber nicht das Tier“, sagt Haenel.

Barbara Seibert hatte nach einem Hundebiss mal die Hand in Gips. Katzenbisse seien problematischer, weil die Fangzähne tiefer gingen und Keime übertrügen. Marion Klinger und Katharina Read sind langjährige Mitarbeiterinnen in der Praxis. Die erfahrenen Kräfte halten die Tiere während der Diagnostik. Auf ihr Geschick kommt es an. „Sie sind unsere Lebensversicherung“, sind sich die Ärzte einig.

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Redaktion Lünen
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