Der Waldgeist begrüßt die Gäste am Teich des Südparks in Lünen-Süd. © Sylvia vom Hofe
Freizeit-Tipp in Lünen

Urlaub im Süden kostenlos genießen: Im Südpark ist das möglich

In den Süden reisen? Das fällt für viele im Corona-Sommer aus. Gegen einen Spaziergang im Süden spricht dagegen nichts. Im Gegenteil: Der Südpark in Lünen-Süd ist ein echter Ausflugstipp.

Große Hinweisschilder auf den Süd-Park suchen Ortsunkundige vergebens. Das ist nicht nur ein Nachteil. Denn wer Passanten in der Bergbausiedlung in Lünen-Süd, in diesem Fall auf der Wagnerstraße, anspricht, bekommt nicht nur eine kumpelhafte Wegbeschreibung – „hier kannste gleich parken, und hinten geht’s dann links rein“ -, sondern auch noch Bestätigung: „Das lohnt sich echt.“

Ein kleines Pättken führt an Gärten und Hinterhöfen vorbei. Wer sich gerade noch mitten in der Kolonie glaubte, steht plötzlich mitten im Wald: Vor allem hohe Buchen recken sich in die Höhe, aber auch einige Eichen und Ahorn-Bäume. Später werden sich noch Obst- und Walnussbäume, Esskastanien und Meter hohe Rhododendren-Büsche dazu gesellen. Und sogar ein mächtiger Mammutbaum.

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Unterwegs im Südpark in Lünen-Süd

Nach wenigen Schritten wird es gleich kühler. Und ruhiger. Der Straßenlärm, das Röhren der Laubbläser und das Stimmengewirr von der kleinen Grillfeier – alles tritt in den Hintergrund. Dafür zwitschern Vögel. Die kleinen Sänger sind in den tiefgrünen Laubkronen nicht auszumachen. Andere Vögel posieren dagegen bereitwillig für die neugierigen Betrachter und, recken ihren schwarzen Hals in die Höhe – ohne einen Pieps.

Überraschende Entdeckung nicht nur für Familie aus Eving

Der wäre auch gerade kaum zu hören. So vergnügt ruft der kleine Yusuf und winkt so stürmisch, wie es ein 15 Monate alter Junge nur kann. Der Graureiher auf dem Teich lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Seine Eltern umso mehr. Sie strahlen. Dass der Ausflug so schön werden würde, haben sie sich nicht gedacht. „Ich bin zwar als Junge in Lünen zu Schule gegangen“, sagt Yunus Gönülcalan aus Dortmund-Eving. Im Südpark sei er aber nie gewesen. Freunde hätten den Tipp gegeben – allein schon wegen des großen Spielplatzes. „Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken“, sagt Yusufs Mutter Burcin.

Der Südpark liegt im Lüner Stadtteil Lünen-Süd zwischen Wagnerstraße und Derner Straße im Osten und Jägerstraße im Westen.

Eine Entdeckung, an der sich nicht nur Kinder nicht sattsehen können: der übermenschlich große Waldgeist am Ufer des Teichs. Er lächelt durch seinen Riesenbart. Guido Wagner hatte das Kunstwerk 2019 mit seiner Kettensäge geschaffen. Und gleich dazu eine einladende Bank.

Tafeln informieren über Wolf, Wespe und Co.

Menschen prägen und pflegen den Park. Das ist auf jedem Schritt durch das 16 Hektar große Gelände zu erkennen. Bunte Tafeln informieren über die Tiere des Waldes – sogar über die, die sich nicht nach Lünen-Süd vorwagen wie der Wolf. Andere finden dagegen sogar ein eigenes Hotel im Park: Mauerbienen, Schlupfwespen und Zebraspringspinnen haben sich in den Nischen und Löchern der hier gebauten Nist- und Überwinterungshilfen gut eingerichtet.

„Die Südpark-Freunde halten hier alles so toll in Schuss“, sagt Kai Klapper. Er hat seine Fotoausrüstung dabei. Wieder einmal. Bessere Motive als im Südpark könne er sich der gar nicht wünschen: egal, ob er Menschen porträtiert vor schönem Hintergrund oder ob er die facettenreiche Natur allein ins Bild rückt.

Ehrenamtliches Engagement prägt den Park

Der inzwischen auf mehr als 200 Mitglieder gewachsene Freundeskreis Südpark e. V. war 2006 entstanden – aus einem Schock heraus, wie auf den Infowänden nahe des Vereinsheims am Teich nachzulesen ist. Die Stadt hatte damals angekündigt, den Park aufgeben zu wollen. Angesicht zahlreicher Sparmaßnahmen war das Gelände bereits verfallen. Die Lünen-Süder beließen es nicht beim Protest, sie krempelten die Ärmel hoch, schufteten und schufen aus dem verwilderten Flächen ein einzigartiges Naherholungsgebiet.

1923 geschaffen als Erholungsort für die Kumpels

Als solches war der Park 1923 geschaffen worden: ein Volkspark für die Kumpels, die auf den Zechen Preußen 1 und 2 in Gahmen und Horstmar arbeiteten, und später auf Gneisenau in Derne. In einer Zeit, als Urlaub noch ein Fremdwort war, sollten sich die Familie dort erholen. So wie jetzt wieder.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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