Nach über sieben Monaten im Lockdown steht Anna Ivaniec wieder hinter dem Tresen im Horstmarer Treff. © Günther Goldstein
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Wiedereröffnung mit Wehmut: Wirtin sucht Nachfolge für Horstmarer Treff

Nach über sieben Monaten im Lockdown wird im Horstmarer Treff wieder ausgeschenkt. In die große Freude von Wirtin Anna Ivaniec mischt sich aber Wehmut. Den Platz hinterm Tresen wird sie aufgeben.

Nach rund siebeneinhalb Monaten im Lockdown steht Wirtin Anna Ivaniec endlich wieder hinter dem Tresen im Horstmarer Treff. „Es war wie ein Traum. Irgendwie kann ich es immer noch nicht so ganz glauben“, sagt Ivaniec im Rückblick auf die Wiedereröffnung am Samstag (12.6.).

„Es ist aber wie Fahrradfahren. Man verlernt es nicht“, gibt sie lachend hinterher. Bis auf die Bierdusche, die sie sich am Morgen vor der Eröffnung abgeholt hat. Beim Anschluss der neuen Fässer spielte die Technik nicht sofort mit. „Da hatte ich schon noch kurz Panik.“ Am Ende ging es dann aber doch noch gut.

Panik. Die hatte Ivaniec auch nach dem letzten Abend im Horstmarer Treff vor dem Lockdown am 1. November. „Ich habe danach noch ewig geputzt. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte.“

Kämpfen mit Folgen von Coronainfektion

Die Pandemie hatte Anna Ivaniec nicht nur wirtschaftlich hart getroffen. Mitte November traf das Virus die 43-Jährige ganz persönlich. Wie sie sich angesteckt hat, ist ihr bis heute ein Rätsel. Rund zwei Wochen lang ging nichts mehr. „Das wünsche ich wirklich keinem“, sagt sie rückblickend. Und zu hundert Prozent wieder fit sei sie auch Monate später nicht. „Da gibt es immer mal wieder dieses Gefühl, nicht richtig atmen zu können. Das ist schrecklich.“

Viele Erinnerungen an Partys in der Kneipe, aber auch an gemeinsame Ausflüge hat Anna Ivaniec in Fotoalben verewigt. In denen blättern auch die Gäste im Horstmarer Treff gerne.
Viele Erinnerungen an Partys in der Kneipe, aber auch an gemeinsame Ausflüge hat Anna Ivaniec in Fotoalben verewigt. In denen blättern auch die Gäste im Horstmarer Treff gerne. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Der Freude, jetzt endlich wieder hinter dem Tresen zu stehen, kann das trotzdem nur wenig anhaben. Vor fast zwölf Jahren, am 4. Dezember 2009, hat sie die Traditionskneipe an der Preußenstraße übernommen. „Ich weiß noch genau, wie ich zum ersten Mal reinkam, da saß der Wolfgang schon am gleichen Platz wie heute.“

Die Gemeinschaft aus der alten Zechenkolonie lebe bis heute in der Kneipe weiter. „Hier kennt jeder jeden. Das ist einfach toll.“ Auch für den Horstmarer Treff. Zwei Sparclubs, einen Skatclub, eine Bundesliga Tippgemeinschaft, das gehört alles mit dazu. Genau wie die Fotoalben, in denen Anna die Erinnerungen an gemeinsame Abende, aber auch Ausflüge mit Gästen und Freunden sammelt.

Ende nach zwölf Jahren: „Es wird mir fehlen“

Für die Wirtin mit polnischen Wurzeln wird die Zeit hinter dem Tresen aber bald enden. Zum 30. November wird sie ihren letzten Tag als Pächterin des Horstmarer Treffs haben. „Das ist sehr schade und es wird mir fehlen. Aber ich muss aus persönlichen Gründen aufhören.“ Und ja, die Coronakrise habe da zwar einen Anteil, sei aber nicht der Hauptgrund. Über den möchte Anna Ivaniec nicht öffentlich sprechen.

„Aber dieser Teil von Horstmar soll nicht sterben. Wir suchen nach einem Nachfolger.“ Interessenten gebe es jedenfalls schon. „Ich würde am Anfang auch noch mit anpacken“, sagt Anna. Und als Gast bleibe sie ihrer Kneipe auch erhalten. „Das wird dann wieder ganz schön ungewohnt sein.“

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Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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