Martin Fricke hatte sich gefreut, einen Impftermin zu haben. Doch drei andere Impfungen kurz zuvor torpedierten den Stich für den Corona-Schutz. © Sylvia vom Hofe (A)
Corona-Schutz-Impfung

62-Jähriger muss Impfzentrum in Unna wegen anderer Impfungen verlassen

Für Martin Fricke ist es beim geplanten Impftermin dumm gelaufen. Aufgrund einer Verkettung von Umständen war seine Freude, bei einem Sondertermin in Unna geimpft werden zu können, nur kurz.

Martin Fricke ist wohl der unglücklichste Pechvogel, den man sich vorstellen kann. Dabei hatte sich der Technische Leiter von Trianel in Lünen auf einer Insel der Glückseligen gewähnt, als er am Ostersamstag einen der Sonderimpftermine für Über-60-Jährige ergatterte und schon am Ostermontag mit Astrazeneca geimpft werden sollte. „Aber dann ist es richtig blöde gelaufen“, erzählt er im Gespräch mit der Redaktion.

Routine-Check-Up beim Hausarzt vereitelt Impfung

Denn eine Woche vor Ostern hatte er einen routinemäßigen Check-up bei seinem Hausarzt und dabei drei Impfungen bekommen: „Gegen Pneumokokken, FSME und Gürtelrose“, zählt Fricke auf. Froh, schonmal vor Lungenentzündungen, durch Zeckenbisse übertragene Hirnhautentzündung und Herpes Zoster geschützt zu sein, nutzte der Cappenberger dann spontan die Chance, als Über-60-Jähriger bei einer Sonderimpfaktion mit Astrazeneca über Ostern auch gegen Corona geimpft werden zu können.

Termin über das Online-Portal

Über das Onlineportal der KVWL hatte er Erfolg und erhielt zwei Termine: Einen für Ostermontag, den für die zweite Impfung im Juni. Allerdings hatte er keine Möglichkeiten, die Unterlagen, die er bekommen hatte, über Ostern auszudrucken und so fuhr er lediglich mit dem QR-Code auf seinem Handy zum Impfzentrum nach Unna.

Ernüchterung beim Aufklärungsgespräch

Er bekam Zutritt, meldete sich am Check-in-Schalter und wurde zum Aufklärungsgespräch mit einem Arzt gebeten. „Die Frage, ob ich in den letzten 14 Tagen eine Impfung bekommen hätte, beantwortete ich wahrheitsgemäß mit ja“, erinnert sich Fricke – und bekam zu hören, dass man ihn dann nicht impfen könne. „Dieses Ausschlusskriterium war mir völlig unbekannt“, gibt Fricke zu.

Der Schwerter Arzt Theodor Spanke ist Leiter des Impfzentrums für den Kreis Unna.
Der Schwerter Arzt Theodor Spanke ist Leiter des Impfzentrums für den Kreis Unna. © Bernd Paulitschke (A) © Bernd Paulitschke (A)

Vorgabe der Stiko

Doch es sei, so bestätigt der Leiter des Impfzentrums Dr. Theodor Spanke, eine Vorgabe der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Nach einer Impfung ist der Körper geschwächt. Die Immunantwort könnte daher ausbleiben“, erklärt der Mediziner. Das bedeutet, dass der Körper noch so sehr mit der Verarbeitung der älteren Impfungen befasst sein könnte, dass die neue Impfung nicht die gewünschte Wirkung entfalten könne. „Es kann also sein, dass die Corona-Schutz-Impfung dann gar nicht wirkt“, so Spanke.

Impf-Termin ist nun verfallen

Ärgerlich für Fricke – doch er war einsichtig. „Das waren da sehr nette Leute“, betont er, doch er ärgert sich, dass er seinen Impftermin nicht auf einen anderen Tag verschieben konnte. „Ich wurde zum Check-Out-Schalter begleitet und dort wurde ich aus dem System gelöscht“, erklärt er. Sämtliche Anläufe, bei der KVWL, beim Kreisgesundheitsamt oder gar bei der Staatskanzlei in Düsseldorf, wo er auf einen neuen Impftermin drängte, schlugen fehl.

Ein Risikopatient hat Strafanzeige gestellt, weil er gegen seinen Willen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca statt Biontech geimpft worden sei. (Symbolbild)
Ein Risikopatient hat Strafanzeige gestellt, weil er gegen seinen Willen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca statt Biontech geimpft worden sei. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Hausarzt auf Problem hingewiesen

„Es ist ja nicht so, dass ich einen Termin gebucht hätte“, argumentiert Fricke, „ich habe eine Dosis Impfstoff gebucht – und die steht mir noch zu.“ Dass die „für mich vorgesehene Dosis“ aufgrund der kurzen Haltbarkeit aber nun jemand anderem am Abend des Impftermins zugute kam, „vielleicht einer Begleitperson, die zufällig anwesend war“, empfindet Fricke „als unfair“, wie er selbst sagt.

„So habe ich meine Dosis verloren.“ Er will nun auf jeden Fall den für die Zweitimpfung mitgeteilten Termin nutzen – „dann bekomme ich da halt meine Erstimpfung“, sagt er. Zudem habe er seinen Hausarzt darauf aufmerksam gemacht, dass dieser beim Impfen von Patienten auf mögliche Terminkollisionen achte.

Seltenes Problem im Impfzentrum

Doch laut dem Leiter des Impfzentrums sind Fälle wie der von Martin Fricke „seltenst“ in Unna. „Hausärzte sind Pfiffikusse“, sagt Dr. Theodor Spanke mit deutlichem Schalk in der Stimme. „Die weisen darauf hin.“

Über die Autorin
Lesen Sie jetzt