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Ärger um Ausweis soll zu Handgreiflichkeiten im Lüner Bürgerbüro geführt haben

hzDatenpanne bei der Stadt

Ein Lüner wollte seinen neuen Personalausweis abholen. Doch der war nicht fertig. Die dann folgende Auseinandersetzung im Bürgerbüro soll eskaliert sein. Es gibt gegenseitige Vorwürfe.

Lünen

, 18.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Werner P. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) war sauer. „Am 26. April habe ich im Bürgerbüro einen neuen Personalausweis beantragt. Zwei Tage später wurden die Gebühren abgebucht. Doch als ich den Ausweis am 14. Mai abholen wollte, war er nicht fertig.“

Schlimmer noch: Der 78-Jährige erfuhr, dass die Daten für den neuen Ausweis, die normalerweise an die Bundesdruckerei in Berlin übermittelt werden, das Rathaus offenbar gar nicht verlassen haben. Stadtsprecher Benedikt Spangardt bestätigt auf Anfrage, dass Werner P. kein Einzelfall ist: „Es hat nach unserem derzeitigen Kenntnisstand etwa zehn solcher Fälle gegeben, die offenbar alle bei Bestellungen um Ostern herum passiert sind, in einem Zeitraum von etwa zwei Wochen.“

„Übermittlung hat offenbar nicht stattgefunden“

Die Ausweisanträge wurden laut Spangardt zwar korrekt aufgenommen. Alle Daten seien vollständig erfasst worden. Aber dann habe „offenbar die Übermittlung an die Bundesdruckerei nicht stattgefunden“. Warum? Das wisse man bisher nicht. Der Fehler sei erst aufgefallen, als Bürger ihre bestellten Personaldokumente abholen wollten und sie nicht vorlagen. Allen Betroffenen habe man angeboten, die Ausweise neu zu bestellen und bei Bedarf gebührenfrei vorläufige Dokumente auszustellen. Alle seien damit einverstanden gewesen. Bis auf Werner P., so der Stadtsprecher.

Ärger um Ausweis soll zu Handgreiflichkeiten im Lüner Bürgerbüro geführt haben

Das Gebäude der Bundesdruckerei in Berlin. Hier werden Personalausweise und Reisepässe hergestellt. © picture alliance / dpa

Was sich am 14. Mai im Bürgerbüro ereignete, als Werner P. am frühen Nachmittag dort vorsprach, darüber gehen die Angaben auseinander. Die Stadt stellt es so dar: „Er (Werner P., Anm. d. Red.) war verständlicherweise aufgebracht. Die Erklärungen und Entschuldigungsversuche der Kolleginnen und Kollegen hat er allerdings abgetan und sofort angekündigt zur Presse zu gehen. Er wurde sehr laut und ausfallend. Eine Kollegin, die versuchte die Situation zu beruhigen, hat er rüde aus dem Weg geschubst. Eine Anzeige behält sich die Kollegin vor.“

„Ich habe ja hinten keine Augen“

„Das ist absolut unrichtig“, erklärt Werner P. „ich habe in keiner Form jemanden beleidigt“. Zunächst habe er mit einer Mitarbeiterin des Bürgerbüros gesprochen, die dann noch eine Kollegin dazugeholt habe. „Sie brauchen mir nichts zu erzählen, ich gehe zum Anwalt, habe ich gesagt“, so der Senior. Zum Vorwurf des „rüde aus dem Weg Schubsens“ sagt der 78-Jährige, es könne sein, dass er eine Mitarbeiterin beim Aufstehen vom Stuhl berührt habe. „Ich habe ja hinten keine Augen“. Mit einer der beiden Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros sei er früher schon einmal aneinandergeraten, berichtet P.: „Die war frech.“ Der 78-Jährige war nach eigenen Angaben inzwischen beim Rechtsanwalt. Ob der in seinem Auftrag rechtliche Schritte einleite, stehe noch nicht fest,. so P.

Bundesdruckerei: Kein vergleichbarer Fall bekannt

Eine Sprecherin der Bundesdruckerei, wo Pässe und Ausweise hergestellt werden, sagte auf Anfrage, es sei dort kein vergleichbarer Fall wie der in Lünen bekannt. Bisher habe es auch noch nie Auffälligkeiten bei Bestellungen von Personaldokumenten aus Lünen gegeben.

Stadt und Bundesdruckerei seien das Problem gemeinsam durchgegangen, hätten aber keine Fehlerquelle finden können, betont Stadtsprecher Benedikt Spangardt. Er ergänzt: „Was wir sicher sagen können, ist, dass die Daten der betroffenen Personen nicht verloren gegangen sind. Die Antragsdaten waren zu jedem Zeitpunkt weiterhin in unserem System gespeichert.“

„Wir beobachten das weiter“

Alle Bestellungen und Beantragungen der letzten Tage seien einzeln überprüft worden, dabei hätten sich keine Auffälligkeiten gezeigt. „Wir beobachten das aber noch weiter“, so Spangardt. Der Stadtsprecher weist „zur Einordnung“ der circa zehn Fälle mit Datenpanne darauf hin, dass allein in der Woche vom 6. bis 10. Mai 394 Pässe und Ausweise bestellt worden seien. Offenbar ohne Probleme.

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