Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen gibt es zahlreiche Entlastungs-Angebote - von der Tagespflege bis zur Verhinderungs- und Kurzzeitpflege beispielsweise. Infos dazu hat die Pflegeberatung. © picture alliance/dpa
Infos bei der Pflegeberatung

Angehörige lehnen Entlastung oft erst ab – bis sie selbst krank werden

Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, steht Entlastung zu. Infos und Rat bekommen sie bei den Pflegeberatern des Kreises Unna. Auch hier hat sich die Arbeit in der Pandemie verändert.

Tagespflege, Umbau des Badezimmers und Kurzzeit- und Verhinderungspflege – Dieter Weiler (Name geändert) nutzt viele Entlastungsmöglichkeiten. Denn der 56-Jährige aus Lünen pflegt seine 91-jährige Mutter. Elisabeth Weiler (Name geändert) ist nach einer Hüft-Op gehandicapt und auch in der Wohnung derzeit auf den Rollstuhl angewiesen.

Der Sohn informiert sich, welche Hilfen und welche Unterstützung es für pflegende Angehörige gibt. Bei der Wohnberatung und auch bei der Pflegeberatung. So war Elisabeth Weiler zwischen Krankenhaus-Aufenthalt und Reha 14 Tage in der Kurzzeitpflege. Damit ihr Sohn nötige Wege erledigen und auch mal an sich selbst denken konnte.

Dass immer noch andere pflegende Angehörige viel zu lange warten, bevor sie sich Hilfe holen, weiß Andrea Schulte von der Pflegeberatung des Kreises Unna. „Oft ist das bei älteren Ehepaaren der Fall, bei dem einer den anderen pflegt und der Pflegende die Situation sehr lange aushält, obwohl alles schon über seine Kräfte geht“, so die Pflegeberaterin.

Angst vor Getuschel der Nachbarn

Entlastungsmöglichkeiten werden dann oft erstmal abgelehnt. „Da heißt es, mein Mann will nicht in die Tagespflege, das wollte er noch nie.“ Oder aber der Einsatz eines Pflegedienstes wird nicht in Betracht gezogen, weil man Angst hat, die Nachbarn würden tuscheln, dass man sich nicht mehr selbst um den Ehepartner kümmern könnte.

Hier müssen Andrea Schulte und ihre Kollegen Überzeugungsarbeit leisten, damit der pflegende Angehörige nicht am Ende durch die Belastung selbst krank wird. „Wir fragen dann meistens, ob Kinder da sind, die vielleicht bei einem Gespräch mit uns dabei sein können und die Eltern dann doch überzeugen, Hilfsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen.“

Es kommt im Alltag der Pflegeberatung aber auch vor, dass Kinder zu den Expertinnen kommen und um ein Gespräch bitten, weil die Eltern alle Entlastungsmöglichkeiten abblocken, „und wir als neutrale Gesprächspartnern dann alles erklären und Vorurteile abbauen können.“

Die Corona-Pandemie hat einiges bei der Beratung verändert. So konnte zunächst nur telefonische Beratung angeboten werden. „Wobei das bei uns einfacher war als bei den Kollegen der Wohnberatung, die ja vor Ort schauen müssen, was in der Wohnung zu machen ist.“ Als dann Schutzmasken und Plexiglasscheiben angeschafft worden waren, gab es auch wieder persönliche Beratung in der Kamener Beratungsstelle, die für den ganzen Kreis Unna zuständig ist.

„Notfälle“ in der ersten Pandemie-Phase

In der ersten Phase der Pandemie 2020 registrierten Andrea Schulte und ihre Kollegen deutlich weniger Anfragen als vor Corona. „Da hat sich jeder zuhause zurückgezogen.“ Aber es gab auch Anfragen zu „Notfällen“. Beispielsweise wenn die Mutter durch eine Betreuungskraft aus Osteuropa rund um die Uhr betreut wird und wegen Corona kein Wechsel möglich war.

Oder auch, als die Tagespflegen aufgrund der Corona-Verordnung geschlossen waren bzw. nur mit halbem Platzangebot arbeiten konnten. Oder, als Pflegebedürftige in der Kurzzeitpflege erst in Quarantäne mussten. Schulte: „Das waren besondere Situationen für die Pflegenden.“

Ohnehin, so ihre Erfahrung, sind viele pflegende Angehörigen überlastet, auch weil es nicht immer mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege klappt. 75 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen, die oft eine Dreifach-Belastung von Beruf, Familie und Pflege stemmen müssen. Oder aber es sind ältere Ehepartner, die gesundheitlich selbst Probleme haben.

Rat suchen Angehörige und Betroffene auch, wenn die schriftlichen Infos der Pflegekasse nicht ausreichen oder man sie schlicht nicht versteht. Andrea Schulte: „Die Leute wollen wissen, was ihnen zusteht.“

Die Pflegeberatung des Kreises Unna ist telefonisch erreichbar unter Tel. (02307) 28 99 060, oder unter der kostenlosen Nummer (0800) 27 200 200. Außerdem können Angehörige von Demenzkranken sich speziell unter der Telefonnummer (02307) 28 99 062 informieren.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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