Angeklagter bestreitet Diebstahl in einem Haus am Viktoriaplatz in Lünen bis zuletzt

hzAmtsgericht

Verdächtige Geräusche und Schatten schreckten ein Lüner Paar auf. Tatsächlich stellte der Hausherr einen Mann, der offenbar eine offene Tür nutzte, um Beute zu machen.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 15.03.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor Gericht bestritt der Angeklagte die Tat vehement. Das allerdings ohne Erfolg.

Nach einem schwülen Sommertag ließ die Lünerin die Tür zu ihrem Haus am Viktoriaplatz am Abend des 26. Juli offen stehen, um Luft herein zu lassen. Kurz darauf hörte sie Geräusche, die sie nicht zuordnen konnte und ihr Mann, der sich in einem anderen Raum befand, sah parallel einen Schatten.

Der Mann, zu dem der Schatten gehörte, antwortete nicht auf Zuruf. Der Lüner sah nach dem Rechten und konnte letztlich gerade noch verhindern, dass der Fremde mit einem Fahrrad flüchtete.

Uhren, Sonnenbrillen und Geldbörse gestohlen

Der Mann, so schilderte es das Paar später, rückte letztlich das heraus, was er vorher gestohlen hatte: mehrere Armbanduhren, Sonnenbrillen und eine kleine Geldbörse ohne nennenswerte Füllung.

Der Mann auf dem Fahrrad gewesen zu sein, das stellte der angeklagte Lüner nicht in Abrede, als Mitte Februar sein Diebstahlsprozess vor dem Amtsgericht begann. Allerdings beteuerte der 45-Jährige, keinesfalls in dem Haus gewesen und etwas an sich genommen zu haben. Er habe nur angehalten, um sich eine Zigarette zu drehen.

Und mit Blick auf etliche, teils einschlägige Vorstrafen und Hafterfahrungen betonte er, in der Vergangenheit seine Taten stets eingeräumt zu haben. Aber den Vorwurf wolle er nicht auf sich sitzen lassen. „Ich habe da keinen Diebstahl begangen.“

Ehepaar blieb bei seiner Version

Nun wurde das Verfahren mit der Befragung des Paares fortgesetzt. Beide erkannten den Angeklagten, beide blieben bei ihrer Version und für die Einlassung des 45-Jährigen fand die Hausherrin deutliche Worte: „Völlig erstunken und erlogen.“ Und ihr Ehemann erinnerte sich, dass der Lüner damals gesagt habe: „Entschuldigung, ich wollte doch nur was zu essen.“ Und das, so betonten beide, hätten sie ihm sicher geschenkt.

Richter Ulrich Oehrle brachte es auf den Punkt: „Warum sollten die beiden Leute lügen?“ Davon hätten sie doch gar nichts, da sie ihr Eigentum zurückbekommen haben.

„Versuche mein Leben auf die Kette zu kriegen“

Doch der Mann auf der Anklagebank blieb dabei: „Ich versuche jetzt gerade, mein Leben auf die Kette zu kriegen. Jetzt bin ich zum ersten Mal unschuldig und werde hier verurteilt? Das ist nicht gerecht.“

Überzeugen konnte er damit weder die Vertreterin der Anklage noch das Gericht. Im Gegenteil, der Prozess endete für ihn mit einem Paukenschlag: Er wurde zu drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Richter Ulrich Oehrle hatte nicht den geringsten Zweifel: „Sie wollten klauen und sind erwischt worden – mal wieder.“ Und für eine Bewährung gebe es gar keinen Grund.

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