Angst vor der Vorsorge: „Aber dass ein Auto alle zwei Jahre zum TÜV muss, versteht jeder“

hzKrankenkassen

Seit 2018 wird der „Check-up ab 35“ nur noch alle drei Jahre von der Krankenkasse bezahlt. Warum das ein Problem ist und man trotzdem zur Vorsorge gehen sollte, erklärt ein Lüner Arzt.

Lünen

, 23.08.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kribbeln in den Beinen, Blindheit, Luftnot - all diese Symptome könnten durch eine Vorsorgeuntersuchung beim Arzt eingedämmt, wenn nicht sogar verhindert werden. „Diabetes und Bluthochdruck sind klassische Krankheiten, die die Lebensqualität mindern, aber durch eine Vorsorgeuntersuchung durchaus frühzeitig entdeckt und behandelt werden können“, erklärt der Facharzt für Innere Medizin und Hausarzt Jan F. Hohmeister, der eine Praxis in Lünen betreibt.

Check-ups nur noch alle drei Jahre

Dass die gesetzliche Krankenkasse die Gesundheitsuntersuchung nur noch alle drei Jahre bezahlt, sieht Hohmeister als Problem: „Viele Patienten haben sowieso schon wenig Kontakt zum Hausarzt, aber ein Zwei-Jahres-Intervall war immer noch vermittelbar.“ Einen passenden Vergleich hatte Hohmeister auch immer für seine Patienten und Patientinnen parat: „Das Auto muss auch alle zwei Jahre zum TÜV. Das konnten viele nachvollziehen.“

Dass die Krankenkassen nun auf die Spartaste drücken würden, bedauert er, „denn es ist deutlich leichter, Vorsorge zu betreiben, als später eine schwere Krankheit zu besiegen“. Der Lüner Arzt befürchtet, dass sich die Vorsorge nun noch weiter verschlechtern wird. Denn die Quote sei bereits bedeutend gering: Nur etwa 20 bis 25 Prozent der gesamten Bevölkerung geht regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung. Im Vergleich gehen mehr Frauen als Männer zum Check-up - ein Eindruck, den auch Jan F. Hohmeister bestätigen kann: „Ich vermute, dass Männer eher dazu neigen, die Dinge mit sich selbst auszumachen. Beim Thema Vorsorge sind sie tendenziell eher zurückhaltender.“

Jetzt lesen

Mangelnde Vorsorge durch „ungutes Gefühl“

Die Ursache für die nicht wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen sieht Hohmeister darin, dass Menschen dazu neigen, das Thema zu verdrängen: „Vielen ist die Auseinandersetzung mit der Krankheit unangenehm, weil man beim Check-up potenziell etwas finden kann. Man muss sich selbst überwinden, obwohl man sich wohl fühlt.“ Deshalb werden in seiner Praxis alle Patienten und Patientinnen aktiv angesprochen, wenn es bei ihnen Zeit für eine Vorsorgeuntersuchung ist. „Ich glaube, dass die Wenigsten aus freiem Willen kommen würden.“

Regelmäßige Kontrollen in Form von Gesundheitsuntersuchungen seien nicht nur wichtig, damit frühzeitig Krankheiten entdeckt werden können, sondern auch damit die Lebensqualität gesteigert werden könne. „Die Menschen werden heutzutage alt und man soll ja dann gesund und fit sein. Im Alter hat man immer mit ein paar Befindlichkeitsstörungen zu kämpfen, aber entscheidend ist, dass man mit Hilfe der Vorsorge gute Chancen hat, Vollwertkrankheiten zu besiegen“, so Hohmeister.

Lesen Sie jetzt