Anlieger des Struckmannsberg einfach vergessen - von einer Baustelle umzingelt

hzBaustellen-Chaos

Man wohnt schön am Struckmannsberg, idyllisch. Mit der Idylle war es für die Anlieger allerdings seit Dienstag vorbei - die Straße ist komplett lahmgelegt, alle Verbindungen sind versperrt.

Lünen, Cappenberg

, 17.10.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Struckmannsberg am nördlichen Rand der Stadt ist eine Sackgasse mit einer Handvoll Anwohner. Als die am Dienstagmorgen in ihre Autos stiegen, und Kinder in die Kita oder zur Arbeit fahren wollten, gab es ein böses Erwachen: Auf der Cappenberger Straße standen in einigen Metern Entfernung sowohl in Richtung Norden als auch in Richtung Lünen, nach Süden, Baustellenbaken. Man kann zwar vom Struckmannsberg in den gesperrten Bereich einfahren, aber nach ein paar Metern - entweder am Brauereiknapp auf Cappenberg oder am Altlüner Friedhof ist dann kein Durchkommen mehr. Es sei denn, man schiebt die Dinger beiseite, was der ein oder andere auch tat. Auch die Zufahrt zum Dreischfeld ist inzwischen gesperrt, und damit eine Ausweichmöglichkeit dahin.

Anlieger des Struckmannsberg einfach vergessen - von einer Baustelle umzingelt

Die Cappenberger Straße von Süden aus: Auf Höhe des Friedhofs, am Vogelsberg, ist Schluss. © Britta Linnhoff

Frank Nerstheimer macht eigentlich nicht den Eindruck, als würde ihn so schnell etwas aus der Ruhe bringen. Nerstheimer ist einer der Anlieger, die von Straßen NRW bei der Planung vergessen wurden. Nerstheimer ist vor allem auch deshalb sauer, weil es „im Vorfeld keinerlei Informationen darüber gab“. „Meine Tochter“, so erzählt er, „besucht eine Förderschule in Bergkamen-Heil und wird jeden Morgen von einem Schulbus abgeholt“. Glücklicherweise sind derzeit Ferien, aber: „Wie das gehen soll, ist mir ein Rätsel“, sagt er.

Halbe Stunde statt fünf Minuten zur Kita

Auch Kim Witt hat an diesen ersten Baustellentagen schon so ihre Erfahrungen gemacht: Fünf Minuten braucht sie normalerweise, um ihre Tochter in die Kita zu bringen. Am Mittwoch ist sie nun - ähnlich wie Frank Nerstheimer - hin und her gefahren, um ans Ziel zu gelangen. Wie lange? „Ach, über eine halbe Stunde“, erzählt sie. Und dabei hätte sie mit ihrem Bulli noch unter einer Baggerschaufel herfahren müssen. „Wenigstens einen Weg müsste man uns doch lassen“, sagt sie, als sie - zu Fuß - mit ihrer anderen Tochter und mit Hund am Struckmannsberg unterwegs ist. Gleich muss sie wieder mit dem Auto los, zur Kita. Es wird wieder eine halbe Stunde dauern.

Ein paar hundert Meter weiter steht Friedrich Uhlenbrock mit seinem Trecker an der Ecke Cappenberger Straße/Im Dreischfeld und guckt ein bisschen fassungslos: Er ist aus Netteberg mit seinem Trecker samt Anhänger gekommen. Er sei, so sagt er, erst gestern noch hier gewesen, da habe man hier noch hineinfahren können. Das tat er - und mähte seine Wiesen. Als er nun am Mittwochmittag zurückkehrt, ist der Weg versperrt und Uhlenbrock wenig erbaut: „Ich brauche das Futter für meine Tiere“. Auch ein Postbote muss gerade seinen Wagen vor der Absperrung stoppen und rätselt, wie das künftig funktionieren soll.

Anlieger des Struckmannsberg einfach vergessen - von einer Baustelle umzingelt

Frank Nerstheimer ist einer der Anlieger am Struckmannsberg. Bei Straßen NRW hat man zwar von dem Weg gewusst, aber dessen Anlieger „übersehen“. © Britta Linnhoff

Warum das ganze Durcheinander? In den nächsten Wochen soll die Fahrbahn der Cappenberger Straße saniert werden. Soweit, so gut. Allerdings, so räumt man beim Landesbetrieb Straßen NRW ein, habe man die Anlieger des Struckmannsberg „schlicht vergessen“. Man habe, so sagt Heinrich Lütke-Wenning, die „Siedlung wirklich übersehen“. Der Mann von Straßen NRW gelobt umgehend Besserung. Man sei dabei, die Situation vor Ort zu überprüfen, ob es eine Möglichkeit für die Anlieger des Struckmannsberg gebe, ihre Häuser auch während der Bauzeit zu erreichen.

Wenn das nicht möglich sein sollte, dann - so verspricht Lütke-Wenning, werde man die Straße in solchen Abschnitten sanieren, dass immer von einer Seite, von Nord oder Süd, die Zufahrt möglich sei. Derzeit stehe noch kein schweres Gerät auf der Fahrbahn, so dass die Anlieger noch durchkämen. Die haben offenbar zur Selbsthilfe gegriffen, und die ein oder andere Absperrbake verschoben, damit das funktioniert.

Die offizielle Umleitungsstrecke: Die bisher ausgewiesene offizielle Umleitungsstrecke für die Bauarbeiten auf der Cappenberger Straße führt von der Cappenberger Straße über die Laakstraße, die B 236 Richtung Selm und dann auf die Borker Straße Richtung Cappenberg. Wer aus Richtung Südkirchen nach Lünen möchte, fährt auf den Cappenberger Damm Richtung Cappenberg, biegt auf die Borker Straße und dann auf die B 236 Richtung Lünen ab.
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