Anonymer Brief wirft Kleingärtnern illegale Bauten und Dauerwohnen vor

hzKamener Straße

Ein anonymes Schreiben trübt die Idylle in der Kleingartenanlage Kamener Straße 138. Es geht um Vorwürfe illegaler Bauten und um Dauerwohnen. Mitglieder fragen sich, wer das geschrieben hat?

Lünen

, 29.07.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur Möhren und Gurken sind in der Kleingartenanlage Kamener Straße gesät worden, sondern anscheinend auch Misstrauen und Zwietracht. Das suggeriert ein anonymes Schreiben, das sowohl unsere Redaktion als auch den Landesverband der Kleingärtner und die Stadt erreichte. In der Kleingartenanlage werde es zusehends wie im wilden Westen, heißt es darin.

„In vielen Gärten wird die bebaute Fläche kolossal überschritten.“ Es würden Überdachungen und Vorbauten erstellt wie im Wohnzimmer. Ein weiterer Vorwurf: Weil die Anlage keinen Vorsitzenden habe, halte sich niemand mehr an Satzungen. Es werde dort auch auf Dauer gewohnt.

Kein Vorsitzender seit zwei Jahren

So etwas hat Andre Reimer noch nicht erlebt. Er ist seit drei Jahren stellvertretender Vorsitzender. Einen Vorsitzenden gibt es seit zwei Jahren nicht mehr, „weil es nicht so einfach sei, den Job zu machen“, sagt Reimer. Er findet für den anonymen Brief keine Worte. Warum hat der Schreiber nicht den Mut, den Vorstand direkt anzusprechen? Damit alle 35 Kleingärtner der Anlage im Bilde sind, hat Reimer das Schreiben in den beiden Schaukästen öffentlich ausgehängt. Jetzt verdächtigt doch jeder jeden, fürchtet Reimer.

Es gebe 38 Parzellen, drei seien momentan zu vergeben. „Wir haben eine Liste aller Mitglieder. Sie haben alle einen festen Wohnsitz“, kontert er den Vorwurf des Dauerübernachtens. Wenn mal Mitglieder am Wochenende dort blieben, sei das in Ordnung. Die Satzung erlaube das Übernachten in den Ferien. Reimer sieht darin einen Vorteil: „Dann gibt es auch weniger Einbrüche.“ Auch die Stadt, die das Gelände an die Kleingärtner verpachtet hat, hält gelegentliches Übernachten im Gegensatz zum dauerhaften Wohnen für zulässig. „Es wird in der Regel von den Vereinen kontrolliert“, so die Stadt.

Zu den illegalen Bauten erklärt Reimer, dass er nicht in jedem Garten nachschaue. Manche hätten ihr Gewächshaus erweitert, um Gemüse anzubauen, andere Gerüste für Weinreben gebaut. Alle verbrächten dort ihren Feierabend, viele auch mit Familien. Es sei ein Ort der Erholung.

Erholung finden die Mitglieder in der Anlagen mit blühenden Beeten.

Erholung finden die Mitglieder in der Anlagen mit blühenden Beeten. © Quiring-Lategahn

24 Quadratmeter sind erlaubt

Alexander Dziedeck, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Lünen, erläutert die Vorgaben: „Gemäß Bundeskleingartengesetz ist nur eine Laube in einfacher Ausführung mit 24 Quadratmetern Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz zulässig. In Lünen ist bei den neueren Anlagen eine Aufteilung von 16 m² Laube und 8 m² Freisitz die Regel. Der Neubau und die Umgestaltung der Lauben sind vor Baubeginn von der Stadt Lünen zu genehmigen. Die Lauben werden nach der Fertigstellung förmlich abgenommen.“

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Jedes Jahr fände eine stichprobenartige Begehung der Stadt Lünen zusammen mit Vertretern des Kleingärtner Bezirksverbandes Lünen-Lüdinghausen-Selm statt. Dabei würden auch anstehende Sanierungsarbeiten besprochen. „Je nach Art und Umfang vorgefundener Verstöße gegen den Pachtvertrag beziehungsweise die Gartenordnung wird eine Frist gesetzt, bis wann die Missstände behoben werden müssen“, so Dziedeck.

Spielplatz und Blumenbeete

Die 35 Kleingärtner verbringen viel Freizeit in der Kleingartenanlage. Sie gießen die von der Stadt gesetzten Obstbäume, haben am Spielplatz Tisch und Bänke aufgestellt und vermieten das Vereinsheim für Feiern. Es gibt neue Beete mit vielen Blumen. Dahlien und Sonnenblumen leuchten in den Gärten. Dort wachsen neben Tomaten und Gurken auch Kürbisse. „Wir sind stolz auf das, was wir hier geleistet haben“, betont Reimer. Stolz ist er auch auf die Gemeinschaft. „Wir haben viele Nationalitäten.“ Einige seien befreundet, andere grüßten sich nur. Aber bisher hätte sich noch niemand an die Köppe bekommen.

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