Antonia Edlich (88) ist Lünens älteste DJane

hzLüner Künstler

Früher Tanztees und Hochzeiten, heute Seniorenheime: Mit über 40 fand Antonia Edlich noch ihre Bestimmung zur Sängerin und als DJane. Ans Aufhören denkt die Beckinghäuserin noch lange nicht.

Beckinghausen

, 22.07.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Antonia Edlich hat Athrose im linken Knie und seit sie sich bei einem Treppensturz vor einigen Jahren den Oberschenkel und ein Handgelenk gebrochen hat, sind ihre „Knochen im Eimer“, wie sie sagt. Normale Alterserscheinungen einer 88-Jährigen. Doch wenn sie singt, hört man ihr ihr Alter nicht an. Eine klare, frische, fast jugendliche Stimme erfüllt dann ihr Wohnzimmer in Beckinghausen. Mit ihren rötlichen Haaren, Goldschmuck und gemusterter Bluse und ihrer sprühenden Lebensfreude wirkt sie auch um einige Jahre jünger. „Nur kamen vor ein paar Jahren die Falten“, sagt die 88-Jährige und lacht. Ihre Spezialität sind Schlager aus den 70er-, 80er- und 90er-Jahren, die Capri Fischer und La Paloma singt sie am liebsten.

„Ich habe 1000 CDs und alle Melodien im Kopf“, erzählt sie, „nur die Texte vergesse ich inzwischen manchmal.“ Lange galt sie als Lünens, wenn nicht sogar Deutschlands „älteste DJane“. Mit einer Anlage und Koffern voller CDs richtete sie im Auftrag der Seniorenbetreuung Dortmund 18 Jahre lang in verschiedenen Senioreneinrichtungen Tanztees aus. Tango, Walzer, Foxtrott oder Disco gehörten zu ihrem Repertoire. In einem dicken Ordner hat sie all die Zeitungsberichte über sie und Programme ihrer Auftritte aufgehoben.

„Ich mache das für die leuchtenden Augen“

Das Auflegen hat sie inzwischen aufgegeben, aber sie singt noch. Mit Leidenschaft. Früher auf Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Sommerfesten. Immer begleitet von ihrem zweiten Mann am Akkordeon, bis der vor 28 Jahren verstarb. Seitdem singt sie Playback zu Instrumental-CDs. Zuletzt noch in der Seniorenresidenz Osterfeld, zuvor auch in Beckinghausen. Bis Corona kam und sie deswegen nicht mehr durfte. Doch Antonia Edlich ist wild entschlossen weiterzumachen: „Ich kann nicht aufhören“, sagt sie. „Sobald ich die Chance habe etwas anzubieten, dann mach ich das auch. Für die leuchtenden Augen. Die Alten freuen sich wie kleine Kinder.“

Angefangen zu singen hat Antonia Edlich relativ spät. Da war sie schon über 40 und Mutter von sechs Kindern. In diesem Alter betrieb sie für einige Jahre die Düppelschenke in Lünen-Süd. Dort lernte sie ihren Akkordeon-spielenden Mann kennen und die Dinge nahmen ihren Lauf. Die „Kirmesmusikanten“ waren Edlich die liebste Musik. Wie sie stammten sie aus Holland. „Mein Geheimnis ist“, sagt Edlich, dass ich mich nie gehen lassen und mich immer gepflegt habe. Und als ich meinen zweiten Mann kennen lernte, kam ein Talent zum Vorschein, vom dem ich heute noch zehre. „Das Alter steht doch nur auf dem Papier. Wenn ich merke, dass ich nicht mehr ankomme, erst dann höre ich auf.“

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