Anwohner kritisiert Haltepunkt Alstedde: Zahlen unrealistisch, hohe Lärmbelastung

hzBahnverkehr Lünen

Peter Nichau kritisiert Pläne und Zahlen für den Bahnhaltepunkt Alstedde. Er befürchtet Lärmbelastung und Straßenbaubeiträge für Anwohner. 1000 Fahrgäste am Tag seien völlig unrealistisch.

Alstedde

, 10.11.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bahnhaltepunkt in Alstedde. Er könnte kommen. Seit Jahrzehnten. Zuletzt hatte die CDU-Ortsunion Altlünen/Altstadt im Oktober erneut Hoffnungen gemacht, der Zeitpunkt, die Errichtung der Haltestelle anzugehen sei günstig.

Vier neue Haltepunkte will der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in Westfalen-Lippe errichten. Einer davon könnte in Alstedde stehen. 1,2 Millionen Euro soll die Haltestelle kosten, bei 90 Prozent Förderung der Baukosten. Hinzu kommen Kosten für die Stadt Lünen, die sich um die Gestaltung des Umfeldes kümmern müsste, etwa Park & Ride-Plätze und Abstellanlagen für Fahrräder.

Dass die Pläne um diesen Haltepunkt einen langen Bart haben und viele Lüner schon längst nicht mehr daran glauben, die Inbetriebnahme, geschweige denn den Bau noch zu erleben, wurde in den Reaktionen auf unsere Berichterstattung deutlich.

Anwohner kritsiert Pläne

Mit kritischem Auge Blick auch Peter Nichau als Anwohner des Römerwegs auf die potenzielle Haltestelle, die quasi direkt vor seiner Haustür entstehen soll.

Die Fragen die Nichau stellt, sind zumindest keine neuen, denn er belegt sie mit Anträgen, die in der Stadtpolitik im Laufe der Jahre zu diesem Thema auf dem Tisch lagen.

Da wäre zum Beispiel die von der CDU im Jahr 2015 beantragte repräsentative Umfrage zur Errichtung des Bahnhaltepunktes. Stattgefunden hat die nämlich nicht. Man hatte sich seinerzeit im Ausschuss für Stadtentwicklung darauf geeinigt, die Abstimmung zu verschieben, bis eine aktuellere Planung von Seiten der Verwaltung vorliegt.

Der Auftrag an Bürgermeister und Stadtverwaltung, die Pläne gemeinsam mit der NWL neu zu erarbeiten, erging zuletzt im Rat der Stadt im Dezember 2018.

Zu wenig Parkplätze und Straßenbaubeiträge

Die in Planungsvorbereitungen aus dem Jahr 2006 genannte Zahl von insgesamt 30 Parkplätzen hält Nichau für viel zu gering. „Die Plätze würden hauptsächlich von Pendlern genutzt werden, die am Hauptbahnhof keinen Platz finden oder Kosten sparen wollen.“ Die logische Schlussfolgerung: Umliegende Straßen könnten zugeparkt werden.

Die genannte Planungsvorbereitung wurde 2006 wegen des „relativ ungünstigen Nutzen-Kosten-Verhältnis(ses)“ eingestellt.

Anwohner kritisiert Haltepunkt Alstedde: Zahlen unrealistisch, hohe Lärmbelastung

© Matthias Stachelhaus

„Abbremsende Züge machen viel mehr Lärm und sind nicht in ein paar Sekunden durchgefahren.“
Peter Nichau, anwohner am römerweg

Außerdem sei, so die Bahnhaltestelle komme, laut Nichau eine Sanierung des Römerweges notwendig. Da der Römerweg als Anliegerstraße zähle, sei hier eine Beteiligung der Anwohner zu erwarten. Stichwort Kommunalabgabengesetz. Als langjähriger Anwohner weist Nichau darauf hin, dass die Lärmbelastung einer Bahnhaltestelle deutlich größer ist, als die von durchfahrenden Zügen.

Frage nach 1000 potenziellen Fahrgästen

Nichau fragt sich auch, wo 1000 potenzielle Fahrgäste pro Tag herkommen sollen. Ins Spiel kam die Zahl nach einem Ortstermin der SPD im Jahr 2015. Die passe nicht zu den alten Plänen von 2006.

Da war noch von 187 Fahrgästen pro Tag die Rede, von denen allerdings rund 100 bereits den Bus benutzen. Blieben 87 neue Fahrgäste. Selbst beim theoretisch hinzugerechneten Bau von 200 Wohneinheiten in Alstedde - die nie im Flächennutzungsplan vorgesehen waren - erwartete man 2006 nur „marginal“ eine Steigerung auf 99 neue Fahrgäste.

Auf Nachfrage unserer Redaktion bei NWL und dem Kreis Unna, ließ sich diese Prognose nicht verifizieren. „Wir haben ältere Prognosen von Stadt und Kreis, die von deutlich weniger Fahrgästen ausgehen“, sagt NWL-Sprecher Uli Beele.

Auch beim Kreis Unna erhält man die Auskunft, dass 80 bis 100 Fahrgäste realistischer seien, auch wenn die Zahlen alt sind.

Auf Nachfrage bei der SPD am Freitag (8.11.) ließ sich bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung bringen, woher 1000 neue Bahnfahrer in Alstedde kommen sollen.

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