Zukunftsprojekten sieht sich die Wirtschaftsförderung Lünen verpflichtet, die ihren Sitz symbolstark hat zu Füßen des Ufos hat: des vom Designer Luigi Colani futuristisch umgestalteten Förderturms. © Günther Goldstein
Städteranking

Attraktiv, niveauvoll, lebenswert – wie bewertet die Wirtschaft Lünen?

In einem NRW-Kommunalranking von 2020 belegt Lünen Platz 372 von 396. Ein anderes Ranking sieht die Lippestadt hingegen bundesweit auf Rang 168 von 3572 Städten. Was stimmt denn nun?

Eine ganze Reihe von Konzepten und Planungen soll die Stadt Lünen nachhaltig verändern. Dabei spielt natürlich die Wirtschaft eine große Rolle, zum Beispiel bei der Neuentwicklung von Lippholthausen oder auch beim Masterplan Einzelhandel. Alle Konzepte haben das Ziel, die Lippestadt attraktiv zu machen – sowohl für Menschen, die hier leben oder leben wollen, als auch für Unternehmen, die hier Arbeitsplätze schaffen können.

Dabei wird die aktuelle Situation Lünens durchaus unterschiedlich bewertet. So landet die Stadt im Kommunalranking der IW Consult GmbH (gehört zum Institut der deutschen Wirtschaft in Köln) auf Platz 372 von 396 Kommunen in NRW. Nicht gerade ein schmeichelhaftes Ergebnis, auf das auch der bundesweite Vergleich (Platz 9318 von 10554) kein besseres Licht wirft.

Für das Ranking hatte die IW Consult neben den Faktoren Wirtschaft und Arbeit auch die aktuellen Standards in Sachen Lebensqualität und Wohnen untersucht. Der Ist-Zustand aller vier Faktoren ergab dann im sogenannten Niveau-Ranking das für Lünen unerfreuliche Ergebnis. Deutlich besser sieht es für die Lippestadt im „Dynamik-Ranking“ aus, das laut IWC „die Entwicklung der Kommunen im Hinblick auf die verschiedenen Indikatoren in den letzten Jahren“ abbildet. Hier rangiert Lünen auf Platz 42 in NRW und auf Rang 2610 aus Bundesebene.

Unterschiedliche Bewertung kein Widerspruch

Die Stadt steht also schlecht da, hat aber Potenzial – so könnte man die Analyse der IW Consult zusammenfassen. Wirtschaftsförderer Eric Swehla sieht die Situation sogar noch deutlich positiver und präsentiert ein Ranking des Mittelstand-Portals „Die deutsche Wirtschaft“ (DDW), in dem Lünen von bundesweit 3572 Städten auf Rang 168 geführt wird. Die DDW hat für ihre Bewertung 80.000 Entscheider aus 20.000 Unternehmen befragt und dabei den Schwerpunkt auf rein wirtschaftliche Aspekte gelegt. „Insofern halte ich die DDW-Untersuchung mit Blick auf die Aussagekraft hinsichtlich des Wirtschaftsstandortes Lünen für bedeutender“, legt sich Lünens Wirtschaftsförderer fest.

Kann es sein, dass eine Stadt von zwei Wirtschaftsanalysen komplett unterschiedlich bewertet wird? Für Eric Swehla ist das kein Widerspruch, im Gegenteil: „Die Platzierungen zeigen einen starken Trend. Es lässt sich eine sehr positive Entwicklung der Wirtschaft und der Wahrnehmung der Wirtschaft und Wirtschaftsförderung berechtigt ableiten.“

Lünens Wirtschaftsförderer Eric Swehla
Lünens Wirtschaftsförderer Eric Swehla © Linnhoff © Linnhoff

Dass Lünen über eine eigene Wirtschaftsförderung verfügt, sei dabei ein wichtiger Aspekt: „Die Unternehmen bewerten Standorte, die über eine eigene, kommunale Wirtschaftsförderung verfügen, deutlich besser.“ Die Politik sieht das offenbar anders: Statt für zehn, wie es Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns gerne gesehen hätte, wurde das Wirtschaftsförderungszentrum Lünen (WZL) nur für vorerst drei weitere Jahre mit der kommunalen Wirtschaftsförderung betraut. SPD, CDU und Grüne möchten in diesem Zeitraum „Strukturen und Abläufe prüfen“ und dann über einen möglicherweise längeren Zeitraum nachdenken.

„Es geht darum die gesamte Region zu stärken“

Die Alternative wäre, dass die Wirtschaftsförderung des Kreises Unna (Wfg) künftig auch für Lünen mitarbeitet. Für Eric Swehla – natürlich – die schlechtere Wahl: „Es ist faktisch so, dass es einer Kreiswirtschaftsförderung prinzipiell gleich ist, wo zum Besipiel eine Neuansiedlung erfolgt – der Kreis profitiert in jedem Fall.“ Eine kommunale Wirtschaftsförderung sehe das aus einem anderen Blickwinkel, die Ansiedlung in der eigenen Kommune müsse hier klar das Ziel sein. Der Kreis profitiere trotzdem: „Wann immer Unternehmen sich für Lünen interessieren, diese jedoch keine Grundstück oder keine Immobilie finden, empfehlen wir diese weiter an den Kreis. Es muss ja auch darum gehen, die gesamte Region zu stärken.“

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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