Die gewaltige Rosskastanie in der Mitte des Hofes Schulz Gahmen ist in voller Blüte besonders beeindruckend. An ihr führt der Pilgerweg vorbei. © Foto Textoris
18 Kilometer

Auf dem Weg der Jakobspilger- eine Wanderung von Lünen nach Dortmund

Der Jakobspilgerweg führt durch Lünen. 18 Kilometer lang ist ein Teilstück zwischen der Lippestadt und Dortmund. Die Strecke hat kaum Höhenunterschiede und vermittelt unterschiedliche Eindrücke

Das Pilgern auf den Jakobswegen nach Santiago de Compostela ist eines der ältesten und größten Massenphänomene in Europa. Seit mehr als 1000 Jahren wird der Weg von Menschen verschiedener Herkunft, Nationalitäten und Glaubensrichtungen begangen. Unser Autor Diethelm Textoris, der schon den spanischen Jakobsweg gegangen ist, erkundete mit seinem Hund Cooper das 18 Kilometer lange Teilstück auf dem westfälischen Jakobsweg zwischen Lünen und Dortmund. Er erlebte einen kontrastreichen Weg, der ihm viele unterschiedliche Eindrücke vermittelte.

Fotostrecke

Auf dem Jakobspilgerweg von Lünen nach Dortmund

An der katholischen Marienkirche in der historischen Altstadt Lünens, wo in früheren Zeiten die Rivalitäten zwischen dem Fürstbistum Münster und der Grafschaft Mark aufeinander prallten, starten Cooper und ich unsere Wanderung auf den Spuren der Jakobspilger. Seit dem 14. Jahrhundert war vor allem das hölzerne Gnadenbild mit seinen Reliquien im Inneren Ziel von Marienwallfahrten und Pilgerreisen. Nach Überquerung der Lippe und einem kurzen Gang durch die Fußgängerzone erreichen wir die Stadtkirche St. Georg. Sie ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt, errichtet auf ihrem früher höchsten Punkt. Diese exponierte Stellung wurde ihr durch Emporwachsen der Umgebung genommen.

Jakobsstele an der Herz-Jesu-Kirche

Am Ende der Fußgängerzone zeigt uns die in unmittelbarer Nachbarschaft der Herz-Jesu-Kirche angebrachte Jakobsstele, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Sie wurde 2017 mit einer ökumenischen Segensfeier 2017 eingeweiht und sagt, dass noch 2038 Kilometer bis Compostela zu bewältigen sind. Wir folgen dem blauen Zeichen mit der stilisierten gelben Jakobsmuschel, das in der Lüner Innenstadt spärlich, von nun an aber wieder regelmäßiger zu sehen ist.

Die Jakobsstele in unmittelbarer Nähe der Herz-Jesu-Kirche sagt, dass noch 2038 Kilometer bis Santiago zu bewältigen sind.
Die Jakobsstele in unmittelbarer Nähe der Herz-Jesu-Kirche sagt, dass noch 2038 Kilometer bis Santiago zu bewältigen sind. © Foto Textoris © Foto Textoris

Es führt uns zum früheren Schulzenhof, der noch heute im Besitz der Familie Schulz Gahmen ist. Sehenswert ist die in weißer Farbe leuchtende Jugendstilfassade des 1904 umgebauten Gebäudes. Beeindruckend ist aber auch die gewaltige Rosskastanie als Naturdenkmal in der Mitte des Hofes, die augenblicklich in voller Blüte steht.

Weg an der Süggel entlang

Kurz hinter der Einmündung der Karlstraße in Gahmen suchen wir uns im Waldstück einen Weg zur Süggel und folgen dann dem Bachlauf. Diese Variante ist wesentlich angenehmer zu gehen als der offizielle Weg auf der asphaltierten Bergstraße und dem Wulfskamp. Außerdem bietet sie zahlreiche Ruhebänke. Wir nutzen einen der Picknickplätze direkt am Bachufer. Cooper bekommt einen Knochen, und ich lasse mich vom Belag der selbstgeschmierten Butterbrote überraschen. Eine Joggerin hält inne und begrüßt uns mit den Worten: „Da ist ja der berühmte Wanderer mit seinem noch berühmteren Hund.“ Während ich schon fast erröte, lässt sich Cooper trotz der dick aufgetragenen Schmeichelei nicht von seinem Imbiss ablenken.

Deckenfresken in Kirche Johannes Baptist

Ein besonderes Kulturgut im hiesigen Raum ist die romanische Kirche Johannes Baptist in Brechten. Sie bildet mit ihrem malerischen Fach-Werk-Widum den Mittelpunkt des alten Dorfes. Als besondere Kostbarkeit gelten die erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts freigelegten Deckenfresken im Altarraum, die das Jüngste Gericht darstellen. Bei der Gemeindeverwaltung kann man als Pilger(gruppe) nach vorheriger Anmeldung eine fachkundige Führung erhalten.

Nach einem etwas ermüdenden Weg durch den mit Siedlungshäusern gefüllten neuen Teil Brechtens erreichen wir den Süggelwald, der wieder Wandergenuss pur bietet. Dominierend sind in diesem Naherholungsgebiet die bis zu 150 Jahre alten Buchen, die sich in dieser Frühlingszeit mit einem zarten Grün schmücken. Den passenden Soundtrack liefern unzählige Waldvögel und ein ab und zu klopfende Specht als „Zimmermann des Waldes“. In der Mitte des Waldstücks befindet sich ein Dammwildgehege mit Beobachtungskanzel.

Rast im Park mit Wasserfontänen

Nach dem Weg entlang des Dortmunder Nordfriedhofes und einer erneuten Rast an einem kleinen Park mit Wasserfontänen bietet der dann folgende Wegabschnitt einen Kontrast, der die Leidensfähigkeit, aber auch die Toleranz und Weltoffenheit der Pilger auf die Probe stellt. Er führt vorbei an der vielbefahrenen Burgholzstraße und dann zum Dortmunder Nordmarkt, wo „normale“ Parkbesucher ebenso anzutreffen sind wie Alkoholiker und andere Drogensüchtige. Schmuckvoll herausgesputzte Häuser wechseln sich mit heruntergekommenen Bauten ab. Die Münsterstraße zeigt sich als ein Vielvölkerboulevard, der mich an ähnliche Viertel in Paris, London oder Marseille erinnert.

Nach 5 Stunden am Ziel

Über die Brückstraße kommen wir zur Reinoldikirche und zur gegenüberliegenden Marienkirche. Nach 18 Kilometern und 5 Stunden Wanderzeit beenden wir unsere Pilgerreise von Marienkirche zu Marienkirche. Doch schon jetzt ist die Absicht gereift, den Weg in naher Zukunft Richtung Herdecke fortzusetzen.

Information

So verläuft der Pilgerweg von Lünen nach Dortmund

  • Die leichte Wanderstrecke mit kaum Höhenunterschieden ist unter www.komoot.de/tour/365047916?ref=atd abrufbar.
  • Ein illustrierter Flyer über den Lüner Teil mit vielen nützlichen Hinweisen ist im Lüner Rathaus oder beim Herausgeber Stadtverband für Heimatpflege e.V. erhältlich.
  • Der gesamte Westfälische Jakobsweg ist in Bd. 6 der „Jakobswege“ ISBN 978-3-7616-2210-0 beschrieben.
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