Ausschuss: Stadt Lünen soll konkrete Maßnahmen für wohnungslose Frauen vorstellen

hzBürgerservice und Soziales

Konkrete Maßnahmen, um wohnungslosen Frauen zu helfen - das fordert die Politik von der Verwaltung. Die Situation hat sich verschlechtert, so dass Unterkünfte bereits Frauen abweisen mussten.

Lünen

, 28.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bezahlbare Wohnungen sind in Lünen rar gesät. Seit 2010 sind 1800 Wohnungen im preiswerten Segment verloren gegangen. Die Konsequenz daraus und auch aus der Flüchtlingswelle 2016: Die Zahl der Wohnungslosen steigt. Und das Bild vom älteren „Tippelbruder“, der auf der Straße lebt, stimmt längst nicht mehr.

Mit diesem Thema beschäftigte sich der Ausschuss für Bürgerservice und Soziales am Mittwoch (26.2.). In der vom Verein „Dach über dem Kopf“ betriebenen Übernachtungsstelle für wohnungslose Männer auf dem Ringe gab es 2013 noch 88 Gäste mit insgesamt 2072 Übernachtungen. Fünf Jahre später waren es schon 208 Gäste und 4472 Übernachtungen.

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Das erläuterte Thomas Kieszkowski von der Sozialplanung der Stadtverwaltung. Er hat eine Bedarfs- und Bestandsanalyse der Wohnungslosigkeit in Lünen erstellt. Konkrete Zahlen zu bekommen, sei sehr schwierig. Geschätzt nach Forschungsergebnissen gibt es in Lünen 273 Wohnungslose. Bei Städten bis 100.000 Einwohnern seien es 3,1 Wohnungslose auf 1000 Einwohner. „Aber es gibt immer eine große Dunkelziffer.“

Immer mehr jüngere Wohnungslose

In den fünf Jahren zwischen 2013 und 2018 waren die meisten Wohnungslosen in der Unterkunft zwischen 25 und 39 Jahren alt. 24,1 Prozent waren zwischen 18 und 24 Jahre, lediglich 3,2 Prozent über 65 Jahre.

Frauen werden in der Lüner Übernachtungsstelle nicht angenommen, sie müssen nach Unna ins Frauenhaus. Da auch dort die Nachfrage aber gestiegen, der Platz aber begrenzt ist, mussten Frauen abgewiesen werden. Sie wurden dann von der Stadt Lünen untergebracht. „Wir bringen wohnungslose Frauen in Obdachlosenunterkünften entweder auf dem Ringe oder auch in Gemeinschaftsunterkünften unter“, so die zuständige Abteilungsleiterin Beate Lötschert.

Es sind die Unterkünfte, in denen auch die Geflüchteten leben. Derzeit gibt es noch 380 Plätze, demnächst, wenn mehrere Unterkünfte geschlossen werden, sind es nur noch 140. Beate Lötschert weiß: „Das Hilfesystem ist verstopft, weil der Wohnungsmarkt im Nachhinein diese Frauen nicht aufnimmt.“

Keine schnellen und einfachen Antworten

Maßnahmen noch bis Ende des Jahres solle die Stadt vorlegen, so die erste Forderung aus dem Ausschuss. Dazu Fachdezernent Ludger Trepper: „Es gibt leider keine schnellen und einfachen Antworten, auch weil wir beim Thema Wohnungslosigkeit mit vielen Akteuren zusammen arbeiten.“ Sein Ziel sei es, konkrete Maßnahmen vor allem mit Schwerpunkt wohnungslose Frauen zu erarbeiten. Dazu müsse man ermitteln, welche Bedarfe die Stadt decken wolle und wer die Kosten dafür übernimmt. „Beruhigend ist, dass die Abteilung Wohnen in der Lage ist, betroffenen Frauen ein Obdach anzubieten.“ Fehlende Wohnungen seien alleine nicht die Lösung des Problems: „Bei jüngeren Menschen ist es schwierig, einen Zugang zu ihnen zu finden.

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Dass das Handlungsfeld Wohnungslosigkeit sich zuspitze und die Stadt aktiver werden müsse, sagte Eckhard Kneisel (Grüne). Darin waren sich alle Fraktionen einig. Herbert Hamann (GFL) brachte auch das Thema „Wohnungslose und ihre Tiere“ ins Gespräch: „Manche Obdachlose leben lieber unter einer Brücke, als sich von ihrem Tier zu trennen.“ In die Unterkünfte dürfen die Tiere nicht mitgebracht werden.

Für Barbara Utrata (SPD) stehen die wohnungslosen Frauen im Mittelpunkt. Sie sollten Priorität bei den geforderten Maßnahmen der Stadt haben. Das unterstrich auch Trepper: „Wir wollen innerhalb diesen Jahres konkrete Maßnahmen vorlegen und dann zusammen mit dem Ausschuss schauen, welche davon schnell umgesetzt werden können. Das Thema Frauen-Obdachlosigkeit hat Priorität.“ Der Ausschuss erteilte der Verwaltung einstimmig den Auftrag dafür, Maßnahmen zu erarbeiten.

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