Autohändler in Lünen und Umgebung fordern Klarheit über Abwrackprämie

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Die Corona-Krise hinterlässt deutliche Bremsspuren im deutschen Autohandel. Das spüren auch die Händler in der Region. Ein Problem ist auch die Ungewissheit über die Abwrackprämie.

Lünen

, 25.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Neuwagengeschäft der Autohäuser in der Region liegt wegen Corona und der Ungewissheit über eine Abwrackprämie so gut wie brach: „Die Nachfrage im Privatbereich liegt vorsichtig ausgedrückt ein wenig über der Nulllinie.“

Das sagte Christoph Haumann, Geschäftsführer des Autohauses Trompeter (Volkswagen in Brambauer) und Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund/Lünen, am Freitag (22. Mai) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Christoph Haumann ist Geschäftsführer des Autohauses Trompeter (Volkswagen) und Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund und Lünen

Christoph Haumann ist Geschäftsführer des Autohauses Trompeter (Volkswagen) und Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund und Lünen © KFZ-Innung (A)

Branchenexperte Christoph Haumann wollte zudem nicht ausschließen, dass die Werkstattpreise in Zukunft anziehen. „Am Ende des Jahres werden wir klar sehen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Automobilindustrie hat.“ Das schließe das Preisgefüge der Werkstätten natürlich mit ein, sagte Haumann: „Es ist gut möglich, dass der Werkstattbesuch teurer wird.“

Dass die Verbraucher momentan so gut wie keine neuen Autos kaufen, hängt nach Angaben des KFZ-Obermeisters nicht zuletzt damit zusammen, dass unklar ist, ob die von der deutschen Autoindustrie geforderte Abwrackprämie kommt oder nicht.

Vielfach, sagte Haumann, sei von den Kunden zu hören: „Wir würden ja gerne zuschlagen, aber wir warten noch, was da von der Politik kommt.“ Tatsächlich hatte die Bundesregierung nach dem „Autogipfel“ am 5. Mai in Berlin angekündigt, bis Anfang Juni 2020 über eine neue Abwrackprämie zu entscheiden.

Seitdem herrscht zumindest offiziell Ruhe an dieser Front. Was vermutlich auch daran liegt, dass die Prämie in Politik-Kreisen nicht gerade unumstritten ist.

Eine Umfrage von Marktforscher Infratest dimap für den „ARD-DeutschlandTrend“ Anfang Mai zeigte zudem:

  • 63 Prozent der Bundesbürger lehnen eine mögliche Abwrackprämie für Neufahrzeuge ab.
  • 22 Prozent der 1003 Befragten befürworteten einen staatlichen Kaufanreiz für klimafreundliche Autos.
  • Lediglich zwölf Prozent stimmten für eine Kaufprämie für alle Neufahrzeuge.
  • Die Umfrage zeigte auch, dass Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien mehrheitlich „Nein“ zu einer Abwrackprämie sagen.

„Unsere Kunden sprechen uns natürlich auf die Prämie an. Was aber nicht heißt, dass sie die Prämie uneingeschränkt befürworten. Diese staatliche Förderung wird sehr kontrovers diskutiert“, sagte Haumann.

Oft sei zu hören, dass die Autokonzerne in der Vergangenheit so gut verdient hätten und deshalb ohne staatliche Hilfen, in welcher Form auch immer, über die Runden kommen müssten.

Neuwagen-Bestand in Milliardenhöhe

Das sieht der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) naturgemäß anders: Wie der Verband Mittwoch (20. Mai) mitteilte, sitzt der „Autohandel in Deutschland allein auf nicht zugelassenen Neufahrzeug-Beständen im Wert von rund 14,8 Milliarden Euro“.

Vor diesem Hintergrund habe die Fachgruppe Fabrikatshandel im ZDK als Zusammenschluss der Fabrikatshändler-Vereinigungen erneut auf die existenziell bedrohliche Lage im Autohandel hingewiesen.

Thomas Peckruhn ist Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK)

Thomas Peckruhn ist Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) © dpa (A)

„Wir brauchen eine schnelle Entscheidung der Politik für eine Kaufprämie, die auf jeden Fall Neufahrzeuge und junge Gebrauchte mit umweltfreundlichen Verbrennungsmotoren der aktuellsten Schadstoffnormen einbeziehen muss“, sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn laut Pressemitteilung. Die momentane Hängepartie verschlechtere zusehends die Lage im Handel. Und auch die Verbraucher wollen jetzt Klarheit.

Als Sprecher des Fabrikatshandels betonte Peckruhn die hohe Bedeutung des Automobilhandels für die gesamte Prozesskette der Automobilwirtschaft mit ihren rund 1,3 Millionen Arbeitnehmern: „Wenn die Fahrzeuge beim Handel nicht abfließen, kann auch die Fertigung der Neufahrzeuge nicht wieder richtig in Gang kommen.“

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