Bei Bränden: Spezialkräfte der Lüner Feuerwehr messen Schadstoffe in der Luft

hzABC-Einsatzgruppe

Dicke schwarze Rauchwolken sind schon von weitem zu sehen. Großeinsatz für die Feuerwehr - und auch deren ABC-Einsatzgruppe. Sie stellt fest, ob gefährliche Schadstoffe in der Luft sind.

Lünen

, 18.08.2019, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Messtechnik für atomare und chemische Gefahren steckt in dem Spezialfahrzeug der Lüner Feuerwehr. „Weitere Unterstützung erhalten die Feuerwehren über die Analytische Task Force, die es mittlerweile sieben Mal in Deutschland mit speziellerer und sensiblerer Messtechnik gibt, unter anderem in Dortmund. In Essen ist zudem eine biologische Task Force mit entsprechender Technik eingerichtet worden,“ so Christopher Rehnert, Teamleiter Technik der Lüner Feuerwehr.

Bei Bränden: Spezialkräfte der Lüner Feuerwehr messen Schadstoffe in der Luft

Erläuterten die Arbeit der Luftmessung: Christopher Rehnert (v.l.), Teamleiter Technik, Stephan Dörnbrack, stellvertretender Leiter der Lüner Feuerwehr, und Tim Berger, stellvertretender Leiter der ABC-Einheit. © Beate Rottgardt

Wenn Tim Berger, stellvertretender Leiter der ABC-Gruppe, und einige seiner 27 Kollegen alarmiert werden, kann es auch sein, dass kurze Zeit später die Polizei per Lautsprecher dazu aufruft, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Wenn die ABC-Gruppe mit ihren Messgeräten festgestellt hat, dass in der Luft zu viele schädliche Stoffe sind.

Bei einem Großbrand sind in der Regel zwei Messwagen unterwegs - der Lüner und einer aus Schwerte. „Für Fälle wie dem Großbrand beim GWA-Recyclinghof in Bönen gibt es auch ein Landeskonzept“, so Rehnert. In diesem Fall waren auch Mitarbeiter des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) für Luftmessungen vor Ort. Mit einem „riesengroßen Messwagen“, der dann sogar ermöglichte, Vorhersagen zu treffen, wohin die dunklen Rauchwolken ziehen würden.

28 Feuerwehrleute gehören zur ABC-Einsatzgruppe

Rehnert: „Für die allermeisten Einsatzlagen sind wir hier in Lünen selbst gut vorbereitet. Für alles andere gibt es landesweite Konzepte, die aber bisher hier noch nicht zum Einsatz kommen mussten.“

Die 28 Feuerwehrleute in der ABC-Einsatzgruppe gehören alle der Freiwilligen Feuerwehr an und werden grundsätzlich mit über die digitalen Melder alarmiert, wenn es ein größerer Brand ist. „Meistens kommen etwa 15 von uns zum Einsatz, das kommt auf die Tagesverfügbarkeit an, weil alle ja noch berufstätig sind“, sagt Berger.

Warn-Apps aufs Handy laden

ABC-Einsatzgruppe gibt es seit Tschernobyl

  • Die ABC-Einsatzgruppe wurde nach der atomaren Katastrophe von Tschernobyl 1986 gegründet.
  • Das erste Messfahrzeug wurde 2008 durch das derzeitige ersetzt. Wahrscheinlich wird die Lüner Feuerwehr in einiger Zeit ein neues erhalten.
  • Alle Feuerwehrleute haben im Bereich ABC eine Grundausbildung. Die 28 Mitglieder der ABC-Einsatzgruppe haben zusätzlich eine entsprechende Ausbildung und weitere Fortbildungen absolviert.
  • Stadtsprecher Benedikt Spangardt rät, sich entsprechende kostenlose Warn-Apps aufs Handy zu laden, um immer direkt informiert zu werden, wenn Gefahr besteht. Auch übers Radio informiert die Feuerwehr, wenn man Türen und Fenster schließen soll.

Vor Ort wird die Lage dann mit dem jeweiligen Einsatzleiter besprochen. Dabei kommt es auch immer darauf an, was brennt und welche Materialien in dem brennenden Objekt gelagert sind.

Bei Bränden: Spezialkräfte der Lüner Feuerwehr messen Schadstoffe in der Luft

Stephan Dörnbrack, stellvertretender Leiter der Lüner Feuerwehr, mit einem Teil der Gerätschaften, die für die Luftmessung benutzt werden. © Beate Rottgardt

Berger: „Meistens sind wir dann mit zwei Fahrzeugen unterwegs und messen, ob Schadstoffe in der Luft sind.“ Allzu häufig kommt das aber gar nicht vor, dann kümmern sich die Mitglieder der Gruppe auch um andere Aufgaben vor Ort.

Aber beispielsweise, als vor zehn Jahren im Herbst ein Autohaus in Brambauer brannte und dicker schwarzer Rauch aufstieg, waren Messungen nötig.

„Die kalten Luftschichten legten sich wie ein Deckel auf den Rauch, der dann über die Wohngebiete zog“, so Stephan Dörnbrack, stellvertretender Leiter der Lüner Feuerwehr.

Bei Bränden: Spezialkräfte der Lüner Feuerwehr messen Schadstoffe in der Luft

Der Multigaswarner, der fünf verschiedene Gase in der Luft messen kann. © Beate Rottgardt

Da musste mit Hilfe von entsprechenden Messgeräten geprüft werden, ob Kohlenmonoxid, Blausäure oder Salzsäuredämpfe in der Luft lagen.

Werden diese oder andere gefährliche Stoffe festgestellt, werden die Menschen in den betroffenen Gebieten aufgefordert, Türen und Fenster zu schließen und auch Lüftung und Klimaanlagen auszuschalten, die die belastete Luft sonst in die Wohnungen transportieren würden. Hierbei handelt es sich um eine wichtige Erstmaßnahme der Feuerwehr.

Bei Bränden: Spezialkräfte der Lüner Feuerwehr messen Schadstoffe in der Luft

Dieses Gerät ist immer bei jedem Feuerwehreinsatz mit dabei. Es handelt sich um ein Warngerät für Kohlenmonoxid. © Beate Rottgardt

Bei jedem Einsatz sind kleinere Messgeräte mit dabei, mit denen die Belastung mit Kohlenmonoxid festgestellt wird. Das Gerät schlägt schon bei relativ kleiner Belastung aus, um die Feuerwehrleute vorzuwarnen. „Wir haben dann aber noch genügend Zeit, um Personen, die noch in der Wohnung sind zu retten“, so Rehnert.

Solche Situationen entstehen beispielsweise, wenn eine Heizung defekt ist oder in einem Kamin Vögel Nester gebaut haben und so die Abluft nicht entweichen kann.

„Zu keiner Zeit bestand Gefahr für die Bevölkerung“

Messungen sind auch wichtig, damit die Einsatzkräfte schnell entsprechend mit Atemschutzgeräten geschützt werden, wenn gefährliche Stoffe in der Luft sind. Dann ist auch die Konzentration der Stoffe entscheidend für die Maßnahmen.

Und wann „bestand zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung“, wie es oft in Meldungen heißt? „Wenn mit den der Feuerwehr zur Verfügung stehenden Mittel keine Gefahren festgestellt wurden“, erklärt der Teamleiter Technik.

Wenn eine Rauchwolke weithin sichtbar ist und es möglicherweise auch in anderen Stadtteilen noch nach Rauch riecht, werden Menschen oft misstrauisch und fragen sich, warum die Feuerwehr nicht vor Schadstoffen in der Luft warnt.

„Zu 95 Prozent sind das nur Stoffe, die in dieser Konzentration nicht gesundheitsgefährdend sind“, sagt Rehnert. So war es auch vor kurzem, als es bei Aurubis brannte. „Auch da hat man den Rauch gerochen, aber es war alles unterhalb der gesundheitsschädlichen Gefahrenschwelle.“

Bei Bränden: Spezialkräfte der Lüner Feuerwehr messen Schadstoffe in der Luft

Auch ein Kompass gehört zur Ausrüstung des Luftmess-Fahrzeugs. Hier geht es um die Richtung, in die eine Rauchwolke weht. © Beate Rottgardt

Wenn Wohnungen als nicht bewohnbar bezeichnet werden, liegt das an Gefahrenstoffen, die sich durch den Rauch ausgebreitet haben und nun noch in den Wänden stecken. Blausäure, Salzsäure und Kohlenmonoxid einzuatmen wäre viel zu gefährlich.

Das Problem gab es auch nach dem Brand im Lükaz, weil sich da Rauch und Russ im ganzen Haus ausgebreitet hatten. Natürlich müssen auch die Einsatzkräfte selbst bei Bränden davor geschützt werden, gesundheitsschädliche Stoffe einzuatmen. Manchmal aber sieht die Feuerwehr auch schon an der Farbe des Rauches, welche Stoffe vermutlich gerade in Flammen aufgehen.

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