Bei Kopfnoten rauchen die Köpfe

LÜNEN Mathe sehr gut, Konfliktverhalten unbefriedigend. Solche oder ähnlich Kombinationen könnten durchaus auf dem nächsten Zeugnis auftauchen. Erstmals wird es jetzt wieder so genannte Kopfnoten in den Zeugnissen geben.

von Von Dieter Hirsch

, 08.01.2008, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei Kopfnoten rauchen die Köpfe

Kopfnoten. Ob es da wohl für den einen oder anderen eine Überraschung gibt?

Die älteren Mitbürger werden sich noch an Noten in „Betragen“, „Häuslicher Fleiß“ und „Beteiligung am Unterricht“ erinnern. „Gegen Kopfnoten an sich kann man ja nichts haben, weil die Schüler in breiterer Form wahrgenommen werden“, erklärte Dr. Jürgen Czischke, Leiter des Freiherr-vom Stein-Gymnasiums auf Anfrage. Heißt: Künftig werden das Sozialverhalten wie Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit ebenso benotet wie unter dem Stichwort Arbeitsverhalten die Leistungsbereitschaft und die Zuverlässigkeit. Damit teilt Czischke die Meinung anderer Schulleiter, die im Rahmen einer kleinen Umfrage der Ruhr Nachrichten zum Thema Kopfnoten Auskunft gaben.

Sechs zu benotende Kategorien

Czischke sieht aber Probleme in der mangelnden Trennschärfe sowohl innerhalb der sechs zu benotenden Kategorien wie auch bei der Einstufung in die vier Noten. „Die Noten müssen aber nachprüfbar und justiziabel sein.“ Bei der Entscheidung für eine Note blieben den Lehrern rechnerisch nur wenige Minuten Zeit pro Schüler. Kritisch könnte es für diejenigen werden, die sich z.B. für eine Lehrstelle bewerben wollen, in den Kopfnoten aber zum Beispiel in Sachen Zuverlässigkeit ein „unbefriedigend“ mit sich rumschleppen. „Das hat doch Auswirkungen auf die Lehrstellensuche“, so Czischke.

Wie hoch sind Kopfnoten zu bewerten?

Ein Kritikpunkt, den auch der Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Heinrich Behrens, anführt: Wie hoch seien die Kopfnoten zu bewerten und wäre, wenn die Betriebe ihre Entscheidungen für oder gegen eine künftigen Lehrling zu sehr auf diese Kopfnoten setzten? „Außerdem sind wir alle auf das Sechs-Noten-System geeicht,“ so Behrens. Deshalb habe die Geschwister-Scholl-Gesamtschule an das Schulministerium geschrieben und den Vorschlag gemacht, auch die Kopfnoten in der bekannten Sechser-Skala wieder zugeben. Behrens: „Mit den Kopfnoten wird auch Druck ausgeübt, der zu Verhaltensänderungen ührt.“

Freie Beschreibungen

„Wir begrüßen die Kopfnoten“, erklärte Heinz Büscher, Leiter der Leo-Grundschule. In den ersten beiden Klassen gibt es nach wie vor frei formulierte Beschreibungen, in der Klasse drei werden nur das Arbeits- und Sozialverhalten ohne weitere Differenzierung benotet. Erst in Klasse vier werde in die insgesamt sechs Kategorien unterteilt. Hildegard Joskowski, Leiterin der Nikolaus-Groß-Grundschule, erklärt: „Ich sehe schon einen Sinn in den Kopfnoten.“ Sie betont aber, dass eigentlich das ganze Jahr gut laufen solle und man deshalb das ganz Jahr mit den Jugendlichen im Gespräch bleiben solle. Einigen Schülern bescheren die Kopfnoten einen zusätzlichen freien Tag. „Die Zeugniskonferenzen dürfen jetzt über einen ganzen Tag laufen“, Dr. Czischke.

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