Markus Andree (Mitte) hat das Projekt CO2-Ampeln am Lippe Berufskolleg ins Leben gerufen. Die Schülerinnen Thabea Maletzki (l.) und Svenja Nickel (r.) freuen sich auf die anstehende Bauphase © Püntmann
Corona und Schule

Berufskolleg in Lünen bekommt Luftfilter und baut CO2-Ampeln selbst

Mit selbst gebauten CO2-Ampeln und neuen Luftfiltern rüstet das Lippe Berufskolleg gegen Corona auf. Fördergelder, ein Sponsor und die zündende Idee eines Lehrers machen es möglich.

Manchmal braucht es eine Idee, ein bisschen Mut und Durchsetzungsvermögen, um ein neues Projekt auf den Weg zu bringen. Genau das ist Markus Andree, Lehrer am Lippe Berufskolleg Lünen, gelungen. Er hat ein Projekt für den Bau von CO2-Ampeln an der Schule ins Leben gerufen und baut sie gemeinsam mit Schülern und weiteren Lehrkräften selbst. „Das Ziel ist es, jeden Klassenraum mit diesen Ampeln auszustatten.“

„In einer CO2-Ampel ist ein Industriesensor enthalten, der CO2-Moleküle aus der Luft sehr genau misst. Dadurch wissen wir Lehrer und auch Schüler wie der CO2-Gehalt im Klassenraum ist und wann es Zeit wird, das Fenster zu öffnen“, erklärt Andree. Er hat mit den Schülern am eigenen Leib erfahren, wie es ist, bei niedrigen Temperaturen permanent das Fenster geöffnet zu haben. „Wir haben total gefroren. So hat der Unterricht einfach keinen Spaß mehr gemacht.“

Zunächst las er in Zeitschriften, dass einige Schulen bereits CO2-Ampeln bauen. Ein Angebot von Enthusiasten, die CO2-Ampeln für Schulen bauen und verkaufen war für Andree aber zu teuer. „Ich habe mir dann gedacht, was die alle können, das können wir doch auch.“ Er selbst besitzt einen 3D-Drucker und probierte sich aus. Mit Erfolg.

Um das Ziel, jeden Klassenraum mit einer CO2-Ampel auszustatten, zu erreichen, kalkuliert das Lippe Berufskolleg in Lünen 4500 Euro. Der Start ist mit 1000 Euro bereits getan. Sponsor ist die Volksbank Selm. „Davon werden wir 20 Ampeln bauen können und somit schon ein Viertel der Räume bestücken können“, weiß Andree. Der Bauprozess beansprucht pro CO2-Ampel circa dreieinhalb Stunden.

CO2-Ampel aus Maisplastik

Die CO2-Ampel ist außerdem nachhaltig, weil sie mit einem PLA-Kunststoff aus Maisstärke produziert wird. „Was mich daran begeistert ist der Einstieg in eine neue Technologie, wovon auch die Schüler profitieren werden“, so Andree. Das Lippe Berufskolleg hätte auch über die Pandemie hinaus einen Mehrwert von den CO2-Ampeln. „Wenn Schüler oder auch Lehrer während der Unterrichtsstunde müde werden, liegt das oft an der schlechten Luft im Klassenraum.“

Zusätzlich sollen spezielle Luftreinigungsfilter der Schule helfen. Denn in einigen Räumen können nicht alle 20 Minuten die Fenster geöffnet werden. „Es geht wichtige Unterrichtszeit verloren, da die Schüler dem Unterricht wegen des großen Lärms auf der Konrad-Adenauer-Straße nicht mehr richtig folgen können“, erklärt Schulleiterin Rita Vonnahme.

LBK-Schulleiterin Rita Vonnahme (l.) und Hausmeister Waldemar Strehl zeigen auf den 2,30m hohen und knapp 200kg schweren Luftreinigungsfilter. Das Lippe Berufskolleg ist mit insgesamt neun Filtern ausgestattet worden.
LBK-Schulleiterin Rita Vonnahme (l.) und Hausmeister Waldemar Strehl zeigen auf den 2,30m hohen und knapp 200kg schweren Luftreinigungsfilter. Das Lippe Berufskolleg ist mit insgesamt neun Filtern ausgestattet worden. © Püntmann © Püntmann

Für viele Schulen sind die Filter wegen der hohen Kosten aber keine Option. Jedes Gerät kostet 3550 Euro. „Wir haben bei unserem Schulträger Kreis Unna unseren dringenden Bedarf an Luftreinigungsfilter angemeldet und dann ging alles ganz schnell“, so Vonnahme weiter. Alle Berufskollegs und Förderschulen des Kreises Unna konnten dem Träger ihren Bedarf melden.

Neun Geräte bereits geliefert

Neun Luftreinigungsfilter lieferte der Kreis, die aus dem Fördertopf der Landesregierung vom Ministerium für Schulen finanziert wurden. Damit sind nun alle Klassenräume mit Fenstern zur Hauptstraße ausgestattet

Den Prozess begleitet hat Hausmeister Waldemar Strehl, der bei der Montage und Installation aller Geräte dabei war. „Sie reduzieren das Infektionsrisiko in den Klassenräumen extrem. Es gibt einen sehr feinen Filter, der dafür sorgt, dass die Luft von Viren befreit wird“, erklärt Strehl. „Insgesamt sorgt es für einen sechsfachen Luftaustausch pro Stunde.“

Die Sicherheit sei damit in diesen Räumen garantiert. Unterricht und wichtige Klassenarbeiten können in voller Klassenbesetzung stattfinden.

Dennoch weiß auch Rita Vonnahme, dass die Luftreinigungsfilter mit Folgekosten in Verbindung stehen. Denn Wartungsarbeiten müssen an diesen Geräten regelmäßig durchgeführt werden. Die Kosten in Höhe von knapp 500 Euro pro Wartung müssen die Schulen selbst tragen.

Über die Autorin
Sportredaktion Lünen
Lesen Sie jetzt