Berufswunsch Kapitänin eines Kreuzfahrtschiffs - Lünerin will die Weltmeere erobern

hzUngewöhnlicher Beruf

Die Weltmeere sind seit vier Jahren ihre Heimat - Saskia Bliecke aus Lünen hat sich für einen Beruf entschieden, der sie rund um die Welt bringen wird: Kapitänin eines Kreuzfahrtsschiffs.

Lünen

, 08.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Leinen los“ heißt es für Saskia Bliecke: Die 22-jährige Lünerin hält ihr Kapitänspatent in Händen. Nach vierjährigem Studium in Elsfleth unweit von Bremen hat sie ihren Bachelor-Abschluss geschafft. Wobei die vier Jahre nicht nur an der Hochschule stattfanden. Immer wieder gab es auch Praxissemester auf hoher See.

Alles begann in der 10. Klasse am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. „Da bekamen wir Berufsinformationen und ich hab‘ zum ersten Mal gehört, dass es den Beruf des nautischen Wachoffiziers gibt“, erinnert sich Saskia Bliecke.

Sie informierte sich genauer und entschied sich, nach dem Abitur das nautische Studium zu beginnen. Erste Erfahrungen auf hoher See sammelte sie auf einem Segelschulschiff. Das ging nicht ohne Seekrankheit ab: „Es war im Winter auf der Nordsee, das war nicht so ohne.“

Die neuen Studenten sind dann immer Matrosen, die höheren Semester führen das Schiff. Saskia hat beide Rollen erlebt - am Anfang und am Ende ihres Studiums.

Berufswunsch Kapitänin eines Kreuzfahrtschiffs - Lünerin will die Weltmeere erobern

Saskia Bliecke mit ihren Kollegen vom Schiff im Hafen. © Bliecke

Mittlerweile hat sich ihr Gleichgewichtssinn ans Schwanken an Bord gewöhnt. Das erste Praxissemester führte die junge Lünerin auf ein Handelsschiff mit philippinischer Deckbesatzung und einem Brückenteam aus Russland und der Ukraine. Wie auf Containerschiffen immer noch üblich, war sie die einzige Frau an Bord.

Was auch ein Grund dafür ist, dass sie sich inzwischen für den Dienst auf Kreuzfahrtschiffen entschieden hat: „Da sind mehr Frauen an Bord und die Bordsprache Englisch wird bei der internationalen Besatzung auch eher eingehalten.“

FOTOSTRECKE
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Saskia Bliecke ist als Offizierin auf hoher See unterwegs.

Das Kapitänspatent hat die junge Lünerin Saskia Bliecke schon in der Hand. Nun geht es wieder an Bord. Was die 22-Jährige bereits bei ihren zwei Praxissemestern auf dem Meer und an Land erlebt hat, zeigt die Fotoauswahl.
07.02.2020
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Saskia Bliecke (r.) mit einer ihrer besten Schulfreundinnen im nowegischen Bergen vor der Aidabella.© Bliecke
Mit einem Kollegen von Bord auf Sri Lanka bei einer Elefantenherde.© Bliecke
Auf dem Burj Kalif in Dubai. Hier ist ein Fenster wie Schmetterlingsflügel gestaltet, vor dem man sich fotografieren lassen kann.© Bliecke
Am berühmten Geirangerfjord in Norwegen war Saskia Bliecke mit der Aidabella mehrmals zu Gast.© Bliecke
In Laem Chabang probierte Saskia Bliecke eine thailändische Spezialität - Mehlwürmer.© Bliecke
Mit einem Kollegen vom Schiff im Hafen© Bliecke
Mit Kollegen vom Schiff beim Essen.© Bliecke
Saskia Bliecke (r.) mit einer Kollegin vom Schiff an Bord.© Bliecke
Im Hafen.© Bliecke
Saskia Bliecke an Bord während eines der Praxissemester.© Bliecke
An ihrem Geburtstag bekam Saskia Bliecke eine Geburtstagstorte von den Kollegen aus der Küche.© Bliecke
Mit Kollegen vom Decksteam an Bord.© Bliecke
Saskia Bliecke mit Kollegen von der Deckscrew an Bord.© Bliecke
Mit einem Kollegen spielte Saskia Bliecke Schach an Bord.© Bliecke
Auf dem Handelsschiff gab es auch handwerkliche Aufgaben für die junge Lünerin.© Bliecke
Mit Kollegen von der Decksbesatzung im Einsatz,© Bliecke
An Bord des Handelsschiffs gab es drei Mal täglich Reis - denn die Besatzung stammte von den Philippinen so wie auch der Koch.© Bliecke
Mit einem Kollegen an Bord in einem Hafen.© Bliecke
Auf dem sogenannten Mooringdeck, das beim An- und Ablegen eine wichtige Rolle spielt.© Bliecke
Nicht nur in schicker Uniform auf der Brücke, auch im Arbeitsoverall auf anderen Decks ist der Arbeitsplatz einer nautischen Offizierin.© Bliecke
Dieses Wetterphänomen fotografierte Saskia Bliecke bei einer ihrer Reisen.© Bliecke
Bei der Arbeit auf dem Handelsschiff während des ersten Praxissemesters.© Bliecke
Das Foto entstand bei Saskia Blieckes Landgang in Singapur.© Bliecke
Ein Foto aus der maltesischen Hauptstadt Valetta.© Bliecke

Trotzdem waren die Erfahrungen auf dem Handelsschiff spannend. „Wir hatten die Route von Spanien nach Nord- und Westafrika.“ Häfen in Algerien, Marokko, Gambia, Senegal, Guinea Bissau und Sierra Leone lief das Schiff an. „An Land bin ich aber nur in Gambia gekommen. Wir hatten sehr schnelle Umschlagzeiten mit den Containern.“ Saskia war dem Deckdienst zugeordnet und unterstützte die Crew beim An- und Ablegen.

Bewusst hatte sie sich nach dem Abitur fürs Studium in Elsfleth entschieden: „Dort hat man erst ein Semester Theorie und geht dann in die Praxis. An anderen Hochschulen ist es umgekehrt, aber ich wollte erst schon einiges wissen und nicht ohne Kenntnisse aufs Schiff.“

Berufswunsch Kapitänin eines Kreuzfahrtschiffs - Lünerin will die Weltmeere erobern

Saskia Bliecke hat derzeit Heimaturlaub, bereitet sich aber schon auf ihre nächsten Kurse in den Niederlanden vor. © Beate Rottgardt

Zum nautischen Studium gehören die unterschiedlichsten Themen, auch Meteorologie oder Gesundheitswesen und ebenso viele rechtliche Belange.

Das zweite Praxissemester absolvierte die 22-Jährige dann auf der Aida Bella, einem Kreuzfahrtschiff. „Vor meinem Studium hab ich nie eine Kreuzfahrt gemacht.“ In Kiel ging sie an Bord, dann folgten abwechselnd zunächst Reisen zu den norwegischen Fjorden und dann in die Hauptstädte der Ostsee. „Unser neuer Staffkapitän schickte mich eine Woche lang jeden Tag in ein anderes Department - vom Housekeeping übers Lager bis zur Rezeption hab ich so alles kennengelernt.“

Freundin aus Lünen in Norwegen getroffen

Danach erlebte sie zwei Wochen lang ausführlich den Sicherheitsbereich, bis sie auf die Brücke kam. „Ich war bei meinen Wachen immer beim Anlegen dabei.“ Und Gelegenheit für Landgänge gab es auch. „Eine meiner besten Freundinnen aus der Schulzeit war gerade im norwegischen Bergen, weil sie ein Erasmus-Jahr absolviert. Mit ihr hab ich mich zwei Mal getroffen, einmal zum Kaffee und einmal zum Wandern.“

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Saskia Bliecke (r.) mit einer ihrer besten Freundinnen aus der Schulzeit im norwegischen Bergen vor der Aidabella. © Bliecke

Aber auch in der estländischen Hauptstadt Tallinn, in St. Petersburg und im polnischen Gdynia kam sie an Land. „Weil ich kein Russisch spreche, bin ich in Petersburg mit einem Mitglied vom Show-Ensemble losgezogen, der Russisch spricht. Alleine wäre ich in der Metro dort gescheitert.“

Weil sie ein halbes Jahr an Bord war, machte die junge Lünerin auch die Transfer-Reise nach Asien mit. Denn im Winter sollte die Bella durch asiatische Gewässer kreuzen. Los ging es in Kopenhagen - wo sie mit Offizieren einen Bungee-Sprung von einem Kran wagte. Auf der Route standen außerdem Göteborg, Rotterdam, Dover, Le Havre und spanische Häfen, bevor das Schiff dann weiter nach Muscat, Abu Dhabi, Dubai und Salala fuhr.

„Dubai hat mich sehr beeindruckt. Ich war auch auf dem 828 Meter hohen Burj Khalifa, wenn auch nicht im obersten Stockwerk.“ Landschaftlich nicht so reizvoll, aber navigatorisch sehr interessant war für sie die Passage durch den Suezkanal: „Da gab es viel Action auf der Brücke mit vielen Manövern.“

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Mit einem Kollegen von Bord war Saskia Bliecke auf Sri Lanka bei einer Elefantenherde. © Bliecke

Kurz vor Ende ihres Praxissemesters schlüpfte sie auch noch in die Rolle eines Reiseleiters: „Ich durfte als Hilfsscout einen Ausflug mit einem Katamaran durch die Inselwelt Langkawis in Malaysia begleiten.“ Aber auch die Begegnung mit einer Elefantenherde bei einem Landgang auf Sri Lanka wird sie wohl nicht vergessen.

Seminar in Niederlanden

Derzeit ist sie noch kurz auf Heimaturlaub in Lünen. Am 16.2. geht es in die Niederlande, zu einer zweiwöchigen Weiterbildung. Denn Saskia hat einen Vertrag mit Aida, wird als 3. Offizierin ein Brückenteam verstärken. Vielleicht auf der Aida Nova, die als erstes Kreuzfahrtschiff mit LNG (Gasantrieb) betankt wird. „Ich hab so einen Kurs für Tanker während meines Studiums absolviert, vielleicht komme ich deshalb auf die Nova.“

Denn für ihr Kapitänspatent braucht sie entsprechende Seefahrtzeit, um später dann selbst als Kapitänin das Kommando zu übernehmen. Ihre Eltern sind beruhigt, dass sie sich für Kreuzfahrtschiffe entschieden hat. Und werden vielleicht demnächst öfter mal ihre Tochter zusammen mit Saskias Zwillingsschwester Vanessa an Bord besuchen.

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