Nachdem er seinen Frust über den Jobverlust in Alkohol ertränkt hatte, wollte ein 52-Jähriger das Restaurant in Lünen nicht mehr verlassen. Das führte zu Streit. © picture-alliance/ dpa
Gerichtsprozess

Betrunkener legte sich nach Streit in Lüner Restaurant mit Polizei an

Erst ertränkte ein 52-Jähriger seine Sorgen in Alkohol. Schließlich wollte er auch auf Ansage der Polizei das Restaurant in Lünen nicht verlassen. Das letzte Wort hatte jetzt der Richter.

Nach einem tiefen Blick ins Glas fiel ein 52-Jähriger zunächst offenbar unangenehm in einem Lüner Restaurant auf und legte sich im Anschluss mit der Polizei an. Peinlich berührt erschien er nun zu seinem Prozess vor dem Amtsgericht.

Nie ließ sich der Mann etwas zu Schulden kommen, nie geriet er mit dem Gesetz in Konflikt – bis zum Abend des 4. März des vergangenen Jahres. Nach dem Verlust seines Jobs suchte er Trost im Alkohol – und zwar reichlich.

In dem Zustand wurde er augenscheinlich zum ungebetenen Gast in dem Lüner Restaurant und wollte das, so zumindest die Anklage, trotz Aufforderung nicht verlassen. Die Polizei wurde hinzugerufen. Doch auch den Beamten gelang es nicht, den 52-Jährigen zum Gehen zu motivieren.

Polizei mit Smartphone gefilmt

Vielmehr, so der Vorwurf, filmte er sein Gegenüber mit dem Handy und wollte auch damit nicht aufhören. So wurde ihm das Smartphone schließlich abgenommen. Damit war der Lüner ganz und gar nicht einverstanden und versuchte deshalb, es dem Polizisten zu entreißen.

Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte saß er jetzt in Lünen auf der Anklagebank und versuchte, sich an das Geschehen an dem Märzabend zu erinnern. „Ich hatte Alkohol getrunken – mehr als gut für mich war.“ Jemand habe seinen Hund getreten und deshalb habe es Streit gegeben.

Als die Polizei eingetroffen sei, sei er davon ausgegangen, dass sie wegen des Tritts vor Ort seien. Dass er etwas falsch gemacht haben könnte, darauf sei er gar nicht gekommen. Und ja, es habe Diskussionen gegeben. Aber dem Beamten das Handy wieder entreißen – das könne er sich nicht vorstellen.

Aufrichtige Reue, mildes Urteil

Der Vertreter der Anklage konfrontierte den Angeklagten damit, dass auf der Aufnahme der Body-Cam des Beamten aber offenbar zu sehen sei, wie er mit zwei schnellen Schritten auf ihn zugehe und nach dem Handy greife. Der Ankläger hakte vorsichtig nach, ob es nicht vielleicht doch so gewesen sein könnte – und der 52-Jährige lenkte ein. „Das weiß ich nicht, weil ich sonst nicht so viel trinke. Das ist mir noch nie passiert“, räumte er ein und bekundete sein Bedauern.

Auch wisse er nicht, warum er die Polizisten überhaupt gefilmt habe. Bei denen leistete er dann auch, nach einer kleinen Ermunterung des Richters, ernsthaft Abbitte. „Es tut mir leid“, versicherte er und stieß auf Milde.

Und das in zweierlei Hinsicht. Denn mit Blick auf seine Reue und das leere Strafregister erhielt er eine Chance: Sein Verfahren wurde gegen Zahlung von 1200 Euro Geldbuße vorläufig eingestellt. „Zahlen Sie das und die Sache ist erledigt. Und dann hoffe ich, dass Ihnen das eine Lehre war und wir uns an dieser Stelle nicht wiedersehen“, so die mahnenden Worte des Richters.

Über die Autorin
Lesen Sie jetzt