Bolzenschneider gefunden, Schloss geknackt: Lüner steht vor Gericht

hzProzess am Amtsgericht

Den Bolzenschneider will der Mann nur gefunden haben, das Schloss habe er nur fast geknackt - für den Richter am Amtsgericht Lünen waren am Ende noch einige Fragen offen.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 16.09.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ganz pragmatisch wollte ein Lüner sein Fundstück, einen Bolzenschneider, offenbar nutzen, um ein Schloss zu knacken und ein Fahrrad zu klauen. Die Polizei kam ihm ins Gehege. Das Amtsgericht befasst sich nun mit der Frage, ob es ein versuchter oder vollendeter Diebstahl war.

Der Gegenstand in der grauen Mülltüte, den der 27-jährige Mann aus Lünen nach eigenen Angaben in der Nacht auf den 26. Mai im Bereich des Kinos fand, weckte sein Interesse. Es handelte sich um einen Bolzenschneider, den er tatsächlich gut gebrauchen konnte. An der Radstation am Bahnhof fand er dann das passende Fahrrad und ging mit seinem neuen Werkzeug an die Arbeit, als der Streifenwagen neben ihm hielt und seine gesamten Pläne mit einem Schlag zunichte gemacht wurden.

Ein Rennrad wollte er schon immer haben

Jetzt begann sein Prozess vor dem Amtsgericht und der ertappte Langfinger räumte ein: „Ich habe versucht, das Fahrrad zu stehlen. Ich war auch nicht ganz bei mir.“ Von einem Freund habe er Speed erhalten, habe deshalb tagelang nicht geschlafen. „Das war wie im Traum.“ Und das Rad habe sehr gut ausgesehen. Überhaupt: „Ich hatte mir immer ein Rennrad gewünscht – und das war ein Rennrad.“ Also habe er es haben wollen. Das Schloss sei relativ dick gewesen, aber er habe es fast geknackt gehabt.

„Da kam die Polizei und hat mich davon abgehalten.“ Erst habe er noch versucht, „seinen“ Bolzenschneider in der grauen Mülltüte zu verbergen. Doch das habe nicht geklappt. Keinesfalls aber habe er den Beamten gesagt, dass er sich mit dem Verkauf von Fahrrädern seinen Lebensunterhalt verdiene: Und: Dem Speed habe er nach dieser Erfahrung völlig entsagt.

Aussage gegen Aussage: Aufklärungsbedarf

Einer der Polizisten, der in der Mai-Nacht an dem Einsatz beteiligt war, erinnerte sich im Zeugenstand, dass der Angeklagte zunächst erklärt habe, er wolle sein Fahrrad holen. Sie hätten daraufhin genauer hingeguckt, hätten den Bolzenschneider und das beschädigte Schloss entdeckt. Danach hätten sie den Lüner belehrt und der habe von einer „scheiß Idee“ gesprochen, davon, dass er seine Drogen finanzieren müsse und dass er Hartz-IV-Empfänger sei. Außerdem versicherte der Beamte, dass das Schloss bereits komplett durchtrennt gewesen sei.

Da es in dem Punkt Aussage gegen Aussage stand und eine vollendete Tat natürlich härter bestraft wird, als eine, die im Versuchsstadium steckenbleibt, sah der Richter zusätzlichen Aufklärungsbedarf. Aus diesem Grund wird das Verfahren in der kommenden Woche fortgesetzt. Dazu werden die beiden Polizisten, die in der Nacht ebenfalls mit auf Streifenfahrt waren, geladen. Sie sollen in diesem Punkt Licht ins Dunkel bringen.

Lesen Sie jetzt