Brad Pitt zu Gast im „Greif“ oder das Corona-Leid der Wirte

hzCorona-Krise

Kontaktformulare müssen korrekt ausgefüllt werden - sonst droht eine Geldstrafe. Und man hat Menschen mit zweifelhafter Identität zu Gast.

Lünen, Wethmar

, 03.10.2020, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bob Michaels kann sich auf die Fahne schreiben, dass bei ihm im „Greif“ echte Hollywood-Promis einkehren. Zumindest steht das so auf Papier. Um genau zu sein: auf dem Kontaktformular, das man ausfüllen muss, wenn man im „Greif“ in Wethmar zu Gast sein möchte.

Seit das „Greif“ im Mai wiedereröffnen durfte, gilt für jeden, der sich an die Theke setzen oder etwas essen möchte: Kontaktdaten hinterlassen. Korrekte Angaben sind hierbei erforderlich, damit im Fall einer Corona-Infektion nachgewiesen werden kann, wer wen angesteckt hat. So werden Infektionsketten zurückverfolgt und erfolgreich durchbrochen.

Leute machen immer wieder Falschangaben

Dass dieses Prinzip nicht fehlerfrei funktioniert, hat sich die letzten Monate gezeigt. Immer wieder gibt es Leute, die Falschangaben machen. So wurde „Greif“-Besitzer Michaels dann Gastgeber von Brad Pitt und Angelina Jolie. Ein Paar hat so versucht, der Meldepflicht zu entgehen. „Es ist richtig unverantwortlich, dass falsche Angaben gemacht werden“, sagt Michaels. Die Angabe falscher Daten ist aufgrund des Infektionsrisikos nicht nur gefährlich für die entsprechenden Personen, sondern auch für andere Gäste.

Deshalb hat das Land Nordrhein-Westfalen Bußgelder eingeführt. Wer sich künftig einen Spaß mit seiner Identität erlaubt oder schlichtweg keine Angaben macht, der muss dafür tief in die Tasche greifen. Es droht ein Regelbußgeld von 250 Euro. Eine Neuerung, die die Wirte jetzt einmal mehr umsetzen müssen.

„Ich sehe das zweischneidig. Das Problem ist, dass wir jetzt noch mehr Diskussionen mit den Kunden haben“, sagt Michaels. Es sei verständlich, dass man seine persönlichen Daten ungern herausgebe, „aber andererseits füttert man Apps und Programme wie Google mit noch viel mehr Informationen“. Die meisten Gäste verhalten sich aber vorbildlich und nehmen die Verordnungen an.

„Viele denken nicht darüber nach, was für einen Sinn das gibt“

Denn immerhin: Lokale dürfen trotz Corona öffnen. Und das, weil die Kontaktformulare es möglich machen. Dafür müssen die aber korrekt ausgefüllt werden. Die Sicherheit muss stimmen. Vor allem in Zeiten, in denen Menschen noch wegen des Infektionsrisikos verängstigt sind. „Viele Leute denken nicht darüber nach, was für einen Sinn das gibt“, erklärt Michaels. Und sagt auch: „Wir sind die Leidtragenden, nicht der Gast. Der Gast muss nur sein Formular ausfüllen.“

Die Wirte sind noch immer in einer empfindlichen Situation. Es gibt keine Veranstaltungen, die Hygiene- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Zusätzliche Kosten fallen an für Desinfektionsmittel, Plexiglas als Trennwand sowie das Entwerfen und Drucken der Formulare. Kosten, die keiner für die Wirte übernimmt. Es herrscht eine gewisse Perspektivlosigkeit, in der man über jeden Gast dankbar ist, der zu Besuch kommt.

Und wie soll künftig verhindert werden, dass sich der nächste Promi einschleicht? „Es ist schwierig, das zu kontrollieren. Das Ordnungsamt kann ja nicht in jeder Kneipe jemanden abstellen“, sagt Michaels. Er werde seine Kontaktformulare aktualisieren und auf das Bußgeld hinweisen. Macht jemand trotz der Neuerung immer noch falsche Angaben, so wird er höflich darauf angesprochen. Verwarnungen kann und wird Michaels nicht aussprechen. Das ist Sache des Ordnungsamts.

Kritische Situationen hat es dabei aber noch nicht gegeben. Nur wenn jemand sich weigert, eine Maske zu tragen, verwehrt Michaels den Zutritt zum „Greif“. Das sei aber bisher nur zwei Mal vorgekommen. Ob er künftig noch mal einen prominenten Gast begrüßen darf, wird sich zeigen.

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