Brexit steht an: Lüner sagen zu Partnerschaft mit Salforder Freunden „jetzt erst recht“

hz31. Januar ist Stichtag

Am 31. Januar kommt er nun, der Brexit. Doch welche Auswirkungen das haben wird, steht noch nicht fest. Eins ist klar: Lüner wollen ihre persönliche Partnerschaft mit Salford fortsetzen.

Lünen

, 30.01.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man stelle sich vor, es ist Brexit und keiner merkt´s. So könnte man es sehen. Denn am Freitag (31.1.) ist das offizielle Datum für den Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union. Aber eigentlich starten erst danach die Verhandlungen über die Austritts-Folgen. Und welche es sein werden, ist längst nicht absehbar.

So stochern auch die Mitglieder des Lüner Vereins SaLü im sprichwörtlichen englischen Nebel, was die Reisen von und nach Salford betrifft.

„In diesem Jahr wird noch alles so sein wie immer, aber was 2021 dann kommt, wissen wir alle nicht“, sagt Ralf Horstmann vom Verein SaLü.

Brexit steht an: Lüner sagen zu Partnerschaft mit Salforder Freunden „jetzt erst recht“

Margit und Ralf Horstmann vom Verein SaLü - ihre Freunde aus Salford wollen vom Thema Brexit nichts mehr hören. © Beate Rottgardt

Möglicherweise müssen die Menschen aus Salford, die nach Lünen wollen, und die Lüner, die Salford erkunden möchten, ab 2021 den Reisepass vorzeigen oder gar ein Visum beantragen. Vielleicht reicht aber auch weiterhin der Personalausweis.

Klar ist aber schon eins: Auf der Insel können viele Menschen das Wort „Brexit“ nicht mehr hören. Das erfuhren Ralf Horstmann und seine Frau Margit im vergangenen Herbst aus erster Hand.

Salforder sind allmählich vom Thema Brexit genervt

„Wir haben mit einem befreundeten englischen Paar eine Reise gemacht, waren in Nürnberg und Rothenburg ob der Tauber. In den 14 Tagen haben wie vielleicht insgesamt eine halbe Stunde über den Brexit gesprochen,“ sagt Horstmann. Die Salforder Freunde sind nur noch genervt von dem Thema. „In England gibt es mittlerweile sogar einen Nachrichtensender, der mit ,Brexit free´ wirbt, also nichts mehr über den Brexit bringt.“

Partnerschaft auch auf kirchlicher Ebene

Auch auf kirchlicher Ebene gibt es seit vielen Jahren eine Partnerschaft zwischen den beiden Städten. Begründet vom damaligen evangelischen Kirchenkreis Lünen mit dem Pendant in Salford. Auf Lüner Seite kümmern sich Pfarrerin Andrea Ohm (Gemeinde Horstmar-Preußen) und Ursel Rudolph um die Partnerschaft.

„Wir haben beim letzten Besuch der Freunde in Salford im Oktober 2019 über den Brexit gesprochen. Es war eine große Trauer über diese Entscheidung zu spüren“, so Andrea Ohm.

Brexit steht an: Lüner sagen zu Partnerschaft mit Salforder Freunden „jetzt erst recht“

Chorleiterin Angela Rowley (M.) mit Pfarrerin Andrea Ohm (l.) und Ursel Rudolph (Partnerschaftskomitee Salford) bei einem Besuch des Chores in Lünen. © Beate Rottgardt (A)

Damals hofften die englischen Gastgeber noch, es werde ein zweites Referendum geben, das dann doch eine Mehrheit gegen den Austritt Großbritanniens aus der EU brächte. Doch das Wahlergebnis mit Mehrheit für den Brexit-Hardliner Boris Johnson machte diese Hoffnung zunichte.

Klar war aber: Die Freundschaft auf kirchlicher Ebene soll nicht an einem Brexit scheitern, im Gegenteil. „Wir haben gesagt, jetzt erst recht“, so Andrea Ohm. Man wolle weiter Brücken über Hindernisse hinweg schlagen. Auch über das Hindernis Brexit.

Salforder Chor sang die Europahymne

Und der „Eccles Community Choir“ setzte ein Zeichen bei seinem Konzert im Oktober in Salford. Ohm: „Das Konzert begann mit Beethovens ,Freude schöner Götterfunken`, der Europa-Hyme.“

Geplant ist in diesem Jahr der Besuch einer Delegation aus Salford in Lünen und 2021 kommt der „Eccles Community Choir“ wieder in die Lippestadt, der in der Stadtkirche bereits bei einem Konzert die Zuhörer begeistert hatte.

Die ersten Kontakte auf kirchlicher Ebene wurden schon nach der Begründung der Städtepartnerschaft in den 60er-Jahren geknüpft. Im Laufe der Zeit seien viele Freundschaften entstanden. Ohm: „Der Kontakt ist innig, wir sind sehr nah beieinander.“

Über nationalistisches Denken diskutiert

Auch deshalb seien viele Menschen in Salford über die Entwicklung traurig, wie auch Dr. Keith Archer, der sich auf Salforder Seite um die Partnerschaft kümmert. Beim Besuch 2019 diskutierte man gemeinsam das Thema „Nationalität und Identität“ - angesichts des wieder aufgeflammten „Empire-Gedankens“ auf der Insel, aber auch des stärker werdenden nationalistischen Denkens in vielen Ländern.

Nach Meinung von Ralf Horstmann, der sich seit langem für die Städtepartnerschaft zwischen Lünen und Salford (bei Manchester) einsetzt, wissen viele Briten auch immer noch nicht, was sie getan haben, als sie für den Brexit stimmten.

„Ich hab‘ von einem walisischen Bauern gehört, der nun plötzlich merkt, dass 80 Prozent der Subventionen für seinen Hof von der EU kommen und demnächst wegfallen“, so Horstmann. Und auch Austausch-Programme wie „Erasmus“ werden nach dem endgültigen Abschied der Briten aus der EU dort nicht mehr realisiert.

Brexit steht an: Lüner sagen zu Partnerschaft mit Salforder Freunden „jetzt erst recht“

Die Kathedrale von Salford, der langjährigen Partnerstadt von Lünen. © Kremer (A)

In diesem Jahr sollen wieder englische Jugendliche nach Lünen reisen und soll eine Gruppe junger Lüner die Partnerstadt kennenlernen. Allerdings habe man bislang noch nichts aus Salford gehört. Wohl auch, weil es einen personellen Wechsel dort gibt. 2019 ist eine Lüner Gruppe nach Salford gereist.

Allerdings kamen keine Engländer an die Lippe. „Es war etwas chaotisch, wir sollten im Herbst plötzlich innerhalb von fünf Wochen das Ganze auf die Beine stellen. Das war zu kurzfristig.“

Noch keine Termine für die Reisen von und nach Salford

Horstmann hofft, dass es dieses Jahr besser klappt und auch wieder eine Salforder Gruppe nach Lünen reist. „Wir können noch nicht für die Reise nach Salford werben, weil es noch keine genauen Daten gibt.“ Und auch Gastfamilien für die Salforder zu suchen, ergibt derzeit noch keinen Sinn.

Es sei ohnehin schwieriger geworden, die Fahrten zu organisieren, weil viele Familien ihren Urlaub schon frühzeitig ein Dreivierteljahr vorher planen. So früh konnten die Reisen nach und von Salford in den letzten Jahren nicht vorbereitet und terminiert werden.

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