Restaurants sind in der Corona-Krise geschlossen, setzen auf Lieferservice. Krankenhäuser verschieben planbare Operationen. Eine Branche lebt mittelbar auch davon und leidet jetzt.

Lünen

, 13.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie sind seltener geworden im Stadtbild: Taxis, die Menschen von A nach B transportieren. Und manchmal auch wieder zurück. Das ist in großen Teilen hinfällig. Weil die Corona-Krise die Bereiche lahmlegt, von denen das Taxigewerbe lebt. Wir haben uns bei Lüner Taxiunternehmen erkundigt, wie die Lage ist.

„Wo sollen die Leute denn hinfahren? Es ist ja nichts offen“, heißt es von der Geschäftsleitung des Taxiunternehmens Fähnrich. Allein diese beiden Sätze beschreiben die Situation ziemlich genau. Bis auf wenige wichtige Fahrten, die medizinisch erforderlich seien, gebe es keine Fahrten. „Niemand geht ins Städtchen, es fährt keiner in Urlaub.“ Fahrten wie zum Einkaufen oder zum Flughafen, die normalerweise tägliches Brot für ein Taxiunternehmen sind, entfallen.

Auch das Taxiunternehmen Fähnrich hat derzeit fast ausschließlich medizinisch notwendige Fahrten.

Auch das Taxiunternehmen Fähnrich hat derzeit fast ausschließlich medizinisch notwendige Fahrten. © Taxi Fähnrich

Die Einbußen beziffert die Geschäftsleitung auf „bis zu 70 Prozent“. Das Unternehmen Fähnrich habe Kurzarbeit für die Mitarbeiter beantragt. „Wir haben ja auch ausschließlich Festangestellte.“ Fahrzeuge abgemeldet habe das Unternehmen aber nicht, „um flexibel zu bleiben“. Also für den Fall, dass der sogenannte Shutdown wegen des Kontaktverbots gelockert würde und Taxis wieder mehr benötigt würden.

„Wir können stündlich reagieren, und wir reagieren auch stündlich“, heißt es von der Fähnrich-Geschäftsleitung. „Solch eine Situation hat es bisher noch nie für uns gegeben.“

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Weniger Fahrten ist die eine Änderung in Coronazeiten. Hygienemaßnahmen wegen des Kontaktverbots sind die andere. Wie hält es Taxi Fähnrich damit? „Wir versuchen, den größtmöglichen Abstand im Taxi zu gewährleisten und lassen die Fahrgäste hinten einsteigen“, teilt die Geschäftsleitung dazu mit.

Auch beim Taxiunternehmen Levi sieht der Alltag nun ganz anders aus als sonst: „Bei uns ist auch einigermaßen was zusammengebrochen“, heißt es von der Zentrale. „Ungefähr die Hälfte an Einnahmen und an Fahrten sind entfallen.“ Kurzarbeit sei schon beantragt. Nur noch zwei von sechs Levi-Fahrzeugen seien derzeit auf der Straße unterwegs. Was macht das mit einem Taxiunternehmen, das ja darauf angewiesen ist, dass Leute auch mal spontan eine Fahrt buchen, wenn das Geschäft so einbricht wie derzeit? Alle Ziele - Friseure, Kneipen, Restaurants, Kino, Flughafen - gebe es nicht mehr, heißt es. „Wir leben jetzt von den Fahrten, die wir monatlich garantiert haben. Fahrten zur Dialyse, zur Onkologie. Diese Fahrten halten uns am Laufen.“

Ohne staatliche Förderung läuft es nicht mehr lange

Ohne staatliche Förderung, das teilt die Levi-Zentrale mit, werde das Geschäft nicht mehr lange laufen. Diese Soforthilfe sei beantragt. „Aber das läuft da nicht so gut. Wir warten schon seit zehn Tagen. Eine Soforthilfe ist das nicht.“

Wie sieht es mit Hygienevorschriften in den Levi-Taxis aus? Antwort aus der Zentrale: „Wir haben die Fahrerseite von den hinteren Sitzen komplett mit Folie abgetrennt.“ Die Fahrer seien zudem mit Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen ausgestattet.

In der Zentrale des Unternehmens Taxi mit Herz ist die Reaktion auf die Anfrage der Redaktion zum Thema Corona keine andere als bei den anderen Taxiunternehmen: „Es kommen keine Anrufe mehr nachts oder abends. Auch das Wochenendgeschäft gibt es nicht mehr.“ Zudem sei das Geschäft mit den Krankenfahrten reduziert. Was dem Unternehmen Taxi mit Herz bleibe, seien die Fahrten der Dialyse-Patienten. Wie hält das Unternehmen bei den Fahrten das Kontaktverbot mit Mindestabstand ein? „Wir lassen die Fahrgäste nur noch hinten einsteigen. Den Fahrern ist es freigestellt, ob sie Mundschutz tragen oder nicht.“ Handschuhe seien auch in den Fahrzeugen vorhanden.

Das Unternehmen Taxi mit Herz sei trotz Corona-Krise gehalten, genügend Personal einsatzbereit zu haben: „Wir machen ja die Laborfahrten für die Klinik am Park.“ Und das zu Zeiten, wo andere Unternehmen abends nicht mehr fahren.

Von insgesamt drei Fahrzeugen des Taxiunternehmens Stern ist nur noch eins derzeit auf den Straßen unterwegs.

Von insgesamt drei Fahrzeugen des Taxiunternehmens Stern ist nur noch eins derzeit auf den Straßen unterwegs. © Taxi Stern

Diese auch zeitlichen Einschnitte hat auch das Taxiunternehmen Stern zu spüren bekommen. „Wir fahren nicht mehr 24 Stunden“, erzählt Heval Demir, der das Geschäft mit Ehefrau Arzu führt. „Der Kreis Unna hat unsere Betriebspflicht aufgelockert. Wir fahren jetzt nur noch zwischen 6 Uhr und 20 Uhr.“ Allerdings seien die Anrufe von Kunden „sehr viel weniger geworden“, berichtet Demir. Der nächste Satz versinnbildlicht die ganze Dramatik, die hinter der Corona-Krise steckt: „Wir haben Einbußen bis zu 90 Prozent.“

So wie jetzt war es noch nie

Zurzeit fahre Taxi Stern fast ausschließlich Chemo- und Dialyse-Patienten. An eine Situation in diesem Ausmaß kann sich Heval Demir nicht erinnern: „Wir haben schon mal ein Sommerloch, aber so wie jetzt war es noch nie.“

Von drei Stern-Fahrzeugen ist derzeit nur eins im Einsatz, sagt Demir. Wie sieht es in diesem Auto mit den Hygienevorschriften aus? „Mehr als zwei Personen versuche ich nicht zu befördern, wenn es nicht notwendig ist.“

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