Hygiene-Chaos im Einzelhandel herrscht auch in Lünen

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Diskussionen, lauter Streit und manchmal sogar Hausverbote: Nicht alle Kunden sind einsichtig, wenn es um Hygienemaßnahmen beim Einkaufen in Corona-Zeiten geht. Für Chaos sorgen aber nicht nur sie.

Lünen

, 18.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Abstand halten, Mund- und Nasen-Schutz tragen, Hände waschen und Flächen desinfizieren: Diese Hygienemaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus sind ein Dauerthema. Doch die unterschiedliche Umsetzung der Verhaltensempfehlung im Einzelhandel - auch in Lünen - führt zur Verunsicherung bei den Kunden.

Aushänge erklären das jeweils gültige Prozedere

An jeder Eingangstür gibt es in diesen Tagen Aushänge, wie sich die Kunden im Geschäft zu verhalten haben. Da ist die maximal zulässige Personenzahl im Gebäude ebenso angegeben wie eine Beschreibung, wie der jeweilige Ladeninhaber die Vorschriften auslegt.

Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes ist vom Land NRW in allen Geschäften vorgeschrieben. Für einige Dienstleistungen wie Friseure und Fußpflege gibt es einheitliche Kataloge und Handlungsempfehlungen und vor allem eine konkrete Definition der erforderlichen Hygienemaßnahmen. Sie sind in der Corona-Schutz-Verordnung des Landes, (CoronaSchVO) festgelegt. „Eine einheitliche Definition für alle Geschäfte gibt es nicht. Hier sind die einschlägigen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu beachten“, erklärt das NRW-Gesundheitsministeriums auf Anfrage.

Viel Spielraum mangels einheitlicher Corona-Maßnahmenkataloge

Und das lässt viel Spielraum zu. So ist zum Beispiel von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich, ob man einen Einkaufswagen mitnehmen muss oder nicht. Einheitlich ist da längst nichts mehr. Und selbst dort, wo Einkaufswagenpflicht herrscht, gilt die manchmal pro Haushalt, manchmal aber auch pro Person. Und das führt zu Chaos.

„Die Leute gehen dann zwar mit zwei Wagen in das Geschäft hinein, aber drinnen wird der zweite Wagen irgendwo abgestellt und stehen gelassen“, weiß Serkan Hatun. Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes PSS Pro Security & Service GmbH hat die Aufsicht am Toom-Baumarkt, und muss sich täglich mit uneinsichtigen Kunden herumschlagen. „In den vergangenen drei Stunden waren es fünf. Einem musste ich sogar Hausverbot erteilen, weil er sich weigerte, die Schutzmaske zu tragen, die er sogar dabei hatte“, verrät Hatun.

Die Polizei rufe er regelmäßig hinzu, doch eines beruhigt ihn: „Ich bekomme viel Zuspruch von Leuten, die sich daran halten und solche Auseinandersetzungen mitbekommen. Diese Leute sind zufrieden und froh, dass wir da sind. Es geht schließlich um unser aller Gesundheit.“

100 von 1000 Kunden wollen diskutieren

Doch das sähen leider nicht alle Kunden ein. 100 von 1000 seien es, mit denen er diskutieren müsse, sagt Hatun. „Seit dem 23. März ist nicht ein Tag ohne Diskussionen vergangenen“, sagt Hatun. Ein Sicherheitsmann alleine würde die Arbeit nicht schaffen. Sei es, dass die Einbahnstraßen-Regel ignoriert wird oder die Leute daran erinnert werden müssen, die Maske über Mund und Nase zu tragen.

Dabei hat der Toom-Baumarkt schon die Situation entschärft, indem er nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt auf die Einkaufswagenpflicht verzichtete. „Das hat einfach nur zu Problemen geführt, wenn die Wagen im Laden gelassen wurden.“

Desinfektion wird unterschiedlich gehandhabt

Wo jedoch die Einkaufswagenpflicht herrscht, gibt es auch Unterschiede. Bei Blumen Risse beispielsweise sorgt das Personal unverzüglich bei Rück- oder Ausgabe des Wagens dafür, dass die Lenkstangen desinfiziert werden, anderswo, wie im Werkzeug-Fachmarkt Stabilo bleibt es dem Kunden überlassen, ob er zu Tuch und Desinfektionsmittel greifen möchte. „Doch die Kunden ziehen mit“, erklärt Filialleiterin Stefanie Lehmann. Mit den Masken hätten die Kunden kein Problem, nur mancher würde keinen Wagen wollen.

Strengere Vorschriften wünscht sich die Filialleiterin aber nicht. „Wir können im Eingangsbereich kein Waschbecken installieren. Da liegen ja gar keine Leitungen für so etwas.“ Eine Flächendesinfektion sei problemlos möglich, „aber die Menschendesinfektion ist schwierig umzusetzen“. Stefanie Lehmann ist daher zufrieden, wie es bei ihr läuft - und sieht von ihrem Geschäft zu anderen, die sie privat aufsucht, auch keine großen Unterschiede.

Die meisten handeln in Corona-Zeiten umsichtig

Auch bei ATU sind die Mitarbeiter dankbar, dass die Kunden mitziehen, dabei dürfen nur drei gleichzeitig in den Laden. „Das klappt gut. Die Leute schauen und warten“, sagt ein Mitarbeiter. Eine Einkaufswagenpflicht besteht hier nicht.

Bei Blumen Risse erhalten die Kunden desinfizierte Wagen - doch im Geschäft selbst geht es durcheinander. Ein Einbahnstraßen-System gibt es nicht, obwohl die Blumenständer nur Raum für schmale Gänge lassen. Und da pro Person ein Wagen mitgeführt werden muss, ist es im Bereich der jetzt nach den Eisheiligen besonders gefragten Sommerblumen auch schnell voll.

Hier liegt es an den Kunden, selbst auf Abstand zu achten - und an Kreuzungen hilft nur das direkte Gespräche, um sich abzustimmen, wer denn Vorfahrt hat. Doch das funktioniert meistens, irgendwie.

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