Coronavirus: Internet oft in Kritik, jetzt ermöglicht es Zusammenhalt

hzMeinung am Mittwoch

Wir müssen Abstand halten, doch der Zusammenhalt ist groß. Die sozialen Netzwerke, die oft als schädlich beklagt werden, helfen dabei. Bleibt das auch noch nach der Corona-Krise?

von Kira Engel

Lünen

, 08.04.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In diesen Tagen gibt es vor allem zwei Arten von Meldungen in der Zeitung: entweder Krisenberichte, die mich mit immer neuen Absagen, nötigen politischen Maßnahmen oder aktuellen Zahlen ratlos und zuweilen auch etwas ängstlich machen. Und all die anderen Berichte über Menschen, die Lebensmittel verteilen, Briefe schreiben oder Schutzmasken nähen, die mir große Hoffnung machen.

Gastautorin Kira Engel.

Gastautorin Kira Engel. © Quiring-Lategahn

Gastautorin Kira Engel ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen

In den vergangenen Monaten, vielleicht Jahren wurde immer mehr beklagt, dass unsere Gesellschaft verroht, der Respekt verloren geht und im Internet sich sowieso nur Hass und Hetze tummeln. Im gleichen Internet, den gleichen Sozialen Netzwerken, die uns jetzt in Zeiten von gebotenem physical distancing die Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte ermöglichen.

Von einer Chance zu sprechen, ist zynisch

Ich empfinde es als zynisch, von einer Chance zu sprechen, die sich aus einer solchen Krisensituation wie der derzeitigen ergibt. Für mich verhöhnt das all die, die existenziell betroffen sind. Keiner von ihnen hat sich ausgesucht, an einer „neuen Chance“ beteiligt zu sein, von der ich in den letzten Tagen immer mal wieder lese.

Zunächst einmal trifft es einfach viele hart, sie wissen nicht, wie sie ihre Miete bezahlen, ihren Betrieb am Laufen halten oder schlicht ihren Kühlschrank gefüllt bekommen. Nicht zu vergessen all diejenigen, die ihre Lieben schmerzhaft vermissen. Und die, die im Krankenhaus um ihr Leben kämpfen.

Die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 bietet keine neuen Chancen, aber sie zeigt, dass Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt bei uns noch nicht ausgestorben sind. Im Gegenteil. Bei mir melden sich mehr Menschen, die gerne anderen beim Einkaufen helfen wollen, als Menschen, die diese Hilfe benötigen.

Wer eine Nähmaschine hat, näht Gesichtsmasken, längst nicht nur für sich selbst. Händler werden kreativ und Kunden sind bereit, für die Unterstützung des lokalen Einzelhandels Umstände in Kauf zu nehmen. Künstler streamen live ihre Musik, Buchverlage stellen Inhalten kostenlos zur Verfügung, damit Schüler auch zuhause damit lernen können.

Zusammenhalt ist groß und hilfreich

Noch viele weitere Beispiele aus dem nahen Umfeld, der Stadt oder dem Land würden mir einfallen. In einer Zeit, in der wir Abstand halten müssen, empfinde ich den Zusammenhalt untereinander als groß und hilfreich. Hoffentlich erinnern wir uns auch noch daran, wenn die Krisenzeit vorüber ist.

Ab dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin TIgges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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