Coronavirus-Verdacht in Lünen: Probe auf dem Weg zur Berliner Charité

hzSt.-Marien-Hospital

Ein 57-Jähriger liegt im Lüner Marienhospital, weil er sich vermutlich mit dem Coronavirus infiziert hat. Ihm geht‘s gut. So gut, dass er selbsständig in die Klinik kam - mit Mundschutz.

Lünen

, 30.01.2020, 18:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach den bisherigen Ermittlungen der Gesundheitsbehörde des Kreises hielt sich der Betroffene, ein 57-Jähriger Mann aus Kamen, mehrere Wochen lang beruflich in der Gegend Wuhan in China auf, genau dort, wo die ersten Infektionen auftraten. Der Mann kehrte am 10. Januar wieder nach Deutschland zurück.

Kamener litt unter Reizhusten und ging schließlich zum Arzt

Er litt unter Reizhusten, maß dem aber zunächst wohl keine besondere Bedeutung bei, ging aber schließlich doch zum Hausarzt. Der, so sagt Dr. Berthold Lenfers, stellvertretender Ärztlicher Dirketor des St.-Marien-Hospitals, habe richtig gut geschaltet, und den Verdacht auf das Coronavirus geäußert. Obwohl die klassische Inkubationszeit von zwei Wochen, von der derzeit die Experten ausgehen, schon überschritten war. „Eigentlich passte es von der Zeit her gar nicht mehr“, so Lenfers.

Der niedergelassene Mediziner aber ging auf Nummer sicher, rief im Marien-Hospital an und sagte Bescheid: „Ich habe den Mann jetzt losgeschickt“. Dort war man bestens vorbereitet, hatte sich längst auf den Fall der Fälle eingestellt. Lenfers: „Die Erstmaßnahmen sind erst einmal die selben wie bei Grippe-Patienten“. Und darin hat die Klinik Übung: Im „Grippe-Winter“ 2017/18 behandelte das Krankenhaus über 400 Patienten, im Winter 2018/19 waren es 320.

„Jetzt sind wir noch ein bisschen gründlicher“, betont Lenfers, eben weil man von diesem Virus noch so wenig wisse. Klar sei aber: „Panik ist nun wirklich nicht angebracht.“

Coronavirus-Verdacht in Lünen: Probe auf dem Weg zur Berliner Charité

Vor jedem Patientenzimmer, in denen Menschen liegen, die gefährdet sind oder andere gefährden könnten, gibt es solche Schilder. © Archiv

Infektionsstation: Jedes Zimmer hat eine eigene Schleuse

Mit der Station C1 gibt es eine spezielle Infektionsstation in der Lüner Klinik. Jedes Zimmer dort hat eine eigene Schleuse. „Die Station ist außerdem in drei Abschnitte unterteilt, die man durch Sicherheitstüren von außen separat begehen kann“, so Lenfers.

Während der Grippe-Schnelltest im Klinikum St. Marien selbst durchgeführt wird, wird der Abstrich aus dem Rachen des 57-ährigen Patienten auf den Test für das Coronavirus in einem Röhrchen und in Schutzverkleidung verpackt auf die Reise geschickt: Es geht nach Berlin in die Charité. Die besondere Technik für diesen Test sei so neu, dass die entsprechenden Geräte so einfach nicht zu haben seien. Mit einem Ergebnis rechnet das Krankenhaus nach 48 Stunden, also am Wochenende.

Gesundheitsamt auf der Suche nach Kontaktpersonen

Bei der zuständigen Gesundheitsbehörde des Kreises Unna hat man unterdessen damit begonnen, die Menschen ausfindig zu machen, die mit dem erkrankten Kamener in der Zwischenzeit Kontakt hatten. Wer und wie viele Menschen das sind, dazu gibt es bislang keine detaillierten Informationen.

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