Demo gegen Corona-Einschränkungen sorgte für Widerspruch in Lünen

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Rund 50 Menschen haben sich am Samstag auf dem Marktplatz in Lünen versammelt, um über das Grundgesetz zu meditieren: deutlich mehr als vor einer Woche. Es blieb nicht die einzige Demo.

Lünen

, 16.05.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überall in Deutschland sind sie am Samstag (16. 5.) wieder auf die Straße gegangen - auch in Lünen: Menschen, die sich gegen die Corona-Auflagen wenden. Waren vor einer Woche zu der ersten Veranstaltung dieser Art in Lünen 15 Männer und Frauen zusammengekommen, sind es dieses Mal rund 50. Eine Entwicklung, über die sich Mitinitiator Peter Pasternak freut. Anderen macht das dagegen Sorge.

„Mir ist das ein persönliches Anliegen, hier zu sein und ein Zeichen zu setzen“, sagt der Lüner, der kurzfristig eine kleine Gegendemonstration organisiert hat: erst zwei, später fünf Leute, die schräg vorm Rathaus Plakate in den bewölkten Himmel halten. Der Initiator will seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen, anders als Erika Roß von den Grünen, die sich spontan zu ihm gesellt hat.

„Hygiene hilft. Meditieren nicht“

„Hygiene hilft. Meditieren nicht“, steht auf ihren Plakaten. Und: „Entbehrungen auf kurze Zeit oder Leid auf Ewigkeit“: Slogans, die Verständnis zeigen, für die nebenan pauschal kritisierte Einschränkung der grundgesetzlich verbrieften Bürger- und Freiheitsrechte. Die Gebote und Verbote dienten schließlich dem Zweck, das Leben von Mitmenschen zu schützen und zu wahren. Vor allem stört sie aber etwas anderes: „Dass Gruppen das Grundgesetz kapern und für sich nutzbar machen“.

Spontaner Widerspruch: Nicht Meditation helfe, sondern Hygiene und Anstand, meinen diese Lünener: der Beginn einer Gegenbewegung zu den andauernden Demos der Kritiker der Corona-Einschränkungen.

Spontaner Widerspruch: Nicht Meditation helfe, sondern Hygiene und Anstand, meinen diese Lünener: der Beginn einer Gegenbewegung zu den andauernden Demos der Kritiker der Corona-Einschränkungen.

Davor hatte zwei Tage zuvor NRW-Innenminister Herbert Reul gewarnt. Die aus „nachvollziehbaren Sorgen“ stattfindenden Proteste gegen die Corona-Bestimmung drohten von rechten Extremisten und Verschwörungstheoretikern unterwandert zu werden. Diese Gefahr erkennt Pasternak für Lünen nicht: Es sei falsch, alle bundesweiten Grundgesetz-Demonstrationen in einen Topf zu werfen. „Wir sind untereinander nicht verbunden.“ Anlass, sich von irgendwem zu distanzieren, sieht er nicht.

Nicht gehört hat er, dass ein Mann die Pressevertreterin lauthals als Teil der notorisch lügenden Medien, beschimpft hat, die es besser gar nicht mehr gebe, - ungeachtet der im Grundgesetz verankerten Pressefreiheit.

Menschen „aus der Mitte der Gesellschaft“ meditieren

„Gucken sie sich doch um, das sind hier doch alles Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, keine Glatzen“: Frauen und Männer, die zum Teil mit geschlossenen Augen auf Yoga-Matten sitzen. Einige haben ihre Kinder mitgebracht. Andere stehen am Rand oder haben sich auf die Bänke gesetzt. Ansprachen gibt es nicht. stattdessen Plakate: Das Grundgesetz werde „de facto außer Kraft“ gesetzt.

Von einer drohenden „Impfpflicht durch die Hintertür“ ist die Rede, die dem Recht auf körperliche Unversehrtheit widerspreche. Und von dem Recht auf Versammlungsfreiheit, das „futsch“ sei.

Dass es noch gar keinen Impfstoff gegen Corona gibt, dass die Lockerungen gerade begonnen haben und ja gerade eine Versammlung stattfinde - wenn auch mit Mindestabstand von 1,50 Metern von Teilnehmer zu Teilnehmer - ist kein Thema.

Organisator will weiter gegen Beschränkungen protestieren

Die Einschränkungen der Freiheiten hielten an, sagt Pasternak. So lange das der Fall sei, wollten er und seine Frau weiter Demonstrationen machen auf dem Marktplatz. „150 Leute passen hier hin.“ Künftig könne er sich auch vorstellen, dass sich Bürger zu Wort melden könnten. Der Frust sei groß.

Die Gegendemonstranten wollen in dem Fall wiederkommen, um „Demokratie zersetzenden Kräften“ erst gar keinen Nährboden zu liefern. Pasternak sieht das gelassen: „Pluralität ist doch eine gute Sache.“

Mussten die Demo-Organisatoren in der vergangenen Woche noch Namenslisten führen, die im Fall einer Infektion weiter zu leiten sind, war das an diesem Samstag lediglich eine Empfehlung. Der sei man aber nachgekommen, sagt Dirk Jankiewitz, der Einsatzleiter der Polizei. Es sei weder zu Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz gekommen noch zu anderen Zwischenfällen.

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