Der einfache Weg zur Gemüseernte im eigenen Garten

hzDas Garten-Jahr

Gemüse aus dem eigenen Garten muss nicht viel Arbeit machen. Wie die Ernte von Salat und Gemüse ohne großen Aufwand gelingen kann, erklärt Gartenfachmann Neil Saâd am eigenen Beispiel.

Lünen

, 22.06.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Ziergarten ist etwas Feines. Die vielfältigen Blütenfarben, besondere Blattformen oder der formschöne Wuchs eines alten Baumes erfreuen mich das ganze Jahr. Daneben liefert mir der Ziergarten einen Nutzen. Bäume spenden Schatten an warmen Tagen, Hecken bieten Sichtschutz.

Allerdings reichte mir das nicht. Nach einigen Jahren als Hobbygärtner überlegte ich, inwiefern ein Nutzgarten für mich das Richtige ist. Auslöser war eine Packung Rucola, welche im Kühlschrank ein kränkliches Dasein fristete. Die 100-Gramm-Standard-Einheit aus dem lokalen Supermarkt enthält regelmäßig zu viel Inhalt, um ihn zu verzehren, solange er frisch ist. In der Folge landet ein Rest auf dem Kompost. Voll Ärger über diese Verschwendung keimte die Idee, Rucola im Garten selber zu ziehen und nur bedarfsgerecht zu ernten.

Eigenes Gemüse anbauen? Soll ich etwa Bauer werden?

Zunächst schreckte mich die damit verbundene Arbeit ab. Ich kannte es aus meiner Kindheit, für meine Oma im Gemüsegarten Bohnen zu pflücken und mühselig Erbsen aus ihrer Schale zu befreien. Im 30-jährigen Rückblick kommt mir ihr Gemüsegarten wie ein Haufen Arbeit vor. Nichts, wofür ich heute zwischen Beruf, Familie und Freizeit viel Zeit übrig habe. Somit musste der Gemüsegarten pflegeleicht sein. Zudem wollte ich nicht viel Zeit, Arbeit und Geld in das erstmalige Anlegen des Gartens investieren. Beete mühselig neu zu schaffen oder handwerklich-kunstvoll ein Hochbeet bauen war nicht mein Plan.

Einfach denken: Der Gemüsegarten für Jedermann

Mein Blick fiel auf meine Garageneinfahrt, die neben meinem Auto noch einiges an freiem Platz bot. Ich besorgte mir mehrere, große Speisfässer und präparierte diese zu mobilen Pflanzbeeten. Dazu bohrte ich von außen Löcher in den Boden und die Seitenwand, damit Wasser abfließen kann. Weiterhin kamen ein paar alte Tonscherben von kaputten Blumentöpfen sowie etwas Kies als Drainage in den Boden. Abschließend befüllte ich meine ersten drei Pflanzkübel mit einfachem Pflanzsubstrat. Fertig. Mein erster, kleiner Nutzgarten war für wenige Euro und binnen einer Stunde Arbeit einsatzbereit.

Bio-Saatgut für die gesunde Gemüseernte

Im Internet bestellte ich Bio-Saatgut von Rucola, Mangold und Spinat. An einem kühlen Tag Anfang April setzte ich zusammen mit meiner kleinen Tochter die Samen in die Erde und goss diese gut an. Der Zeitpunkt schien mir gut gewählt. Mit Spätfrösten rechnete ich nicht mehr und die steigenden Temperaturen versprachen ein schnelles Aufkeimen. Genau so kam es. Bereits nach wenigen Tagen streckten sich die ersten grünen Triebe aus dem Boden. Täglich konnten wir beim Wachsen der Pflanzen zusehen.

Die Erntemenge von Rucola und Mangold überraschten mich schließlich. Regelmäßig erntete ich ab, frischen Rucola gab es zu vielen Gerichten und in Salaten. Als die ersten Pflanzen in die Blüte gingen, stoppte ich an einigen die Ernte und überließ sie den Insekten. Die restlichen schnitt ich zurück. Dazu ersetzte Mangold den Tiefkühlspinat. Gerade geschnitten, wuchsen neue Blätter bis in den späten Herbst nach. Gab es zu viel, blanchierte ich den Mangold und fror ihn für den Winter ein. Ich war schier begeistert.

Anbauplanung für mehr Abwechslung

Neben der Ernte machten meine Gemüsekübel kaum Arbeit. An besonders heißen Tagen goss ich die Töpfe mit Brunnenwasser. Auf das Düngen verzichtete ich gänzlich. Aufgrund des Erfolges im ersten Jahr, startete ich motiviert in das zweite Jahr.

Mehr Speisfässer und mehr, verschiedene Gemüse waren der Plan. Karotten, Radieschen, Pflücksalat sowie die erfolgreichen Mangold und Rucola kamen wieder in die Planung. Da es Speisfässer in vielen Größen und Formen gibt, ist der Kübelgarten flexibel an die Platzbedürfnisse der jeweiligen Pflanze anpassbar. Schließlich geriet die Ernte auch im zweiten Jahr zum Erfolg. Wochenlang gab es frischen Salat, leckere Möhren und fast täglich knackige Radieschen. Für das nun dritte Jahr ist mein Auto aus der Einfahrt ausgezogen und steht an der Straße. Dadurch ist mehr Platz für weitere Speisfässer und frisches Gemüse aus dem Kübelgarten.

Der Autor Neil Saâd, Jahrgang 1981, ist gelernter Kaufmann und Hobbygärtner. Mit seiner Frau und seiner Tochter lebt er seit 2013 als Haus- und Gartenbesitzer an der Dortmunder Stadtgrenze. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er in dieser Serie über sein Leben zwischen Familie, Beruf und Garten.
Der einfache Weg zur Gemüseernte im eigenen Garten

Autor Neil Saâd © Pfeifle (A)

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