Der Schienenersatz-Schreck der Eurobahn

Ein Erfahrungsbericht

In gut zweieinhalb Stunden reist man mit dem Flugzeug von Düsseldorf bis Sizilien – oder Portugal. Dieselbe Zeit kann man aber auch auf einer Bahn- und Busfahrt von Bochum nach Werne verbringen. Das ist dann der Fall, wenn der Schienenersatzverkehr der Eurobahnlinie RB50 nicht so funktioniert, wie er sollte.

LÜNEN/WERNE

, 17.05.2016 / Lesedauer: 4 min
Der Schienenersatz-Schreck der Eurobahn

Die Fahrt von Werne nach Dortmund und wieder zurück ist in dieser Woche beschwerlich: Auf einem Teil der RB50-Strecke werden Sanierungsarbeiten durchgeführt. Ein Bus soll die ausfallenden Bahnen zwischen Dortmund und Lünen ersetzen.

Um kurz nach dem Glockenschlag um 10 Uhr in der Redaktion in Werne zu sein, nehme ich aus Bochum kommend für gewöhnlich in Dortmund die RB50, die um 9.35 Uhr vom Hauptbahnhof abfährt. 

Weil auf dieser Strecke, zwischen Dortmund und Lünen, in dieser Woche Sanierungsarbeiten anstehen, setzt die Eurobahn Busse als Ersatz ein (die RN berichteten). Ich muss also in Dortmund in den Bus steigen, bis Lünen fahren und dann in die dort wartende Eurobahn umsteigen, die mich dann nach Werne bringt. So weit die Theorie.

Theorie und Praxis

In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: Planmäßig um 9:03 Uhr soll ein Bus in Richtung Lünen losfahren. Der Fahrer setzt sein Fahrzeug acht Minuten früher in Bewegung. Gut, dass ich schon im Bus sitze. Exakt 37 Minuten plant die Eurobahn für den Bustransfer nach Lünen. Um 9.40 Uhr soll ich also laut Plan in Lünen sein, von wo die Anschlussbahn um 9.50 Uhr nach Werne abfahren soll. Ein Puffer ist also eingeplant.

Dafür, dass ein einziger Bus eine ganze S-Bahn ersetzen soll, in die mehrere Hundert Fahrgäste passen, ist es in meinem Bus erstaunlich entspannt. Fast alle Plätze sind besetzt, aber niemand muss stehen. In den Morgenstunden zur Rush-Hour ist in den Sozialen Netzwerken im Internet allerdings von überfüllten Bussen zu lesen. Der Bus schlängelt sich unterdessen durch den wuseligen Dortmunder Stadtverkehr. Ein Blick auf die Uhr, 9:25 Uhr und noch auf Dortmunder Stadtgebiet. Kann knapp werden, denke ich mir.

"Vielleicht kommt die ja noch"

An den Haltestellen, die der Bus anfährt, will niemand einsteigen. Es steigen nur Fahrgäste aus. Es ist mittlerweile 9.45 Uhr, wir erreichen Lünen-Preußen. Ob der Anschlusszug wohl auf den verspäteten Bus wartet? 9.53 Uhr, der Bus erreicht nach fast einer Stunde Fahrzeit den Lüner Hauptbahnhof. Von hier aus soll die Anschlussbahn in Richtung Werne starten, allerdings schon um 9.50 Uhr.

Wir sind also zu spät, aber dass die Bahn nicht auf den Bus wartet, kann sich niemand vorstellen. Ein Spurt zum Gleis – keine Bahn zu sehen. „Vielleicht kommt die ja noch“, sagt ein Fahrgast. Aber da kommt nichts. Die Bahn ist schon weg.

Anruf für 60 Cent

Ich rufe beim Kundenservice der Eurobahn an, 60 Cent pro Anruf. Ich frage, ob unser Anschlusszug weg sei oder Verspätung habe. Die Dame sagt mir, der Zug sei gerade in Capelle und in zehn Minuten in Lünen. Von da aus solle er direkt wieder in die umgekehrte Richtung starten. Ich verbreite die Nachricht am Gleis. Erleichterung ist zu spüren. Der Zug trifft um 10.15 Uhr in Lünen ein, fährt aber nicht wieder in die umgekehrte Richtung weiter. Na klar, nächste planmäßige Abfahrt ist um 10.50 Uhr.

Um kurz nach elf erreiche ich schließlich die Redaktion. Zu dem Zeitpunkt bin ich zweieinhalb Stunden unterwegs. Sonst brauche ich eine Stunde. Bei der Eurobahn – und das passt zum besagten Tag – kann oder will sich bis zum Abend niemand zum Thema äußern. Wäre ich mal lieber nach Sizilien geflogen. 

Fazit: Man muss wirklich kein Nörgler sein, um das Notfall-Management der Eurobahn zu kritisieren. Sanierungsarbeiten fallen nicht vom Himmel, sie werden von langer Hand geplant. Einen ordentlichen Schienenersatzverkehr zu organisieren, sollte also nicht so schwer sein.

Dass zwei Busse die Stunde nicht eine ganze Bahn für mehrere Hundert Fahrgäste ersetzen können, scheint selbst einem Logistik-Laien klar zu sein. Und dass der Bus im morgendlichen Gewusel in Dortmund nicht in 37 Minuten den Weg nach Lünen schafft, weiß jeder, der schon mal Auto in Dortmund gefahren ist. Viel schlimmer ist allerdings, dass Pendler für die nicht selbst verschuldete verspätete Bus-Anreise am Lüner Bahnhof im Stich gelassen werden und erst eine Stunde später ihren Weg nach Werne oder ins Münsterland antreten können.

Und das sagen Lüner Pendler zu der Misere: 

Rund 15 Minuten benötigt die Eurobahn planmäßig für die Strecke zwischen Lünen und Dortmund. Für die Busse sind 37 Minuten Fahrtzeit eingeplant, doch in vielen Fällen dauerte die Tour deutlich länger. „50 Minuten habe ich heute mit dem Bus aus Dortmund nach Lünen gebraucht“, sagt Ulla Riesberg. Obwohl sie auf der Strecke regelmäßig unterwegs ist, sei sie über die Sperrung nicht informiert gewesen. „In den Zügen gab es keine Ansage“, erklärt Riesberg, „sonst wäre ich früher losgefahren.“ Viel Platz sei in den Bussen nicht gewesen, sagte sie, die ihr Fahrrad mit dabei hatte.

„Fast 50 Minuten“

Auch Katharina Krischer ist von Lünen nach Dortmund länger als angegeben unterwegs gewesen. Ihr Fazit: „Es war voll, es war unbequem und hat fast 50 Minuten gedauert.“ Leider sei der Bus für die Anzahl an Fahrgästen zu klein gewesen, sagt sie.

Die „Bus-Kapazitäten sind gemäß unserer Fahrgastzahlen geplant worden“, erklärte am Dienstag ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage. Allerdings sei es Dienstagmorgen zu zwei kurzfristigen und unvorhergesehenen Bus-Ausfällen gekommen, erklärte er. Die Bahn habe das zuständige Unternehmen aber bereits informiert und es solle dafür sorgen, „dass keine Bus-Ausfälle zu verzeichnen sind.“

"Unplanmäßige Veränderung"

Zusätzlich sei es auf der Strecke zwischen Hamm und Münster zu einer „unplanmäßigen Verlängerung der dortigen Baumaßnahmen gekommen“, erklärte der Sprecher. So sei davon auszugehen, „dass etliche Kunden auf die Strecke Münster – Dortmund ausgewichen sind.“

Bis Samstag, 21. Mai, 3 Uhr, müssen Pendler zwischen Lünen und Dortmund weiter den SEV benutzen und in die Busse umsteigen. Weitere Informationen zu den Bauarbeiten und den Ersatzfahrplan der Busse gibt es unter www.bauarbeiten.bahn.de/ nrw und www.eurobahn.de. Unter Tel. (0180) 6 46 40 06 (Deutsche Bahn) und (0180) 69 27 37 27 (Eurobahn) erhalten Reisende zudem telefonische Auskunft.

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