Die Geschichte von Napoleon und der Zwillingsbuche

Serie: "Hundert und eine Erzählung"

„Hundert und eine Erzählung" trugen die drei Autoren Fredy Niklowitz, Dr. Widar Lehnemann und Wilfired Heß in ihrem gleichnamigen Buch zusammen. Zehn Jahre haben sie an dem Werk gearbeitet. Wir haben die spannendsten Sagen ausgewählt und stellen sie in einer Serie vor. Diesmal geht es um die Napoleonsbuche.

LÜNEN

29.07.2017, 08:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der besondere Stamm der Napoleonsbuche, die eigentlich aus zwei Buchen besteht.

Der besondere Stamm der Napoleonsbuche, die eigentlich aus zwei Buchen besteht.

Zwei spannende Geschichten aus dem Buch spielen südlich des Kanals im Lüner Süden. Die erste Sage dreht sich um einen der wohl bekanntesten Bäume in Lünen – die Napoleonsbuche, die eigentlich aus zwei Buchen besteht und wie dieser besondere Baum zu seinem Namen gekommen ist.

Das Pferd Napoleons

An der südlichen Seite des Lippe-Seiten-Kanals, hart nördlich der Bergstraße, noch auf dem Gebiet von Gahmen, stehen zwei Buchen nahe beieinander, die in etwa fünf Metern Höhe ineinander wachsen. Die Zwillingsbuche führt auch die Bezeichnung „Napoleonsbuche“. Man erzählt in dieser Gegend, dass früher vor dem Baum ein Wassertümpel gestanden habe, aus dem die Pferde Kaiser Napoleons getränkt worden seien.

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Als Napoleon nach seinem Rückzug aus Russland und nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 hier vorbeigekommen sei, habe er sein Pferd in dem Tümpel vor der Buche getränkt und sei dann zwischen den beiden Buchen durchgeritten. (Pabst 1935)

Sage aus der Klöterheide

In der Sage von der „Spinnfrau in der Klöterheide“ geht es um eine besondere, sehr unheimliche Begegnung in der Dunkelheit in Gahmen. Ein Bauer kam in der Nacht mit Pferd und leerer Karre von Lünen. Er hatte Kartoffeln dorthin gefahren. Als er in der Klöterheide war, merkte er plötzlich, dass das Pferd so schwer ziehen musste, dass es vor Schweiß schäumte.

Im gleichen Augenblick sah er hinter sich auf der Karre eine alte Frau sitzen. Sie spann, und das Spinnrad schnurrte heftig. In seiner Angst trieb der Bauer das geplagte Tier noch mehr an, um eiliger voran zu kommen.

Das Pferd schnaufte, dass der Dampf wie eine Wolke aufstieg. Da kam ein Kreuzweg. Sobald er erreicht war, waren die Frau und das Spinnrad verschwunden, und das Pferd trabte leicht mit der Karre dem Hof des Bauern zu. (Beisenherz 1932)

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War Napoleon tatsächlich in Lünen?

Der Ort der Sage von der Napoleonsbuche ist zum Glück noch heute sichtbar, denn der Zwillingsbaum ist erhalten und gehört zu den Naturdenkmälern der Stadt Lünen. Sie ist als Zwillingsbaum ein auffallendes Phänomen, das – so die Autoren in ihrer Erläuterung – nach einer Erklärung verlangt.

Die Frage stellt sich, ob Napoleon 1813 nach der Völkerschlacht, die im Oktober bei Leipzig stattfand, tatsächlich in Lünen war. Denn seine Flucht führte nicht über Gahmen, sondern über Erfurt, Fulda, Hanau und Mainz. Aber Napoleon „geisterte“ durch die westfälische Sage - war angeblich an vielen Orten.

Erzählt wird auch, dass die Stellung der Stämme mit der oft breitbeinigen Darstellung Napoleons auf zeitgenössischen Bildern verglichen wurde. 1935 tauchte erstmals die Bezeichnung „Napoleonsbuche“ auf. Zuvor hatte man den Baum „Zwillingsbuche“ oder „zweibeinige Buche“ genannt.

Starke Windböen als Erklärung des Spuks

Das genaue Alter des Baumes ist nicht bekannt. Möglicherweise ergibt eine errechnete Wachstumszeit das Jahr 1813 als Pflanzzeit der beiden Zwillingsbuchen, die in jungen Jahren durch einen Eingriff zusammengefügt worden seien.

Eine zeitliche Einordnung der Sage vom Spuk in der Klöterheide ist laut Recherche der Autoren nicht möglich. Die Klöterheide liegt in den beiden Stadtteilen Lünen-Süd und Horstmar, der Straßenname „Klöterheide“ erinnert an diese alte Flurbezeichnung.

Vermutlich ritt der Mann auf seinem Weg von Lünen nach Lanstrop die heutige Bebelstraße, Kurler Straße/Friedrichshagen entlang. Zu sehen war für ihn nichts. Umso beeindruckender war offenbar, so die Autoren, das nächtliche Erlebnis für ihn.

Der Mann in der Sage scheint sich alles nicht nur eingebildet zu haben, denn sein Pferd ging mit ihm durch. Eine natürlich Erklärung für den Spuk könnten starke Windböen sein, bei denen sich der Mann im Windschatten des Mannes des Waldes bewegte.

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