Die größte Gefahr für CDU-Kandidat Christoph Tölle ist derzeit die CDU selbst

hzKommunalwahl 2020

Die CDU in Lünen ist überzeugt: Christoph Tölle wird ab September Bürgermeister und kann sich auf eine große CDU-Fraktion im Rat verlassen. Ist das realistisch? Eine kommentierende Analyse.

Lünen

, 19.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geschlossenheit. Immer wieder betonte Günter Langkau, wie geschlossen die CDU in Lünen zusammensteht. Eine verschworene Gemeinschaft, die von der Überzeugung getrieben wird, die große Mehrheit der Bürger hinter sich zu wissen. Oder, wie es die ehemalige Fraktionschefin Anette Droege-Middel formulierte: „Es werden schöne Jahre mit der CDU Lünen.“

Dass solche Sätze auf der Mitgliederversammlung fallen, auf der die Weichen für die Kommunalwahl 2020 gestellt werden sollen, ist nicht überraschend. Blickt man von außen auf diese Gemeinschaft, muss man sich hingegen schon fragen, ob dort wirklich alle begriffen haben, was die Stunde geschlagen hat.

Krise macht vor der Stadtgrenze nicht Halt

Die CDU Lünen mag nicht in der Krise sein. Darum ging es bisher aber auch nicht. Sondern vielmehr darum, dass die gesamte Christdemokratie derzeit nicht weiß, wo sie hinwill. Die CDU und ihre Glaubwürdigkeit stehen in ganz Deutschland nach der peinlichen Posse von Thüringen auf dem Prüfstand. Das ist eine Krise, die sicher nicht an der Stadtgrenze von Lünen halt macht.

Somit wären auch die Lüner Christdemokraten - bei aller vielleicht sogar berechtigter Zuversicht - gut beraten, sich etwas eingehender mit der Stimmung unter den Wählern zu befassen, anstatt sich von der Überzeugung leiten zu lassen, dass zwei gut besuchte Zukunftswerkstätten eine Garantie für den Wahlerfolg sind.

So gesehen scheint man mit Christoph Tölle eine patente Lösung gefunden zu haben. In seiner Antrittsrede riss der 39-Jährige alle wichtigen Themen für Lünen an: Wirtschaft, Verkehr, Bildung, Kultur. Wie er seine Ideen im Detail umsetzen will, verriet er an diesem Abend jedoch noch nicht.

Aber genau dafür hat er jetzt ja auch noch einige Monate Zeit. Dabei dürfte es für Tölle zum Problem werden, wenn er linke Positionen mit Linksterrorismus gleichsetzt. Oder, wie am Dienstagabend geschehen, die linksterroristischen Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg in die Nähe demokratischer Parteien des linken Spektrums setzt. Zum Vergleich: Das wäre in etwa so, als wenn Rainer Schmeltzer, Bürgermeisterkandidat der SPD, die CDU für die Ausländerjagden von Chemnitz verantwortlich machen würde.

Bundes-Reflex ist eine Gefahr

Aber Christoph Tölle musste diesen Punkt in seiner Rede einbringen, weil es derzeit ein CDU-weiter Reflex ist, sich sowohl von der AfD als auch von den Linken abzugrenzen. Wie albern das ist, zeigt die aktuelle Situation in Thüringen, wo eine naheliegende Lösung genau an dieser Ideologie scheiterte.

Das Ganze zeigt aber vor allem die Gefahr für die Kandidatur Tölles: Wenn er sich zu sehr von bundespolitischen Strömungen beeinflussen lässt, wird er scheitern. Und mit ihm die gesamte CDU in Lünen.

Neben dem Bürgermeisterkandidaten bestimmte die CDU-Mitgliederversammlung auch folgende Kandidaten für die Wahlkreise: Günther Koch, Daniel Pöter, Benjamin Schulz, Arno Feller, Marcel Glensk, Vanessa Marx, Renate Vinke-Müller, Jochen Gefromm, Dirk Wolf, Yahya Dindarol, Karin Syrbe, Gerhard Hagedorn, Michael Fischer, Martin Fleischmann, Paul Jahnke, Günter Langkau, Thomas Buller-Hermann, Christiane Krämer, Martina Adam, Tobias Ortmann, Christoph Tölle, Thorsten Redeker, Karoline Bremerich.
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