Direktorenvilla: Bürgermeister dreht in Sitzung Ratsherrn das Mikro ab

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Der durch den Bürgermeister gestoppte Verkauf der Direktorenvilla des Stein-Gymnasiums hat im Finanzausschuss für Verwunderung gesorgt. Einem SPD-Ratsherrn drehte Kleine-Frauns das Mikro ab.

Lünen

, 02.10.2020, 21:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie es passieren konnte, dass die Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) die alte Direktorenvilla am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium zum Verkauf anbietet und der Bürgermeister diesen stoppt, war Thema im Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag (1.10.). Die Wählergemeinschaft für Lünen (GfL) hatte einen Eilantrag zum Stopp des Verkaufs eingereicht. Aufgrund dessen war der Bürgermeister auf das Thema aufmerksam geworden und hatte diesen bereits eingeleitet. Die GfL zog daraufhin in der Sitzung ihren Eilantrag zurück. Unter „mündliche Anfragen“ gab es dazu aber weiteren Gesprächsbedarf. Dabei drehte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns dem SPD-Ratsherrn Martin Püschel das Mikrofon ab.

Ratsbeschluss notwendig

Laut Kleine-Frauns hätte der Rat über den Verkauf der Immobilie entscheiden müssen. Die Verwaltung werde nun zu dem Thema eine Vorlage erarbeiten, die im Betriebsauschuss ZGL beraten und dann im Rat entschieden werden solle. Michael Haustein (SPD) zeigte sich überrascht. Er war davon ausgegangen, dass es diesen Ratsbeschluss gebe. Das ist aber wohl nicht so, wie der Bürgermeister erklärte.

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Arno Feller (CDU) verwies auf das Protokoll einer ZGL-Sitzung aus 2018 und den Wirtschaftsplan, wonach ein Verkauf der Villa angestrebt werden sollte. Wie könne der Bürgermeister da von Eigenmächtigkeit der ZGL sprechen? Kleine-Frauns betonte, für ein Projekt dieser Größenordnung sei ein Ratsbeschluss notwendig. Er habe das rechtlich prüfen lassen. Er wolle damit die Rechte des Rates wahren.

Als Martin Püschel (SPD) sich unter dem Punkt „mündliche Anfragen“ dazu noch melden wollte, hat der Bürgermeister das unterbunden. Er sah die Anfrage abgehandelt. „Wir sind hier nicht in der Aussprache.“ Es habe die Gelegenheit gegeben, Infos der Verwaltung über einen Sachverhalt zu bekommen, der sich kurzfristig ergeben habe. „Ist das die neue Transparenz?“, fragte Püschel.

Mindestgebot 417.000 Euro

Die Direktorenvilla war bereits über die Sparkasse in einem Online-Portal inseriert worden. Laut Anzeige war das aus dem Jahr 1930 stammende Gebäude mit elf Zimmern, 310 Quadratmetern Wohnfläche und 800 Quadratmetern Grundstück mit 417.000 Euro inseriert. Allerdings im Bieterverfahren. Der Preis sei ein Mindestgebot.

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium würde die Villa gerne behalten und schulisch nutzen. Dazu gebe es bereits Konzepte. Demnächst liegt das Thema wieder bei der Politik auf dem Tisch. Entscheiden wird dann der neue Rat.

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