Dramatische Corona-Lage im Kreis Unna: „Wir sehen noch keine Trendwende“

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Der „Lockdown light“ zeigt im Kreis Unna bisher keine Wirkung, die Infektionszahlen schnellen weiter nach oben. Bleibt die Trendwende aus, könnte der Kreis die Corona-Regeln weiter verschärfen.

Kreis Unna

, 10.11.2020, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erstmals tagte der Kreistag am Dienstag in der Kamener Stadthalle – natürlich wegen der Corona-Pandemie. Meterweit standen die Tische im riesigen Saal auseinander, auch während der Sitzung galt die Maskenpflicht.

Dass die Lage nicht nur ernst, sondern sogar dramatisch ist, machte Gesundheitsdezernent Uwe Hasche in einem aktuellen Lagebericht zur Pandemie im Kreis Unna deutlich. „Wir sehen noch keine Trendwende“, sagte Hasche in Bezug auf die bundesweit einheitlichen Regelungen des sogenannten „Lockdown light“, die seit dem 2. November zunächst bis Ende dieses Monats gelten.

Freilich war diese Wirkung aufgrund der Inkubationszeit des Coronavirus auch so schnell nicht erwartet worden, weshalb auch Hasche sagte: „Wir müssen noch die nächsten Tage abwarten, ob der Lockdown wirklich Wirkung zeigt.“

Infektionen schnellen seit Anfang Oktober dramatisch in die Höhe

Werde die zweite Welle nicht gebrochen, müsse der Kreis Unna weitere Maßnahmen prüfen – je nachdem, was auf Bundes- und Landesebene beraten und beschlossen werde.

Bezogen auf das Geschehen vor Ort sei die Lage weiter „besorgniserregend“, so Hasche weiter. Er zog einige Zahlen zu Rate, die unterstreichen, wie dynamisch sich das Coronavirus binnen weniger Wochen ausgebreitet hat. Noch am 1. Oktober habe die 7-Tages-Inzidenz im Kreis Unna bei 9,6 gelegen – am 7. November lag sie bei 226,1. Am Dienstag (10. November) sank sie leicht auf 201,83.

Fast noch eindrücklicher wirkt folgende Zahl: Vom 1. bis 31. Oktober gab es laut Uwe Hasche 2047 Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Kreis Unna. Das sei das 1,5-fache im Vergleich zu den sieben Monaten zuvor seit Ausbruch der Pandemie gewesen. Und im Vergleich zum Vormonat September sogar ein Anstieg um den Faktor 11,5.

82 Covid-Patienten liegen im Krankenhaus

Unter den 1641 akut Infizierten seien 75 Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen, sodass auch die Sorge vor weiteren Einweisungen in die Krankenhäuser berechtigt ist. Die Kliniken seien laut Hasche momentan noch „vor der Lage“, könnten tagesaktuell stets genügend Betten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stellen. 82 Menschen werden derzeit (Stand 10. November) in den Krankenhäusern im Kreisgebiet mit einer Corona-Infektion behandelt, darunter 16 auf Intensivstation und davon wiederum elf unter Beatmung. Die Zahl der Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 stieg am Dienstag um 2 auf nunmehr 60.

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Auch in Schulen und Kitas nähmen die Infektionen seit Wochen zu, so Hasche weiter. Aktuell seien kreisweit 80 Schulklassen und 13 Kita-Gruppen von Infektionsfällen, Testungen und Quarantäne betroffen.

Ein Corona-Hotspot bleibt mit 611 aktuellen Infektionen die Stadt Lünen – ein Umstand, den der Kreis inzwischen auf die vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte zurückführt.

Bundeswehr-Soldaten sollen das Gesundheitsamt länger unterstützen

Hasche bedankte sich bei allen Menschen innerhalb und außerhalb der Kreisverwaltung, die in der Pandemiebekämpfung Unglaubliches leisteten. An eine Entspannung im Gesundheitsamt bis Weihnachten glaubt Hasche nicht. Die Unterstützung durch Bundeswehr-Soldaten aus der Glückauf-Kaserne in Königsborn soll bis ins neue Jahr hinein verlängert werden. Außerdem seien mehr als 100 Mitarbeiter aus der ganzen Verwaltung abgeordnet worden, weitere neue Kräfte zunächst befristet eingestellt worden. Weitere Hilfe komme durch Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen – zunächst bis Ende November, „aber hoffentlich noch länger“.

Hasche: „Es kommt auf jeden Einzelnen von uns an“

An die Bevölkerung des Kreises gerichtet, wiederholte Hasche am Dienstag im Kreistag den Appell, den bereits der inzwischen ausgeschiedene langjährige Landrat Michael Makiolla über Monate so ähnlich formuliert hatte: „Es kommt auf jeden Einzelnen von uns an. Helfen Sie mit, die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Verzichten Sie auf soziale Kontakte, die nicht zwingend erforderlich sind. Halten Sie sich an die Regeln.“ Corona sei keinesfalls die harmlose Grippe, wie es immer noch viele behaupten würden.

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