E-Bikes und Pedelecs: Unfallzahlen steigen deutlich, Polizei weist auf Gefahren hin

hzPolizeiaktion an der Laakstraße

Landesweit und auch in Lünen haben Unfälle, an denen Zweiräder beteiligt sind, zugenommen. In vielen Städten klärte die Polizei deswegen am Montag (3. Juni) über Gefahren auf. Auch in Lünen.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Ihr Handy hier im Fahrradkörbchen schützen Sie mit einer wunderschönen Hülle“, sagt Polizeihauptkommissar Rainer Strehl freundlich zu einer Radlerin, „aber warum schützen Sie denn Ihren Kopf nicht genauso? Der ist doch ein bisschen wichtiger.“

Normalerweise fährt die zweifache Mutter immer mit Helm, erzählt sie, vor allem vor den Kindern. Strehl weist sie noch kurz auf den richtigen Umgang mit den Ohrstöpseln hin, die sie trägt - die sind erlaubt, wenn Umgebungsgeräusche noch wahrgenommen werden können - dann lässt er sie weiterfahren. Eine Ordnungswidrigkeit hat sie nicht begangen; in Deutschland besteht keine Helmpflicht.

Weil aber landesweit die Unfälle, an denen Zweiradnutzer beteiligt sind, deutlich zugenommen haben, gab es am Montag (3. Juni) in vielen NRW-Städten zum europäischen Tag des Fahrrads einen Aktionstag. In diesem Zusammenhang war die Polizei am Montagmittag in Nordlünen an der Laakstraße/Ecke Akazienstraße präsent.

„Dabei geht es vor allem um Aufklärung“, erklärt Polizeisprecherin Dana Seketa. „Vor allem E-Bike-Fahrer unterschätzen oft die Geschwindigkeit. Wir handeln heute mit verkehrerzieherischem Gedanken und wenn wir ein paar erreichen, ist das schon ein schöner Erfolg.“

Anstieg der Unfälle mit Fahrrädern um 50 Prozent

In Lünen ist die Zahl der Unfälle, bei denen Fahrradfahrer verletzt wurden, von 82 im Jahr 2017 auf 123 im Jahr 2018 gestiegen: ein Anstieg um 50 Prozent. Damit ist die Zahl auf einem Höchststand seit 2014 (98). Acht dieser Unfälle waren mit Beteiligung von Pedelecs.

WAS IST WAS

PEDELECS, E-BIKES UND KLEINKRAFTRAD

  • Pedelec / E-Bike als Fahrrad: Mit Pedelecs oder E-Bikes, die als Fahrrad durchgehen (im Gegensatz zu E-Bikes als Kfz), kann der Radler durch Treten der Pedale auf 25 Stundenkilometer kommen. Radwege müssen genutzt werden. Nutzbar ohne Helm, Führerschein, Versicherung und Kennzeichen.
  • S-Pedelec: Als S-Pedelecs werden solche Zweiräder bezeichnet, die es durch Treten auf 45 Kilometer pro Stunde bringen. Sie gelten als Kfz und dürfen nur auf der Straße und auch nur mit Fahrerlaubnis, Helm, Beleuchtung und Kennzeichen gefahren werden.
  • E-Bike ohne Pedale: Als solche werden bis 20 oder 25 Stundenkilometer schnelle Mofas und bis 45 Stundenkilometer schnelle Kleinkrafträder bezeichnet. Bis 20 Stundenkilometer gilt keine Helmpflicht, dann schon. Für die Kleinkrafträder ist außerdem ein Führerschein erforderlich und sie dürfen nicht auf den Radweg.

Das liegt auch daran, dass immer mehr E-Bikes und Pedelecs im Straßenverkehr unterwegs sind. Auch der gute Sommer im vergangenen Jahr trieb mehr Menschen aufs Fahrrad. Außerdem lassen sich auch Fahrradfahrer durch elektronische Geräte ablenken und werden unaufmerksam.

Schuld an den Fahrradunfällen sind außerdem falsches Verhalten von Autos, Bussen oder Lkw sowie Fehlverhalten der Radfahrer, weiß Polizeisprecherin Dana Seketa. Außerdem zählen zu schnelles Fahren, Alkohol und Drogen, missachtete Vorfahrt, falsches Abbiegen oder ein fehlender Sicherheitsabstand zu den Unfall-Ursachen.

Bußgelder bis zu 100 Euro und ein Punkt

„Natürlich schauen wir heute auch nach Ordnungswidrigkeiten und Verkehrsdelikten, aber wir wollen auch positive Rückmeldung geben“, sagt Polizeihauptkommissar Andreas Schlüter, bevor er Regina und Hartmut Dilewski an den Straßenrand winkt.

Ausführlich lobt er den Rückspiegel am E-Bike und das trotz Tageslicht brennende Licht: „Es ist erwiesen, dass man Räder mit Licht viel besser sieht“, sag er. Und natürlich, dass die beiden Ruheständler einen Helm tragen, der sogar gut sitzt. Anders, als bei den meisten anderen, die an diesem Tag vorbei radeln. „Aber gerade weil man auf dem Fahrrad so ungeschützt und schnell schwer verletzt ist, ist der Helm besonders wichtig“, betont Schlüter.

Über den Tag verteilt gab es zusätzlich mobile Kontrollen in der Innenstadt: Insgesamt wurden bis 16.30 Uhr 13 Verwarnungsgelder und acht Verstöße, auf die eine Anzeige folgt, erhoben.

Verwarn- und Bußgelder:

Hier eine Übersicht über die Verwarn- und Bußgelder, die Fahrradfahrern blühen können.
  • Sie benutzen nicht den vorhandenen Radweg, obwohl dieser für die jeweilige Fahrtrichtung gekennzeichnet war: 20 Euro.
  • Als Radfahrer nebeneinander herfahren und dabei andere behindern: 20 Euro.
  • Fahren auf dem Gehweg: 10 Euro.
  • Fahre ohne Licht: 15 Euro.
  • Handynutzung: 55 Euro.
  • Einhändiges Fahren: 5 Euro.
  • Fahren über die rote Ampel: 60 Euro und ein Punkt, wenn es schon länger als eine Sekunde rot war sogar 100 Euro und ein Punkt.
  • Falschherum in eine Einbahnstraße fahren: 15 Euro.
  • Fahrrad ohne Klingel: 15 Euro. Wenn die Bremsen nicht funktionieren, kostet das allerdings nur 10 Euro.
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