Ein Wildschwein war am Sonntag in Lünen unterwegs. © picture-alliance/ dpa
Meinung

Ein einzelnes Wildschwein ist kein Hinweis auf massive Veränderungen

Der Schrecken war groß am Sonntag am Cappenberger See und in einigen Wohngebieten. Ein verletztes Wildschwein war unterwegs. Müssen sich die Menschen in Lünen jetzt Sorgen machen?

Jäger und Landwirte sind sich weitgehend einig, die Population der Wildschweine nimmt zu. Und sie wagen sich auch immer mehr an die Ränder von Städten. Manchmal sogar in Geschäfte. Vorsicht scheint also geboten – vor allem auch mit Blick auf das Gewicht (bis zu 100 Kilogramm bei den männlichen Tieren) und ihrer Kraft.

Anders als in der Stadt Berlin, die längst den Ruf als Hauptstadt der Wildschweine inne hat, tauchen in Lüner Wohngebieten die bulligen Tiere nur in sehr großen Zeitabständen auf. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung liegt „der letzte große Fall mehr als 10 Jahre zurück.“ Damals wie auch am Sonntag wurde das Tier getötet.

Angst vor Schweinpest

Während manche User in sozialen Netzwerken das Tier gerne gefangen und „aufgepäppelt“ hätte, treibt Landwirte eine andere Sorge um. Wildschweine sind potenzielle Überträger der Afrikanischen Schweinepest. Sie dürfen deshalb das ganze Jahr gejagt werden. Wirklich kleiner wird die Population deshalb nicht. Im Gegenteil.

Die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre hat zusammen mit milden Wintern zu hohen Zuwachsraten und mehreren Generationen an Frischlingen geführt. Die Auswirkungen auf Lünen sind überschaubar. Der Kreis Unna hat andere Bereiche als Schwerpunkte der Population in der Region ausgemacht. Ein einzelnes Wildschwein ist kein Hinweis auf massive Veränderungen.

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Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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